Ärger um Radweg: Debatte um Ausbau des FR3 am Hauptfriedhof STADTGEPLAUDER | 16.04.2021 | Till Neumann

Radweg Freiburg Nadelöhr für den neuen Highway: Der Rad- und Fußweg an der Friedhofstraße

Müssen die Autoparkplätze weg oder nicht? Darum wird beim Bau der dritten Freiburger Radvorrangroute FR3 am Hauptfriedhof gestritten. Das Garten- und Tiefbauamt (GuT) schlägt Kritikern nun einen Kompromiss vor.

Mit viel Tempo durch Freiburg radeln – das sollen die Radvorrangrouten ermöglichen. FR1 (entlang der Dreisam) und FR2 (entlang der Bahnstrecke) machen das vor. Jetzt baut das Garten- und Tiefbauamt die dritte Strecke, den FR3. Er soll über 5,5 Kilometer von Zähringen durch den Stühlinger ins Vaubanviertel führen.

Abweichen von Standards

Die Planungen zum Streckenabschnitt an der Friedhofstraße vor dem Hauptfriedhof erhitzen die Gemüter. Der Grund: Das Rathaus wollte dort von selbst gesetzten Standards abweichen. Statt 2 Meter Radweg- und 2,5 Meter Fußweg-Breite sollten es in Nord-Süd-Richtung entlang der Friedhofsmauer nur je 1,50 Meter werden. Greenpeace Freiburg und der Regionalverband in Südbaden des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) kritisierten: Das ist zu eng. Sie fordern wie auch die Gemeinderatsfraktion „Eine Stadt für alle“ und Stadtrat Wolf-Dieter Winkler von Freiburg Lebenswert, den Radweg auf den parallel verlaufenden Kfz-Parkstreifen zu verlegen. Das sei einfach umsetzbar und kostengünstig.

Das GuT möchte das jedoch nicht. Die Parkplätze würden für Friedhofsbesucher gebraucht: „Wir halten eine Beerdigung nicht für den geeigneten Moment, den Besucher·innen vorzugeben, mit welchem Verkehrsmittel sie anreisen sollen.“

Doch ein Kompromiss?

Bei einer Ortsbegehung mit Gemeinderät·innen hat das GuT Mitte April einen Kompromiss unterbreitet: Er sieht vor, den Radweg entlang des Hauptfriedhofs um einen Meter zu verbreitern. So könne ein zwei Meter breiter Radweg entstehen – neben einem zwei Meter breiten Fußweg. Einzelne Bäume müssten hierfür gefällt werden. Ersatzpflanzungen vor Ort könnten das kompensieren.

Auch den Vorwurf, der Radweg-Bau würde hier 5700 Euro pro Meter kosten, wehrt das Amt ab: Die Kosten von fünf Millionen Euro für den Abschnitt verteilten sich auf 1800 Meter Strecke (je 900 Meter in beide Richtungen). Das ergibt 4440 Euro pro Meter. Doch die Rechnung sei zu kurz gegriffen. Denn im Zuge der Arbeiten sollen unter anderem auch Stadtbahngleise verlegt und die Haltestelle Hauptfriedhof barrierefrei werden.

90 Parkplätze gestrichen

Das GuT verweist zudem darauf, keineswegs generell auf Autoparkplätz zu bestehen: Für den FR2 auf der anderen Seite des Friedhofs seien 90 Autoparkplätze ersatzlos gestrichen worden.

Foto: © Till Neumann

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