Freiburgs erster Nachtkiosk soll im Mai starten STADTGEPLAUDER | 10.04.2019 | Till Neumann

Alkohol kaufen nach 22 Uhr? Ab Mai soll das im Stühlinger möglich sein. Acht Freiburger wollen den ersten Freiburger Späti (Spätkauf) aufmachen. Ein Ort für ist gefunden. Jetzt sammeln die Initiatoren Spenden.

Derzeit steht das Joseph-Stüble an der Ecke Eschholzstraße Egonstraße leer. Ende Mai soll dort Leben einkehren. „Bis Späti“ heißt der geplante Nachtkiosk. Bier kaufen, abhängen, Leute treffen. Was in Köln, Berlin oder Dresden Standard ist, wäre für Freiburg ein Novum.

Unter der Woche soll er bis 24 uhr geöffnet haben. An Wochenenden bis 2 Uhr. Auch am Sonntag könnte Betrieb sein. Der Laden wird Soli-Charakter bekommen: „Es soll auch ein Raum für Ideen, solidarische Projekte und Begegnung entstehen“, sagen drei der acht Macher im chilli-Interview (Foto oben, von links: Raoul Greif, Katie Dunn und Anais Moll).

Die Idee kam Anais Moll und ihren Kollegen Anfang 2018. Nachts wollten sie ein Bier an der Tanke kaufen. „Wir dachten, das geht hier nicht“, erinnert sie sich. Doch das Verkaufsverbot nach 22 Uhr in Baden-Württemberg war Ende 2017 aufgehoben worden. „Dann können wir ja einen Späti aufmachen“, sagte sich Moll. Schnell waren Mitstreiter gefunden, die Idee nahm Form an. Über eine Facebookseite machten sie die Idee publik. Die Rückmeldungen sind bisher fast ausnahmslos positiv. „Nur einer meinte: Das braucht man nicht, man kann ja auch zur Tanke gehen“, erzählt Katie Dunn.

Der Standort im Stühlinger: das Joseph-Stüble an der Ecke Lehener Straße – Egonstraße.

Eine kostenlose Gründerberatung und politische Unterstützung wurde ihnen angeboten. Doch das Team ist auch so schon takträfitig. Nach mehrwöchiger Raumsuche ist die Späti-Crew fündig geworden. Der Besitzer des Joseph-Stübles kam auf sie zu. 40 Quadratmeter groß ist der Verkaufsraum der ehemaligen Gaststätte im Stühlinger. Auch eine Küche ist dabei. „Das sieht alles super aus“, sagt Moll. Die Lage sei perfekt: Stühlinger- und Eschhozpark um die Ecke,  die Dreisam nicht weit.

20.000 Euro will das Team investieren. Eine Online-Spendenkampagne über 6000 Euro ist gerade gestartet. Scheitern soll es daran nicht. Privatdarlehen von Freunden, Bekannten oder Eltern sind gesichert. Bankenkredite seien nicht nötig. „Wir machen das auf jeden Fall“, betont Moll. Ihr selbst erstellter Finanzplan steht schon eine Weile, berichtet Raoul Greif.

Im Regal sollen klassische Späti-Produkte stehen: Alkohol („Oettinger bis Riegeler“), Snacks, Zeitungen, Zigaretten. Mit Fokus auf regionale Erzeugnisse. Kaffee soll’s auf Spendenbasis geben. Und eine Kleingeldkasse, falls mal ein paar Groschen fehlen. Auch ein Tauschregal könnte Platz finden.

Der größte Knackpunkt? „Das haben wir hinter uns, jetzt geht’s um die Einrichtung und Eröffnung“, sagt Greif. Geld verdienen wollen sie mit dem Späti nicht. Viel wichtiger ist ihnen, Freiburg einen Raum zu bieten, den es so noch nicht gibt.

Hier geht’s zur Spendenkampagne: Bis Späti! – Freiburger Subkultur mitgestalten

Fotos: © Till Neumann