Amerika, not that great? Wie es einer Freiburgerin beim USA-Schulaustausch ging Gesellschaft | 13.12.2025 | Ranya Jeddou

Denver Andere Dimension: Ranya aus Freiburg hat in Denver beeindruckende Architektur entdeckt – und gastfreundliche Menschen

Die Freiburger Schülerin Ranya Jeddou war für einen Austausch zwei Wochen in den USA. Hingereist ist sie mit einem mulmigen Gefühl. Zurückgekehrt mit vielen spannenden Erkenntnissen. Wie es ihr dabei erging, das erzählt die 16-Jährige im f79-Magazin.

Die Stimmung im Flugzeug ist sichtlich nervös. Wir fliegen in die USA. Eine ganze Klasse aus Freiburg – für zwei Wochen nach Denver. Unter die Vorfreude mischen sich Sorgen und Befürchtungen. Was erwartet uns in Trump-Land? Dazu die Aufregung.

Mit meiner Austauschpartnerin konnte ich im Voraus keinen Kontakt aufnehmen. Daher weiß ich in keiner Weise, was mich erwartet. Zu Hause in Deutschland spalteten sich die Meinungen sehr darüber, ob der Austausch nach Denver (Colorado) eine gute Idee ist. Auch ich teile die Bedenken, dass die politischen Begebenheiten vor Ort das Abenteuer überschatten.

Über die USA wurde in den vergangenen Wochen überwiegend negativ gesprochen. Die Sorge, dass die Menschen dort so sein könnten, teilten einige von uns. Was soll ich tun, wenn ich auf Ablehnung stoße? Was, wenn ich in eine Trump-Supporter-migrantenfeindliche-Nationalististen-Verschwörungstheoretiker-Familie komme?

 Andere Dimension: Ranya (links) hat in Denver beeindruckende Architektur entdeckt – und gastfreundliche Menschen

Unterwegs in Trump-Land: Ranya hat viel Spannendes entdeckt in den Vereinigten Staaten.

Am Flughafen in Amerika wurden wir nicht (wie man uns gewarnt hatte) sofort mit Fragen über die Einzelheiten unseres Aufenthaltes konfrontiert. Alles verlief reibungslos. Nach einem zehnstündigen Flug waren die ersten Eindrücke der Menschen dort: weitreichende Rücksicht und Gastfreundschaft.

An Denver und den USA fielen mir von Anfang an zwei Dinge auf: zum einen die Offenheit, die man uns entgegenbrachte. Zum anderen das weitaus größere Format der Wohnhäuser und der Schule. Meine Vor-
stellungen der typischen „Movie-Highschool“ mit Quarterback und Cheersquad
wurden um einige praktischere Eindrücke erweitert. Eine lehrreiche Reflexion.

Das Betreten des Schulgebäudes ohne eine Schüler-ID war streng verboten. Um sich während der Unterrichtszeiten auf den Gängen aufzuhalten, benötigte man einen „Hall-Pass“. Die auffälligste Sicherheitsmaßnahme bestand jedoch darin, dass sich konstant mehrere be­waffnete Polizisten in der Highschool aufhielten. Sie erinnerten ständig an eine große Problematik in den USA: Amokläufe in Schulen unter dem Mantel der Waffenlegitimität. Für eine deutsche Schülerin ein befremdliches Thema.

Im Unterricht selbst werden in vielen Fächern Handys genutzt – auch für außerschulische Inhalte. Ohne direkte Konsequenz. Mündliche Noten existieren nicht.

Die amerikanischen Schüler*innen beschrieben dennoch den immensen Druck, unter dem sie stehen. Dieser begründet sich vor allem durch die hohen Studiengebühren und Stipendienvergabe nach Leistung. Manche überlegen, zum Militär zu gehen, da man so die Finanzierung umgehen kann.

Meine Austauschpartnerin quittierte humorvoll das Gesundheitssystem und den legalen Waffenbesitz in den USA mit dem Satz: „Welcome to America – not that great.“ Es ist die Perspektive der Amerikaner*innen, die ich im sehr demokratischen Denver erlebt habe. Es sind Menschen, die den Zustand der Staaten bedauern und verändern wollen.

In Denver, wie ich schnell merkte, bewegt man sich viel und gerne mit dem Auto. Das ist schon ab 16 Jahren möglich. Mir wurde mehrfach davon abgeraten, den Bus zu nehmen. Die Begründung: Dort seien viele Obdachlose und Drogen-Junkies unterwegs.

An meinem zweiten Tag, im Café mit meiner Austauschpartnerin, machte ich meine erste Begegnung mit besagter Personengruppe: Eine Frau, die sichtlich unter dem Einfluss gewisser Substanzen stand, verwickelte uns in ein wirres Gespräch über von ihr vergessene „Adult Diapers“ (Windeln für Erwachsene).

Meine Gastmutter erläuterte mir später die Problematik, dass es auch solchen Menschen auf einfachstem Wege möglich ist, an Schusswaffen zu gelangen. Und diese auch zu gebrauchen. Es wäre auch mir in vielen der States möglich, innerhalb weniger Minuten und ohne großen Aufwand an eine Pistole oder ein Gewehr zu kommen.

Die Waffen-Legalität wird oftmals – wie man mir sagt – durch das Sicherheits-Argument gerechtfertigt, was einen naheliegenden Wider­spruch birgt. Zusätzlich spielt die Romantisierung alter Vorstellungen vom wilden Westen eine Rolle. Diesen Aspekt amerikanischer „Kultur“ finde ich äußerst kritisch.

Eine grundlegende Wut auf den US-Präsidenten Trump wurde mir in unterschiedlichen Gesprächen vermittelt. Da ich in einem liberalen und offenen Umfeld untergebracht wurde, war es mir möglich, unbegrenzt Fragen zu stellen. Transparent ergab sich: Viele, mit denen ich gesprochen habe, fühlen sich übergangen von einer Fehlinszenierung durch einen Präsidenten, der nicht ihre Werte repräsentiert. Die Falschen sind laut – so scheint es. Das untermalt die Ursprünge meiner anfänglichen Befürchtungen. Sie wurden durch ein viel weiter gefasstes Bild der USA ersetzt und zeigen deutlich, dass Staaten sich nicht nur aus Schlagzeilen zusammensetzen.

 Monumental: Das Red-Rocky- Amphitheater verbindet Fels und Kultur

Monumental: Das Red-Rocky-Amphitheater verbindet Fels und Kultur

Denvers Landschaft beeindruckt durch Sehenswürdigkeiten wie die Rocky Mountains im Westen der Stadt. Sie bieten den Einwohnenden stetig Orientierung und gehören zu einem großen Naturreservat mit vielen Wandermöglichkeiten. Eine ebenso malerische Wirkung haben die Red-Rocks: ein offenes Amphitheater mit angrenzendem Park, gezeichnet durch roten Sandstein.

In Denver ist es sehr trocken. Aufgrund des Höhenunterschiedes zu Deutschland wird einem leicht schwindelig. Es war daher für uns wichtig, ausreichend zu trinken.

Ich bin äußerst dankbar für die Erfahrungen, die ich sammeln durfte. Ich bin ausnahmslos netten und interessierten Menschen begegnet. Gerade bei politischen Spannungen ist es wichtig, durch Austausche wie diesen Brücken zu bauen. Sie sorgen für ein tiefgreifenderes kulturelles Verständnis und bieten die Chance, Verbindungen zu knüpfen.

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