Harte Kerlchen: Heavy-Metal-Zwerge aus Freiburg STADTGEPLAUDER | 07.09.2019 | Tanja Senn

Marco Sorrentino

Sie heißen Effi, Lilly und Bob. Sie sind die etwas anderen Gartenzwerge des Freiburgers Marco Sorrentino und zeigen: Selbst der spießigste Kleingarten kann rocken.

Bei Sorrentino stehen die Zwerge nicht im Vorgarten, sondern aufgereiht auf einem Schrank in seiner frisch bezogenen Wohnung in Landwasser: Da ist Mini-Rocker Bob mit dem roten Totenkopf auf dem schwarzen Shirt. Effi, bei der die Pobacken aus den Hotpants blitzen, und Festival Bob, mit behaarter Brust und Bierflasche in der Hand.

Sie alle kann man in Sorrentinos Onlineshop bestellen. Fast jeden Tag verschickt er einen der 30 Zentimeter großen Winzlinge. Würde er anfangen, in Werbung zu investieren, würden ihm die Kunden die Türe einrennen, ist sich der Freiburger sicher: „Die Menschen wollen die Zwerge.“ Doch das Budget für einen TV-Spot oder Kinowerbung hat er nicht.

Allein die Bestellungen in China, wo die Gartenzwerge nach seinen Vorgaben in Handarbeit gefertigt werden, schlagen mit jeweils mehreren tausend Euro Vorkasse zu Buche. Gerade erst hat er eine neue Charge mit 120 Kartons à sechs Zwerge bestellt. Bis sie bei ihm sind, muss er sich gedulden: Zwei bis drei Monate dauern das Fertigen und die Überfahrt per Schiff.

Sorrentino würde gerne in der Region fertigen lassen. Einen Prototyp hat er bereits in Schonach in Auftrag gegeben. Doch der habe schon ohne Bemalung mehr als 50 Euro gekostet – ein Preis, den der 42-Jährige nicht an seine Kunden weitergeben möchte. Deswegen holt er die REGIO auf andere Art in sein Zwerge-Imperium: Der neueste Familienzuwachs wird ein Heavy-Metal-Zwerg mit Bollenhut. „Der Rockzwerg ist nun mal ein Bobbele.“ Die Zeichnungen des Neuzuwachses sind bereits in China. Jeden Tag bekomme Sorrentino nun Fotos der ersten Entwürfe. Bis alle Details – von der Gürtelschnalle bis zum Tattoo – genau nach seinen Vorstellungen umgesetzt sind, dauert es.

Heavy-Metal Zwerge

Nur die Harten kommen in den Garten: Obwohl sie wetterfest sind, stehen Sorrentinos Zwerge geschützt in der Wohnung.

Weitgereiste Winzlinge

Mit dem Schwarzwälder Zwerg hofft er, vermehrt Leute in der Region anzusprechen. Die meisten Zipfelmützen-Träger gehen in den Norden Deutschlands, nach Schweden, Finnland, in die Schweiz und sogar die USA. Sind keine Heavy-Metal-Fans in der REGIO zu finden? „Die kaufen die Rockzwerge eh nicht“, winkt Sorrentino ab. „Für Metaler ist das zu spießig.“

Viele seiner Kunden seien Ältere. Da komme auch mal die handschriftliche Bestellung einer Oma rein oder ein älterer Herr möchte wissen, wie das mit dem Onlinebanking funktioniert. Auch als Figuren für eine Hochzeitstorte seien seine Rockzwerge schon mal bestellt worden.

Ein paar Metal-Fans müssen trotzdem unter seinen Kunden sein. Das eben beendete Wacken-Festival macht sich bei dem Zwerge-Designer in zahlreichen Neubestellungen bemerkbar. Obwohl er dort keinerlei Werbung macht. „Irgendjemand muss da Zwerge dabei haben“, sagt Sorrentino und zuckt mit den Schultern. Auch er selbst hat immer ein paar der Winzlinge im Gepäck, wenn er zu einem Rockkonzert reist.

Obwohl er bereits seit 2011 im Zwergegeschäft ist, das er von der verstorbenen „Rockzwerge“-Gründerin Lillith Stern aus St. Georgen übernommen hat – leben könnte er davon nicht. Mit seiner Vollzeitstelle im Zentrum für Strahlentherapie, seinem Fotostudio, seiner Rockband oder seinem Job als Erschrecker bei den Horror Nights im Europa-Park hätte er auch keine Zeit, sein Zwerge-Imperium auszubauen. Immer wieder sei er kurz davor, das Geschäft einzustellen, sagt er. Doch von den Rockern mit Zipfelmütze kommt er nicht los: „Das ist einfach eine Herzenssache.“

Fotos: © Marco Sorrentino