Ferrari ja, Pferd nein: Freiburger Pfandleihe will „moderner Juwelier werden“ Szene | 29.03.2026 | Till Neumann

Abgebildet ist Freiburger Pfandleihen-Chef Patrick Wiehl. Er trägt ein schwarzen T-shirt und eine schwarze Anzugsjacke. In den Händen hält der eine goldene Kette. Sein Blick ist in die Kamera gerichtet. „Großer Ansturm“: Viele kommen zur Freiburger Pfandleihanstalt. Patrick Wiehl will sie modernisieren.

Goldkette hinbringen. In wenigen Minuten Geld bekommen. Das ist bei der Freiburger Pfandleihanstalt möglich. Seit zwei Jahren leitet sie Edelstein-Experte Patrick Wiehl (29). Die Räume gleichen einer Bankfiliale, viele finden dort schnelle Hilfe. Doch auch Betrüger·innen versuchen ihr Glück.

„Wollen Einbruch vorbeugen“

Freiburger Pfandleihanstalt. Was klingt wie aus einer anderen Epoche, ist für viele ein Rettungsanker. Gerade in Inflations-Zeiten. „Wir erleben einen großen Ansturm“, berichtet Patrick Wiehl. Er hat das Geschäft vor rund zwei Jahren übernommen und erneuert: Statt vier ist fünf Tage die Woche geöffnet. Die offene Theke ist einem gesicherten Schalter gewichen – mit Panzerglas und Zahlencodes. „Wir wollen Einbruch vorbeugen und Mitarbeiter schützen“, sagt Wiehl.

Er ist seit Kindestagen von Pfandleihhäusern angetan, leitet seit 2019 das Haus in Villingen-Schwenningen und arbeitet nun an zwei Standorten. Der gelernte Diamantgutachter und Gemmologe (Edelstein-Experte) hat sich mit seinem Team auf Schmuck und Luxusuhren spezialisiert. Doch die Bandbreite der beliehenen Dinge ist riesig: „Wir sind generell offen“, erklärt er. „Wir versuchen, jedem Kunden irgendwie zu helfen.“ Selbst Sportwagen sind möglich. Rund 20 Fahrzeuge bewahrt er aktuell auf. Ebenso wie iPhones, ein DJ-Pult, Design-Regenschirmständer oder hochwertige Werkzeuge. 

Freiburger Pfandleihanstalt, vor dem gesicherten Schalter stehen zwei Kunden. Hinter dem Schalter ist ein Mitarbeiter zu sehen.

Gut besucht: Der Andrang nimmt zu in der Freiburger Pfandleihe

„Jeden Tag Kurioses“

„Wir erleben jeden Tag Kurioses“, berichtet Wiehl. Abgelehnt wird selten. Zuletzt tat er das, als ein Kunde ein Pferd beleihen wollte. Sperrige TV-Geräte haben ebenfalls keine Chance, genau wie Fahrzeuge unter einem Wert von 10.000 Euro.

Mehr als 100 Kund·innen kommen an einem Tag zum Monatsende ins Freiburger Geschäft an der Schreiberstraße. An diesem Montagmorgen Anfang März ist es dafür ruhiger. Erwartet werden heute Gold-Objekte, da der Preis aufgrund des Irankriegs nach oben geschnellt ist, berichtet Mitarbeiter Jan Virdi.

„Prozente, Prozente“

Um 10.30 Uhr schlagen vier russischsprachige Männer auf. Sie diskutieren angeregt, rufen eine Frau per Videocall an – gehen mehrfach raus und kommen wieder rein. „Prozente, Prozente“, ruft einer der Männer. Die Mitarbeiterin am Schalter bleibt ruhig und bietet ihnen 440 Euro. Nach rund 30 Minuten sind sie einverstanden.

Dann kommt ein junger Mann mit Boss-Jacke und Gucci-Tasche. „Ich muss mein Auto reparieren“, erzählt er unaufgeregt. Der Freiburger ist häufiger hier, hat bereits ein Goldarmband beliehen. Heute reicht er ein weiteres über die Theke. Mit einer Lupe begutachtet es die Mitarbeiterin in Sekundenschnelle. Dann prüft sie Echtheit und Wert mit einem kleinen Abrieb und einer Säurelösung. „Oberkante 900 Euro sind dafür möglich“, sagt sie dem Kunden. „Okay, 800“, antwortet der nach kurzem Überlegen.

Kette geprüft

„Wir beleihen Gold immer mit dem maximal möglichen Wert“, sagt Wiehl. Man könne aber auch nur einen Teil des Geldes nehmen. Es lohne sich, zu kommen. Banken könnten meist weniger bieten, erklärt Wiehl. Geprüft wird auch mit einem Röntgengerät. Zum Test legt Wiehl die Silberkette des Reporters in die Maschine. Mit 35 Euro könne er sie beleihen. Die Monatsgebühr belaufe sich auf 2,30 Euro. Der Neupreis vor drei Monaten lag bei 100 Euro.

Der Vorteil des Röntgengeräts: Es prüft „zerstörungssicher“. Doch auch wenn minimale Goldmengen abgerieben werden für eine Untersuchung, nehme Schmuck keinen Schaden, erklärt Wiehl weiter. Auch eine Wasserwaage dient als Testgerät.

Darlehen über 100.000 Euro

Optimales Prüfen ist essentiell: Immer wieder versuchen Betrüger·innen hier ihr Glück. „Es gibt richtig professionelle Fälschungen, die man uns im Pfand oder Ankauf unterjubeln will“, sagt Wiehl. Unter einer dicken Goldschicht sei beispielsweise billiges Blei. „Fast immer“ würden diese erkannt. Klappt das nicht, ist der Schaden schnell groß. Beispielsweise auch bei Gemälden. Diese werden abgelehnt, da die Echtheit in der Schnelle schwer zu prüfen ist. „Wir sind keine Kunsthistoriker“, erklärt Wiehl.

Auch die Preisspanne ist riesig: „Es gibt kleine Darlehen über 50 Euro, aber auch solche über 100.000 Euro“, erzählt Wiehl. Beispiel hochwertige Rolex-Uhr: Kostet das Modell 10.500 Euro, könne es mit 9000 Euro beliehen werden. Die Gebühren liegen dafür bei 360 Euro im Monat. Zeit zum Abholen ist drei Monate lang plus ein Monat Karenzzeit. Die Leihe könne jedoch auch verlängert werden.

Sofortüberweisung möglich

Wer die Rolex nach drei Monaten abholt, zahlt 1080 Euro Gebühren. Für 10.080 Euro ist sie also wieder in Privatbesitz. Wird sie nicht abgeholt, gehen die Dinge in eine Zwangsversteigerung. Für Wiehl ist das „das Schlimmste“. Er schätzt es, wenn Dinge wieder zum Kunden kommen. Dann könne auch erneut beliehen werden.

Das Geschäft sei weiterhin bargeldlastig, doch auch Sofort­überweisungen sind möglich, berichtet Wiehl. Sein Anliegen ist, das Geschäft zu modernisieren. Er möchte weg vom altbackenen Ruf der Pfandleihen hin zu einem „modernen Juwelier“. „Die Leute sollen mit einem guten Gefühl zu uns kommen.“

40.000 Euro statt 3000

Die Margen sind gering, erklärt der Betreiber. Alle Werte sind gesetzlich vorgegeben. Kund·innen haben zudem die Möglichkeit, hier auch Dinge zu verkaufen. Zu guten Preisen, betont Wiehl. Kürzlich hätten Leute bei ihm für Gold 40.000 Euro bekommen. Anderswo sei ihnen nur 3000 Euro geboten worden.

Den Kund·innen verspricht Wiehl auch Sicherheit. Alles, was eingelagert werde, sei mit doppeltem Wert versichert. Es gebe Menschen, die hier auch einfach teuren Schmuck sicher unterbringen möchten, wenn sie im Urlaub sind. Etwas Urlaubsgeld gebe es für die Leihe obendrauf. Abgeholt wird ohnehin das meiste, weiß Wiehl. 9 von 10 Dingen gehen fristgerecht zurück zum Besitzer.

Fotos: © tln