Atmosphärisches Licht – In den Morat-Hallen haben zwei Galerien für zeitgenössische Kunst eröffnet Kultur | 13.03.2026 | Erika Weisser

Räume für moderne Kunst in den Morat-Hallen. Auf dem Boden steht bunte Kunst.

Seit einem Monat hat Freiburg endlich wieder eine Heimat für die Städtische Galerie. Nach einer kurzen Umbauphase gibt es in dem nun zu „Morat-Hallen“ umbenannten früheren Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft an der Lörracher Straße 31 zwei riesige und sehr lichte Räume, die der lokalen und regionalen Künstler·innenszene zur Verfügung stehen. Eröffnet wurden die Galerie und die angrenzende Nordhalle mit zwei besonderen Ausstellungen, die das künftige Konzept andeuten und die derzeit noch zu sehen sind.

Morat-Hallen von außen. Braune Steine mit buntem Graffiti in Form von Buchstaben

Außer diesen beiden Ausstellungsräumen gibt es noch eine weitere Halle im Südflügel des insgesamt 2000 Quadratmeter Fläche umfassenden Gebäudes, das einst die Werkräume des familieneigenen Chemiebetriebs der Eltern des Kunsthistorikers und -mäzens Franz Armin Morat beherbergte. Diese Südhalle ist für die nahezu 7500 Grafiken sowie 500 Gemälde und Skulpturen reserviert, die Morat im Lauf seines Lebens sammelte, dort unterbrachte und damit seit Mitte der 1980er-Jahre weit über Freiburg hinaus beachtete Ausstellungen organisierte. Bis er die Stiftung anlässlich seines 80. Geburtstags im November 2023 an seine Söhne übertrug. Diese stellten daraufhin die Kunstsammlung den städtischen Museen als Dauerleihgabe zur Verfügung; ein Teil davon ist noch bis zum 12. April im Museum für Neue Kunst zu sehen: Artur Stolls Gemälde sind dort in der Gemeinschaftsausstellung „Mal er, mal sie“ mit Werken von Olga Jakob ausgestellt.

Kunstwerk mit pink und blau auf einem Holzgestell in einem weißen Raum

Die Stadt Freiburg, der 2024 ihre in einem Privathaus an der Lameystraße untergebrachte bisherige Städtische Galerie, das Kunsthaus L6, wegen Verkauf und Abriss des Gebäudes abhanden kam, kaufte dann im Mai desselben Jahres den früheren Unternehmens- und späteren Kunstinstitutssitz. Geholfen hat dabei die sehr großzügige Spende der Freiburger Kunstmäzenin Gertrud Hurrle, die „für den Erhalt und die Weiterführung des kulturellen und künstlerischen Erbes der Familie Morat“ zwei Millionen Euro zur Verfügung stellte. Ohne sie wäre es nicht möglich gewesen, das inzwischen dezent modernisierte und sanierte Gebäude „als Ort der Kunst und Kultur zu bewahren“, wie OB Martin Horn in seiner Eröffnungsrede sichtlich dankbar feststellte.

Ulrich von Kirchbach, Gertraud Hurrle und eine andere Frau und Oberbürgermeister Martin Horn bei Eröffnung der Galerien

Schwebend: Räume für moderne Kunst öffnen sich unter dem Sheddach der Morat-Hallen. Gertraud Hurrle (r, neben EBM von Kirchbach) hat mit einer großen Spende dazu beigetragen.

Gegenüber dem bisherigen Standort hat die in der Mittelhalle eingerichtete Städtische Galerie an Raum gewonnen: Mit etwa 250 Quadratmetern ist die Präsentationsfläche größer und durch die Höhe der Räume für die künftigen Wechselausstellungen auch vielseitiger nutzbar als zuvor. Dazu kommt die 300 Quadratmeter große Nordhalle, die die Stadt den Kulturszenen außerhalb Freiburgs zur Verfügung stellt – für ganz unterschiedliche Formate, Projekte, Installationen, raumbezogene Arbeiten und Performances. In beiden Sälen herrscht tagsüber eine fast entrückte Atmosphäre: Das durch sie Sheddächer einfallende Licht gibt den Exponaten und ihren Umgebungen etwas Schwebendes.

Die erste Performance in der Nordhalle mit Geräuschen, von einem Ventilator angewehten Fahnen, skurrilen Skulpturen und belebten Screenbildern ist bis zum 29. März zu bestaunen. „Fields of Un/Rest“ heißt sie, und sie thematisiert die Frage, was es bedeutet, in einer von Krisen geprägten Gegenwart Kunst zu produzieren. Dabei reflektieren die mittlerweile in Berlin lebenden Künstler·innen Betty Blumenstock, Philip Beck, Arne Grashoff, Benjamin Koglin und Sharleena Rosing das Spannungsfeld zwischen Rückzug und Reaktion, zwischen dem Bedürfnis nach Ruhe und äußerer Unruhe.

Bunte Kunst auf dem Boden in einem großen, hellen, weißen Raum

Die Ausstellung in der eigentlichen Städtischen Galerie heißt „Following – some kind of the same – π“ und ist bis Sonntag, 15. März zu sehen. Mit unzähligen, in ihrer Anordnung an Land-Art erinnernden keramischen Arbeiten, geschnitzten Gesichtsfragmenten und reflektierenden Malereien untersucht diese Präsentation das künstlerische Prinzip des Seriellen. Das serielle Arbeiten wird dabei nicht als bloße Wiederholung verstanden, sondern als poetisch-analytisches Verfahren, das Ordnung schafft und diese zugleich unterläuft. Die nächste Ausstellung beginnt am 28. März und heißt „Pst“.

Bunte Kunst in Streifen hängt an einer weißen  Wand

Experimentelle Kunstbetrachtung aus erhabener Position

Etwa 700 Besucher haben die beiden neuen Galerien seit der Eröffnung besucht, zur Eröffnung drängten sich mehr als 400 Menschen um die Exponate. Diese sind in der Mittelhalle sogar von einer besonderen Empore aus zu bewundern: Sie ist auf einem in den Saal ragenden Kubus installiert, in dessen Innerem eine barrierefreie Toilettenanlage ihren Platz gefunden hat. Für das Haus selbst gibt es einen barrierefreien Zugang derzeit nur über die Hintertür, eine Rampe zum Haupteingang wird bald gebaut.

Fotos: © Patrick Seeger/Stadt Freiburg, ewei