»Freiburg kann nicht mithalten« – Radaktivist Ingwar Perowanowitsch über seinen Erfolgs-Film „Cycling Cities“ Szene | 25.02.2026 | Till Neumann

Radfahrer Ingwar Perowanowitsch Quer durch Europa: Ingwar Perowanowitsch hat einen Film über Fahrrad-Mekkas gedreht.

Sein YouTube-Film „Cycling Cities“ trifft einen Nerv. Der Freiburger Ingwar Perowanowitsch (31) zeigt darin Fahrrad-Mekkas in Europa. Er hat sie per Velo bereist und das dokumentiert. Was kann Freiburg von Rad-Vorzeigestädten wie Kopenhagen und Utrecht lernen? Das erzählt er im Interview mit chilli-Redakteur Till Neumann.

chilli: Nach all den Highlight-Städten, wie viel Spaß macht Radfahren in Freiburg noch?

Perowanowitsch: Ich bin Berlin gewöhnt. Das ist ein hartes, ganz anderes Pflaster. In Freiburg kann man gut radfahren. Es ist nicht immer 100 Prozent sicher, aber im Grunde fühle ich mich wohl.

chilli: Was konkret gefällt dir?

Perowanowitsch: Ich mag die Radvorrangrouten FR1 und FR2. Ich wohne ein bisschen außerhalb, da komme ich fast durchgehend auf einem geschützten Radweg in die Stadt.

chilli: Du warst in Paris, Gent, Amsterdam, Utrecht, Groningen, Hamburg und Kopenhagen. Wo hat es dir am besten gefallen?

Perowanowitsch: Meine Lieblingsstadt ist Utrecht, da hast du einfach durchgehend ein super Radwegenetz. Radwege, die bis zu drei Meter breit sind, auch am Stadtrand. Du fährst da eigentlich durchgehend in einem Schwarm von Fahrradfahrern. So entsteht ein schönes Gemeinschaftsgefühl.

chilli: Was ist das Highlight dort?

Perowanowitsch: Utrecht hat das größte Fahrradparkhaus der Welt. 13.500 Stellplätze auf drei Etagen, direkt am Bahnhof. Ein anderes Highlight: 2020 hat die Stadt nach zehn Jahren Bauzeit ihre Stadtautobahn in einen begrünten Fluss umgewandelt.

chilli: Wie laut waren die Proteste? Hier würden Autofahrende protestieren.

Perowanowitsch: Bei dieser Autobahn-Transformation gab es überhaupt keinen Protest. Da war einfach klar, dass das nicht mehr zeitgemäß ist.

chilli: Wie schneidet Freiburg im Vergleich zu diesen Vorreiterstädten ab?

Perowanowitsch: Freiburg kann nicht mithalten. Vor allem, was sichere Radwege angeht. Es ärgert mich manchmal, dass wir Radwege haben, die man problemlos schützen könnte vorm Autoverkehr. Es wird aber nicht gemacht. Zum Beispiel am Rotteckring.

chilli: Dein Film hat rund 160.000 Views. Überrascht?

Perowanowitsch: Ich hatte konservativ geschätzt, ich wäre froh, wenn er nach einem Jahr 50.000 Aufrufe hätte. Die hatte er nach vier Tagen. Das ist wirklich beyond my wildest dreams. Nicht nur die Zahlen, auch die Resonanz: Viele schreiben, dass sie das inspiriert.

chilli: Den Film gibt’s kostenlos auf Spendenbasis. Wie viel hast du investiert?

Perowanowitsch: Das Projekt hat ungefähr 15.000 Euro gekostet. Das refinanziert sich durch Sponsoren, Spenden und jetzt im Nachhinein durch viele Vortrags- und Vorführungsanfragen.

chilli: Was gibt’s als Nächstes von dir?

Perowanowitsch: Ich schreibe gerade ein Buch. Für 2027 habe ich ein neues Filmprojekt im Auge. Es wird um die gesamte ökologische Transformation gehen. Mit Fokus auf gelungene Beispiele.

Ingwar Perowanowitsch in Freiburg

Fotos: © Ingwar Perowanowitsch