»Das ist Wahnsinn« – Freiburger Stimmen zur Landtagswahl Politik & Wirtschaft | 15.03.2026 | Till Neumann
Jubel: Cem Özdemir (Grüne, links) wird Nachfolger von Winfried Kretschmann als Ministerpräsident.
Rekord für Grüne, Licht und Schatten bei CDU, Zugewinne für AfD. Die Landtagswahl bot viele Überraschungen. So reagieren drei Freiburger Politiker·innen von den drei stärksten Parteien aufs Ergebnis.
Hagel oder Özdemir? Am Ende landet der Grüne mit knapp einem Prozent Vorsprung auf Platz 1. In Freiburg fährt die Partei zudem ein Rekordergebnis ein: Fast 49 Prozent der Stimmen holt sie in der Breisgau-Metropole.
Im Wahlkreis 47 erobert Nadyne Saint-Cast (Grüne) mit 37,8 Prozent der Erststimmen das Direktmandat. „Unglaublich dankbar“ ist sie. Die Wahl habe gezeigt, dass man bis zum Schluss kämpfen müsse. „Wir haben an fast 28.000 Haushalten geklingelt“, berichtet Saint-Cast. Fürs Stadtgebiet holt ihre Partei so viele Stimmen wie nie zuvor. „Das ist Wahnsinn“, jubelt die Landtagsabgeordnete.

Nadyne Saint-Cast
Cem Özdemir habe im zugespitzten Wahlkampf Erfahrung, Haltung und Charisma bewiesen. Zum CDU-Vorwurf einer „Schmutzkampagne“ – auch wegen des Hagel-Videos über eine Realschülerin mit „rehbraunen Augen“ – sagt sie: „Das ist Quatsch.“ Zumal: Bei den Plenarsitzungen im Landtag seien Grüne vielfach auf offener Bühne von CDU-Regierungsmitgliedern angegriffen worden.
Den zweiten Platz im Wahlkreis 47 holt CDU-Kandidatin Katrin Kern mit 20 Prozent der Erststimmen. „Ich kann zufrieden sein“, sagt Kern. Wer in Freiburg für ihre Partei antrete, müsse das mit einer Portion Realismus tun. Sie habe ein „gutes Ergebnis eingefahren“, sagt die Polizistin und Stadträtin.

Katrin Kern
Zum Wahlkampf auf Landesebene möchte sie sich nicht äußern. Sie lege großen Wert darauf, über Inhalte zu reden, statt Bashing zu betreiben. Wohl eine Anspielung auf die Vorwürfe gegen Hagel. Kern dazu: „Am Ende des Tages muss jeder in den Spiegel gucken können.“ Ihr Wunsch für die neue Regierung? „Arschbacke zammekneife und geschlossen geeint nach vorne.“

Karl Schwarz
Hinter der Linken Sarah Schnitzler (16,5 Prozent) landet Karl Schwarz (AfD) auf Platz vier im Wahlkreis 47. Vier Prozent plus sind das im Vergleich zu 2021. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt der Stadtrat. „Wir haben uns landesweit verdoppelt und in Freiburg ein paar Prozentpunkte hinzugewonnen.“ Er freue sich, dass es die Linken nicht in den Landtag geschafft haben. Und dass die AfD die SPD überholt habe – gerade hier in den Arbeitervierteln. Für Schwarz heißt das: „Wir sind die neue Arbeiterpartei.“









