Im Osten nichts Neues – Stadthallen-Zukunft immer noch ungewiss Immobilien | 23.08.2025 | Lars Bargmann

Stadthalle

Im vergangenen Dezember hatten Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn, Baubürgermeister Martin Haag und Stiftungsdirektor Michael Fromm mit der Idee überrascht, in der Stadthalle ein neues Altenpflegeheim für die Freiburger Stiftungsverwaltung zu bauen. Neun Monate später heißt es auf Anfrage der Redaktion aus dem Rathaus: „Wir prüfen derzeit ergebnisoffen, wie die Stadthalle künftig am besten genutzt werden kann.“

Das Mehrgenerationenprojekt mit dem neuen Johannisheim, einer Kita, Räumen der Begegnung und weiteren Nutzungen im öffentlichen Interesse habe weiter Priorität, sagt OB-Sprecher Sebastian Wolfrum. Ende 2025 werde die Stadtspitze alle Möglichkeiten konstruktiv mit Stiftungsrat und Gemeinderat bewerten. Zumindest so lange hält die Stadt die Halle für diesen Prozess frei.

Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass es gar nichts wird mit dem Johannisheim 2.0. Stiftungsdirektor Fromm, erst seit Februar 2024 im Amt, hatte Ende 2024 überraschend seinen Rücktritt vom Amt „aus gesundheitlichen Gründen“ angekündigt. Mitte Oktober kommt für ihn Joachim Sproß, der derzeit in Freiburg als Bundesgeschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke tätig ist. Für Fromm wäre die Stadthalle „die Premium-Lösung“. Die Betriebsgenehmigung fürs zwar sichtlich in die Jahre gekommene, aber herrlich gelegene Johannisheim an der Kartäuserstraße 115 läuft Ende 2029 aus. Es herrscht also durchaus ein gewisser Zeitdruck. Umso überraschender, dass es bis heute kaum Fortschritte gibt.

Nach Informationen der Redaktion gibt es nicht nur bereits Pläne für einen viergeschossigen Neubau in ­U-­Form in der Stadthalle, sondern auch für einen Neubau an der Kartäuserstraße. Die Stiftungsverwaltung könne sich zu den Fragen der Redaktion erst Mitte September äußern, teilt sie mit. Derzeit beherbergt das Johannis etwa 80 zu Pflegende und ein Dutzend zuvor Obdachlose.

Wenn es nicht klappt mit der von Horn und Haag präferierten Lösung, dann wird die Stadthalle im Freiburger Osten voraussichtlich in einer Konzeptvergabe öffentlich ausgeschrieben. Bislang war da die Vergabe in Erbpacht gesetzt. „Die Erbpacht bleibt eine Option, ist aber nicht die einzige“, sagt Wolfrum. Das Ziel des Rathauses sei eine Lösung, die der Stadtgesellschaft echten Mehrwert bringt und die Stadthalle langfristig stärkt.

Gestärkt werden muss die zuallererst mal statisch. Kurz vor Weihnachten 2022 war sie gleichsam im Handumdrehen gesperrt worden, weil ein Statikbüro ein schlagartiges Versagen des Tragwerks nicht ausschließen konnte (wir berichteten). Seither wird das Tragwerk mit einem Sensorsystem Tag und Nacht überwacht. Nicht nur die Statik ist knifflig, die Stadthalle steht auch seit 2009 unter Denkmalschutz – was bei baulichen Aktivitäten kein beschleunigender Faktor ist. Temporeich hingegen war der Bau der Stadthalle im Jahr 1954. Er dauerte 132 Tage.

Foto: © Michaela Moser