Frischzellenkur für Tiengen – 350 neue Wohnungen geplant – private Erschließung läuft Stadtentwicklung | 15.02.2026 | Lars Bargmann

So stellen sich die Planer das Neubaugebiet vor. Der Plan zeigt die städtebauliche Figur des Quartiers. So stellen sich die Planer das Neubaugebiet vor. Der Plan zeigt die städtebauliche Figur des Quartiers.

Beim neun Fußballfelder großen Neubaugebiet Hinter den Gärten im Freiburger Ortsteil Tiengen laufen aktuell die Tiefbauarbeiten für die Schmutz- und ­Regenwasserkanalisation. Im April soll der Straßenbau beginnen. Die Erschließung macht nicht wie üblich die Stadt Freiburg, sondern eine Erschließungsgemeinschaft der Grundstückseigentümer. Geplant sind rund 350 Wohnungen für 800 Menschen.

Es ist schon wieder fast acht Jahre her, dass aus einer Mehrfachbeauftragung zur Erarbeitung einer städtebaulichen Idee als Sieger das Architektur- und Städtebaubüro Prof. Trojan+Trojan hervorgegangen war. Das Konzept sieht zusätzlich zu den Wohnungsgebäuden im Zentrum des Quartiers eine als Spielplatz ausgestaltete Grünfläche sowie ein Kita-Gebäude vor. Der ursprüngliche Zeitplan sah – nach einem Spatenstich im Juni 2024 – den Start der Hochbauarbeiten bereits im vergangenen Jahr vor. Archäologische Grabungen streckten den Zeitplan erneut.

Das Gebiet war doppelt umstritten

Hinter den Gärten war doppelt umstritten: Auf der einen Seite debattierte der Tiengener Ortschaftsrat zuweilen hitzig und die Tiengener Bürgerschaft wehrte sich mit einer Bürgerinitiative und 1500 Unterschriften vor allem gegen die Dichte des Baugebiets – mit bis zu vierstöckigen und 50 Meter langen Gebäuden im ansonsten eher dörflich geprägten Ortsteil.

Noch während der Planung wurden aus anfänglich 160 dann 350 Wohnungen. Damit würde die Einwohnerzahl auf einen Schlag von 3400 auf 4200 wachsen. Für Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag sind mehr Wohnungen richtig, auch wenn „nicht alle das als positiv“ empfunden hätten.

Stadtplan

Und andererseits hatte die Stuckert Wohnbau AG von privaten Eigentümern schon für rund zwei Millionen Euro drei Grundstücke mit insgesamt 4600 Quadratmetern gekauft, woraufhin die Stadtverwaltung dazwischengrätschte und dem Bauträger den Grundstücksfang – zum selben Preis – wieder abluchste.

Stuckert gab nicht klein bei, zog vors Freiburger Verwaltungsgericht, verlor dort aber im Herbst 2022. Die Richter befanden es für rechtmäßig, dass die Stadt dort das Vorkaufsrecht ausübt, wenn sie das Wohl der Allgemeinheit voranstellt, somit schnell Bauland in die Finger bekommt, um viel geförderten und barrierefreien Wohnraum zu schaffen. Und zudem eine hinreichende Realisierungschance besteht. Beides ist gegeben: Die Freiburger Stadtbau wird im Neubauviertel 80 öffentlich geförderte Einheiten bauen.

Dessen ungeachtet gehören heute mehr als zwei Drittel der Grundstücke mittlerweile den Bauträgern BL Consilium (Joint Venture von Guido Boehlkau und Stuckert) und der Unmüssig Bauträgergesellschaft. Das Freiburger Rathaus hat lediglich rund zehn Prozent. Für Haag ist Hinter den Gärten deswegen ein wichtiges Baugebiet, weil es in der Ortschaft 350 neue Wohnungen sowohl fürs Eigentum als auch zur Miete geben wird. Und schließlich sei Tiengen eine „hoch attraktive Wohnlage“. Das wiederum ist nicht hoch umstritten.