Erste Bauanträge eingereicht – In Kleineschholz gibt es aber auch noch Wackelkandidaten Stadtentwicklung | 13.02.2026 | Lars Bargmann

Eins von zwei Stadtbau-Projekten: Auf dem Baufeld MU 3 am westlichen Quartiersrand zwischen Quartiersplatz und Bahnlinie haben MBPK Architekten und die Stadtplaner GmbH den Wettbewerb gewonnen. 31 Wohnungen fasst das vierstöckige Gebäude, das in Holzhybridbauweise erstellt wird. Eins von zwei Stadtbau-Projekten: Auf dem Baufeld MU 3 am westlichen Quartiersrand zwischen Quartiersplatz und Bahnlinie haben MBPK Architekten und die Stadtplaner GmbH den Wettbewerb gewonnen. 31 Wohnungen fasst das vierstöckige Gebäude, das in Holzhybridbauweise erstellt wird.

Beim „gemeinwohlorientierten“ Neubauquartier Klein­eschholz im Freiburger Stadtteil Stühlinger sind die ersten vier Bauanträge eingereicht worden. Ob aber auch wirklich alle Bauherren, die bei der Vergabe der Grundstücke zum Zug gekommen sind, ihre Projekte umsetzen können, ist weiter fraglich. Die Stadtverwaltung gibt mehreren Initiativen nun mehr Zeit. Auf der anderen Seite drängt aber genau die: Denn auf dem Spiel stehen mehr als sechs Millionen Euro Förderung.

„Die Entwicklung ist positiv, die ersten Bauanträge sind da, weitere sind angekündigt und wir werden im ersten Quartal auch einen Spatenstich haben“, sagt Baubürgermeister Martin Haag. Es gebe aber auch noch „zwei, drei Wackelkandidaten“. Ursprünglich sollten die Gewinner der Konzeptvergabe (wir berichteten) bis Ende 2025 mindestens eine Finanzierungsbestätigung vorlegen.

Mitte Februar gibt es mit den Bauherren in spe Gespräche über den aktuellen Stand. Im Einzelfall, heißt es aus dem Rathaus, bekommen sie eine finale Frist bis Anfang Juni. Die Zeit aber läuft bereits gegen die Akteure: Denn die Wohnungen müssen bis Ende 2028 bezogen sein, ansonsten verfällt die von der BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) zugesagte zusätzliche Förderung von 25.000 Euro für jede Sozialwohnung.

25.000 Euro pro Einheit, das könnte der einen oder anderen Initiative über die Schwelle helfen. Wer aber jetzt noch keine Finanzierung beisammenhat, der hat auch zeitlich einen Kraftakt vor sich. Und wenn tatsächlich Grundstücke zurückgegeben – und neu ausgeschrieben – werden müssen, ist die BImA-Förderung auf diesen Flächen wohl dahin.

Weil insgesamt mindestens 250 der 500 Wohnungen als Sozialwohnungen gebaut werden müssen, geht es insgesamt um mindestens 6,25 Millionen Euro Sonderförderung durch die BImA. Die Bundestochter hatte aber andererseits beim Verkauf der Grundstücke ans Rathaus zuvor auch kräftig hingelangt: 21,3 Millionen Euro hatten die Flächen gekostet, knapp 950 Euro pro Quadratmeter. Die BImA tritt in Kleineschholz auch selber als Bauherr auf. Sie ist kein Wackelkandidat.

Auch keine sind die Freiburger Stadtbau, die die Bauanträge für zwei Mehrfamilienhäuser mit 49 Wohnungen samt fünfgruppiger Kita für Beschäftigte im Konzern Stadt Freiburg schon eingereicht hat; das Siedlungswerk, das ebenfalls einen Bauantrag für 28 ausschließlich geförderte Mietwohnungen gestellt hat und ein Joint Venture der Unmuessig Bauträger GmbH mit dem Einzelhändler Beckesepp. Das Mietshäusersyndikat hat gleich drei Projekte in Vorbereitung (Elinor-Ostrom-Siedlungsprojekt Haus 1, Velohaven und Birnbaum). Zwei Projekte, „LifeLab“ und „Wolke“, gehören zur Dachgenossenschaft Wohnen für Alle.

LifeLab hat noch Mitte Januar die Kampagne „500 X 5000“ gestartet, bei der die Kaufsumme des Grundstücks von 500 Unterstützern mit einem Darlehen über 5000 Euro aufgebracht werden soll. Der Verein will zusammen mit der Freiburger Zimmerei Grünspecht ein fünfgeschossiges Mehrfamilienhaus in Holz-Stroh-Lehmbauweise mit 21 Wohnungen bauen, darunter 14 als öffentlich geförderte.

Ein Grundstück hat der Verein Urbanova Club bekommen, auch hier liegt der Bauantrag für 32 Wohnungen, darunter 21 geförderte, auf dem Tisch im Baurechtsamt. Je ein Grundstück haben die Genossenschaften Oekogeno und „WMR – Wir machen Raum“ bekommen, ein weiteres die Gemeinschaftsstiftung Kolpingwerk Deutschland und eines die Aktion Mensch. Das höchste Haus am Quartierseingang an der Lehener Straße will die Genossenschaft „GrünHaus“ erstellen, die dort ein gemeinschaftliches, generationenübergreifendes, ökologisches Vorzeigeprojekt realisieren will.

Kleineschholz ist ein Herzensprojekt von Oberbürgermeister Martin Horn, der das ausschließlich Gemeinwohlorientierte im Quartier aufs Tapet gebracht und auch gegen Skeptiker verteidigt hatte. „Unser gemeinwohlorientiertes Modellquartier mitten in Freiburg wird jetzt ab 2026 konkret. Wir gehen hier neue Wege für bezahlbaren und sozialen Wohnraum ohne Spekulation und Profitmaximierung“, so Horn.

Es wäre gelinde formuliert politisch unschön, wenn nicht nur einem gemeinwohlorientierten Akteur schon vor dem Baubeginn die Puste ausgehen würde. Bauen oder nicht bauen, das ist hier die Frage.

Visualisiserung: © mbpk Architekten – Luxfeld Digital Art