Eine runde Sache – Kommt ein Gebäudezwilling am Ende der Blauen Brücke? Stadtentwicklung | 13.02.2026 | Lars Bargmann
Der Stühlinger Kirchplatz in Freiburg ist kein Ort, der durchgängig für positive Schlagzeilen sorgt. Er ist ein Kriminalitätshotspot. Seit vergangenem August gilt dort deswegen eine Waffen- und Messerverbotszone. Eingerahmt wird er auf dem Weg zur Blauen Brücke auf der einen Seite vom Radhaus – und auf der anderen von einer Grünfläche, deren Aufenthaltsqualität der eines Autobahnkreuzes nicht unähnlich ist.
Eine Amsel stöbert im Boden nach Brauchbarem. Ein Stahlzaunelement wurde samt Pfosten umgetreten und wurde beim Fall in die komplette Funktionslosigkeit nur von einem jungen Bäumchen aufgehalten. Ein buchstäblich schräger Anblick. Die Amsel wirft Plastikabfall durch die Luft. Die Grünfläche vis-a-vis vom Radhaus ist keine grüne Oase. Kein Ort für Pärchen. Keiner, um gemütlich auf einer Bank sitzend dem Treiben auf den Gleisen zuzuschauen. Es ist ein, so könnte man sagen, lost place. Aber einer in attraktiver Lage.
Ein Gedankenexperiment. Man nehme das Rondell mit dem Fahrrad-Parkhaus, dem Hermann, den Büros von Gleisnost, Verkehrsclub Deutschland und der Volkshochschule, baue daraus einen Zwilling und setze diesen auf die andere Brückenseite. Dann bräuchte die Kubatur-Kopie noch eine gute Funktion, etwa die eines Hauses des Jugendrechts, für dessen Bau der Freiburger Gemeinderat im vergangenen Mai ja die Hand gehoben hatte.

„Ein Haus des Jugendrechts ist ein weiterer Baustein, um rechtzeitig zu intervenieren und junge Menschen wieder auf die richtige Bahn zu bringen“, hatte Oberbürgermeister Martin Horn damals gesagt. Es brauche möglichst kurze Wege für alle Beteiligten. Vor allem solle „so Jugendkriminalität eingedämmt und den jungen Menschen eine bessere Chance gegeben“ werden. Kurze Wege zur benachbarten Bundespolizei wären gegeben. Im Zwilling könnte es aber zudem Räume für die Sozialarbeiter geben, die sich auch um die Lage auf dem Kirchplatz kümmern. Nun, Gemeinderat und Stadtspitze würden sicher noch weitere aktuell unbefriedigte Flächenwünsche finden.
Auch – und das sicherlich nicht zuletzt – städtebaulich wäre ein zweites Rondell eine überzeugende Lösung, der den Verlust an dieser „Grünfläche“ überkompensieren würde. Ein zweites Rondell wäre mithin eine doppelt runde Sache. Wer vom Konzerthaus über die Blaue Brücke geht, kann diesen Gedanken haben. Und ihn mal auf die politische Bühne bringen. Das geht sogar ohne journalistische Recherche.
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