Das Industriegebiet, das keines ist – FWI steuert beim Areal Nord auf Vermarktungsrekord zu business im Breisgau | 20.05.2026 | Lars Bargmann

Rahmenplan: Wo grün nicht nur ein Feigenblatt ist. Rahmenplan: Wo grün nicht nur ein Feigenblatt ist.

In Freiburg entsteht aktuell zwischen Hermann-­Mitsch- und Tullastraße auf rund 21 Hektar ein durchaus besonderes Industriegebiet. Es hört auf den Namen Areal Nord, ist Teil des Green Industry Parks (GIP) – und der Boden für mehrere 100 Millionen Euro Investitionen in Freiburg. Am 20. Mai gibt es vor Ort ein „GIPfeltreffen“.

Stephan Schoeller ist kein Mann der lauten Töne. Der Geschäftsführer der Freiburger-S-Wirtschaftsimmobilien (fwi) spaziert mit dem Journalisten von der Guericke-Straße kommend aufs Areal. Linker Hand ist der rund 60 Millionen Euro schwere Neubau der Intuitive Surgical auf einem 30.000 Quadratmeter großen Grundstück schon bezogen, direkt gegenüber wird das Ernst-Mach-Institut das Kurzzeitdynamische-Technologien-Center (KTC) mit Laboren und Arbeitsräumen bauen. Auf 28.000 Quadratmetern.

Der Neubau der Intuitive Surgical ist bereits bezogen.

Der Neubau der Intuitive Surgical ist bereits bezogen.

20.000 Quadratmeter hat sich die Reuter Chemische Apparatebau gesichert, 20.000 der Messtechnik- und Automationsspezialist Endress+Hauser, der dort einen neuen Unternehmenscampus bauen wird. 3000 Quadratmeter hat die Marquardt axomed GmbH erworben. Die Konversion der ehemals zur Cerdia-Gruppe gehörenden Fläche erweist sich als Erfolgsgeschichte einer aktiven Liegenschaftspolitik.

Finanziert, entwickelt und vermarktet von der fwi. Nach chilli-Berechnungen für rund 40 Millionen Euro. Dazu schweigt Schoeller. Sagt lieber: „Wir verhandeln aktuell über den Verkauf von weiteren 60.000 Quadratmetern noch in diesem Jahr.“ Mit wem? Welche Branche? Will er nicht preisgeben. Allerdings seien vier der sechs Hektar an ein Unternehmen von außerhalb adressiert. Zudem werde aktuell noch über den Bau einer Infrastruktureinrichtung gesprochen, die von der Stadt Freiburg und dem Land Baden-Württemberg gemeinsam verantwortet werden könnte. Wenn es so wird, wäre das landesweit ein Pilotprojekt.

Mittlerweile stehen wir an einem großen Regenwasserversickerungsbecken. Auch hier ist eine andere Handschrift bei der Entwicklung zu sehen: Die natürlichen Strukturen wurden schlicht so belassen, für die Nutzung nur angepasst. Im Areal Nord gibt es Flächen für Natur- und Artenschutz, Biodiversität, bunte Bänke am Wegesrand, klimaresiliente Aufenthaltsflächen, alten Baumbestand – es ist die Transformation eines Industriegebiets, die andernorts durchaus Nachahmer finden könnte.

Im Gebiet gibt es auch naturbelassene Grünflächen.

Im Gebiet gibt es auch naturbelassene Grünflächen.

Im Zentrum ist ein Mobilitätshub geplant, mit Stellflächen für 1000 Autos – die Unternehmen müssen mithin keine eigenen bauen –, Anbindung an den ÖPNV, Elektroladesäulen, Carsharing, Café und Kita. Die Wärme beziehen die Firmen aus der Abwärme der Cerdia. Der meiste Strom soll von den PV-Anlagen auf den Dächern kommen. Und die können – anders als bei vielen Bebauungsplänen in Freiburg – auch mal in luftiger Höhe sitzen.

Von den rund 21 Hektar, erworben in zwei Tranchen zwischen Juni 2020 und Ende 2023, sind 18 Bauland. Wenn die sechs, über die aktuell verhandelt wird, in diesem Jahr noch in Notartermine münden, dann gibt es nur noch zwei.

So schnell ist in Freiburg wohl noch nie ein so großes Gebiet – immerhin 30 Fußballfelder – erfolgreich entwickelt und vermarktet worden. Zum Vergleich: Im Gewerbegebiet Haid-Süd wurde im Herbst 2013 die Fertigstellung der Erschließung gefeiert. Dort suchen fast 13 Jahre später immer noch mehrere Grundstücke neue Nutzer.

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Fotos: © bar