Immer im Spiel bleiben – Was Familienunternehmen anders machen als Konzerne business im Breisgau | 27.03.2026 | Lars Bargmann
Denken in Generationen: Annabell, Peter und Maximilian Unmüßig
In Deutschland werden laut einer Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung 88 Prozent aller privaten Unternehmen von Familien kontrolliert. Die Familienunternehmen erwirtschaften mit 18,3 Millionen Beschäftigten 46 Prozent des Umsatzes der deutschen Privatwirtschaft. Eines dieser Unternehmen ist die Unmüssig-Gruppe aus Freiburg, die in diesem Jahr ihr 80-jähriges Bestehen feiert. Wie unterscheidet sich das Lenken einer eigenen Firma vom Steuern eines Konzerns?
Maximilian Unmüßig hat schon für große Unternehmen gearbeitet, etwa für das US-amerikanische Investmentbankinghaus Morgan Stanley mit Hauptsitz in New York und mehr als 10.000 Beschäftigten. Er kennt die unterschiedlichen Strukturen von Konzernen und Familienunternehmen. „Familien denken langfristig, Konzerne haben kurzfristigere Ziele“, findet der Sohn des Seniorchefs Peter Unmüßig eine bündige Formel. CEOs großer Konzerne mit Shareholdern stehen fortwährend stark unter Druck, kurzfristige Erfolgsmeldungen zu produzieren. Bringen sie die nicht, darf der nächste ran.
Die Geschäftsführer von Familienunternehmen müssen zudem verbindlicher, persönlicher auftreten, erzählt Annabell Unmüßig, die die Geschäfte der Boarding-Marke BlackF leitet. „Wir sind immer sehr nah dran an Kunden, Auftragnehmern, an den Menschen, mit denen wir zu tun haben. Bei uns muss das Wort so viel zählen wie ein Vertrag. Das hat man schon als Kind gemerkt.“
Für Peter Unmüßig zählt die persönliche Verantwortung zu den distinktiven Merkmalen: „Wir müssen kommunalpolitische und gesellschaftliche Verpflichtungen übernehmen und auch mal uneigennütziger agieren als Konzerne.“ Ein Beispiel: Am Anfang der Corona-Krise – Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn hatte am 21. März 2020 ein eingeschränktes Ausgehverbot verfügt, Masken waren bundesweit Mangelware – hat die Familie Unmüßig kurzentschlossen innerhalb von nur vier Wochen 250.000 Masken aus China besorgt und jeweils 50.000 an die Heiliggeistspitalstiftung, die Freiburger Caritas, die Evangelische Stadtmission, das Deutsche Rote Kreuz und ans Freiburger Rathaus gespendet.
Wenn die Gruppe Mietshäuser baut und im Bestand hält, in denen 40 Jahre lang die Mieten 40 Prozent unter dem Mietspiegel liegen, dann macht sich das in der wirtschaftlichen Bilanz nicht als großer Gewinnbringer bemerkbar, aber die Enkelkinder hätten dann etwas, worauf sie aufbauen und das Familienerbe weiterführen können. Und: „Manchmal müssen wir auch nur im Spiel bleiben und nicht gewinnen. Damit wir beim nächsten Mal wieder mitmischen können.“
Peter Unmüßig ist selber als Sohn von Adolf Unmüßig in die Firma gekommen. Vor 50 Jahren. Er kennt eitel Sonnenschein ebenso gut wie die düsteren Himmel eines Gemäldes von Caspar David Friedrich. Dass nun zwei seiner drei Kinder im Familienunternehmen arbeiten, macht den Vater „überaus glücklich“. Wenn Peter und Maximilian nun über den Bilanzen ihrer zahlreichen Firmen sitzen, dann gehe es auch nicht darum, möglichst viel Gewinne auf die private Seite zu ziehen, sondern Gewinne zu thesaurieren, um für schlechtere Zeiten was auf der Seite zu haben. „Wir schütten gar nicht aus, sondern reinvestieren unsere Gewinne in Wachstum“, sagt Maximilian.
Es gebe, erzählen die drei Unmüßigs bei einer Videokonferenz, noch einen weiteren wichtigen Unterschied: Die Schnelligkeit bei anstehenden Entscheidungen. „Manche Konzerne verhalten sich ja wie Behörden, je weniger der Entscheider auch Eigentümer ist, desto langsamer wird oft agiert“, sagt Annabell.
Die Gruppe, die aktuell ein Projektvolumen von 2,6 Milliarden Euro vor allem im Südwesten der Republik stemmt, beschäftigt rund 130 Menschen.









