Sorgen im Kulturpark: Slow Club, Artik, Jazz & Rock Schulen und Kubus³ bangen um Zukunft Featured | 17.12.2025 | Till Neumann
Besorgt (v.l.): Harald Deschler (Artik), Sévérine Kpoti (Slow Club), Rosi Schüle-Grünert (Kubus3) und Christian Pertschy (Jazz & Rock Schulen Freiburg)
Kulturelles Kleinod in Not: Ein Quartett im Kulturpark Haslach muss zittern. Denn dem Szene-Hinterhof an der Haslacher Straße droht ein Umbruch. Investor Jürgen Lange-von Kulessa will dort neu bauen. Was heißt das für Slow Club, Jazz & Rock Schulen (JRS) Freiburg und Kubus³?
„Immenser Kraftakt“
Wenn gebaut wird, müsste der Slow Club zumindest vorübergehend weichen. „Wir sind ratlos“, sagt Sévérine Kpoti vom Vereinsvorstand. Ihr Team werde in die Planungen eines neuen Kulturparks mit einbezogen, doch vieles ist unklar. Wie soll er aussehen? Was wird er kosten? Passt Subkultur in einen Neubau? Sicher ist: „Wir brauchen eine Zwischenlösung“, betont Kpoti. Mit mindestens drei Jahren Bauzeit rechnet sie. „Drei Jahre nichts tun, ist keine Option für uns.“
Rund 800 Mitglieder hat ihr Verein. 15 Jahre gibt’s den Slow Club nun. Auf einen „immensen Kraftakt“ stellt sich Kpoti ein. Wo die Reise hingehen könnte, weiß sie nicht. Nur so viel: „Wir halten uns alle Optionen offen.“ Die Stimmung im Team sei nach einer deprimierten Anfangsphase nun optimistischer. „Es kann auch eine Chance sein.“
„Anderer Spirit“
Ähnlich knifflig ist die Lage beim Artik. Der alternative Kulturort wird unter anderem seinen Veranstaltungssaal „Freizeichen“ verlieren. Auch dem Artik sei angeboten worden, im Neubau wieder Platz zu finden, berichtet Geschäftsführer Harald Deschler. Doch wird das bezahlbar und stimmig? „Man weiß schon, dass das eine andere Ausgangssituation und von einem anderen Spirit beseelt sein wird“, sagt Deschler. Das Entscheidendste: „Jeder rechnet mit immens hohen Kosten, die sich auch im neuen Quadratmeterpreis widerspiegeln werden.“
Rund 8000 Euro Miete zahlt das Artik aktuell monatlich. Was die Räume in Zukunft kosten könnten, weiß Deschler nicht. Sein Wunsch: „Wir wollen es so einfach wie möglich, am besten eine nackte Halle, die keinen großen baulichen Schnickschnack erfordert, um den Mietpreis maximal gering zu halten.“ Den Vermieter Jürgen Lange-von Kulessa (Ergon Invest) beschreibt er als wohlwollend.

Abriss und Neubau: Der Kulturpark in Haslach soll ein Update bekommen.
„Dann schon“
Auch fürs Artik sind drei Jahre Pause ausgeschlossen. Nur die Räume im Hauptbau des Kulturparks (rund 250 Quadratmeter) können bestehen bleiben. Dort fanden bisher Ausstellungen, Workshops und kleine Konzerte statt.Ein Gedanke: Der „Freiraum“ könnte provisorisch dort unterkommen. Das wiederum würde den Events dort in die Quere kommen. Ob das Artik in einem Neubau vorstellbar ist? „Ich glaube, kein subkultureller Player kann sich das vorstellen“, sagt Deschler. Doch wenn das die einzige Möglichkeit ist, „dann sehe ich uns schon in einem Neubau“.
Schon 2017 musste das Artik umziehen. Damals von der ehemaligen Unterführung am Europaplatz ins jetzige Gebäude. „Nichts, was man mehr als einmal machen möchte“, sagt Deschler. Die vergangenen Monate seien für Kulturbetriebe schwierig genug gewesen.
„Ergänzen uns gegenseitig“
Bangen muss auch Christian Pertschy, Leiter der JRS. Er vermietet das Auditorium ans Artik unter, nutzt es unter der Woche selbst für die JRS. „Ein elementarer Baustein unserer kulturellen Arbeit“, sagt Pertschy zu dem Saal. „Für unsere Konzerte, Präsentationen und vielfältigen Veranstaltungsformate sind wir auf diesen Raum angewiesen.“
Die Kulturmeile beschreibt er als lebendige und solidarische Nachbarschaft: „Wir ergänzen und unterstützen uns gegenseitig.“ Pertschy befürchtet, „dass der Mietzins deutlich steigen wird“. Als gemeinnützige Einrichtung sei das nicht aufzufangen. Zudem könnte der Baubetrieb Auswirkungen auf den Schulalltag haben. Sein Wille: gemeinsam mit Vermieter und Stadt tragfähige Lösungen finden. Das Ziel: „Erhalt und Weiterentwicklung eines offenen, vielfältigen und bezahlbaren Kulturstandortes“.

Protest mit Plakat: „Kultur in Not!“ steht auf einem Banner am Kubus3-Gebäude.
Existenz bedroht?
In großer Sorge ist auch Rosi Schüle-Grünert von Kubus³. Der Verein für Kunst, Bildung und Schule ist in zwei Gebäuden, die beide betroffen sind. Das Team sieht seine komplette Existenz bedroht. Eine „totale Katastrophe“, sagt Schüle-Grünert. Schon 20 Jahre besteht der Verein und bietet jungen Menschen persönliche Entwicklung und Teilhabe durch künstlerische Aktivitäten. Erst im Sommer hat der Verein in eine barrierefreie Toilette und einen reizarmen Rückzugsraum investiert, heißt es in einer Pressemitteilung. Doch nun sei die Zukunft bedroht.
Da Konditionen und Zeitpunkt eines Wiedereinzugs völlig unklar seien, konzentriere sich der Verein auf die Suche nach anderen Räumlichkeiten. Die Kriterien: „450 Quadratmeter mit einer großen Halle, Atelierräumen und Büros, idealerweise zentral gelegen, barrierefrei und gut mit ÖPNV erreichbar“.
Investor will Planungssicherheit geben
Der Verein sieht sich als „Leuchtturm gelebter Inklusion und vielfältigster Kreativität“. Er appelliert an die Stadtgesellschaft und mögliche Unterstützer·innen, sich für „den Erhalt von Kulturräumen einzusetzen und Möglichkeiten für neue Kulturräume zu schaffen“. Eine passende Location in Freiburg finden – die Suche nach der Nadel im Heuhaufen? Rosi Schüle-Grünert nickt.
Investor Jürgen Lange-von Kulessa bestätigt dem chilli gegenüber seine Baupläne. Ihm schwebt ein viergeschossiger Neubau parallel zur Dreisam vor. Er betrifft auch den Bereich Haslacher Straße 25, dort hat er nach langen Verhandlungen das Gebäude erworben, in dem Slow Club und in Teilen Kubus³ untergebracht sind. Den betroffenen Mietern möchte er Planungssicherheit geben. Daher seien Mietverträge bis Ende 2026 geschlossen worden. Die Bauzeit möchte er kompakt halten: „Zwei bis zweieinhalb Jahre, wenn man das gut vorbereitet.” Seine Vorschläge liegen beim Baurechtsamt. „Jetzt warten wir auf eine Rückmeldung.“
„Versuchen, Lösung zu finden“
Kernmieter seien die JRS. Mit ihnen sei vor 20 Jahren der Kulturpark entstanden. „Die liegen uns sehr am Herzen”, betont Lange-von Kulessa. Es sei völlig klar, „dass wir mit denen eine Lösung finden”. Für das Auditorium kann er sich eine Zwischenlösung auf dem verbliebenen Areal vorstellen. Anders sei das für Kubus³ und Slow Club. Die müssen während der Bauzeit anderswo unterkommen. „Wenn die möchten, können die wieder in den Neubau hinein.“
Zu steigenden Mietpreisen sagt er: „Wir haben bei Gesprächen mit Kubus und Slow Club vereinbart, dass sie jetzt ihr Flächenprofil erarbeiten, also was sie für eine eventuelle Nutzung im Neubau benötigen.“ Auf der Grundlage könne er Miete und Co. kalkulieren. „Da muss man versuchen, eine Lösung zu finden.“ Die Idee: Wenn er ihnen einen „veredelten Rohbau vermietet“ und sie einen Großteil der Innenausstattung selbst erstellen, könne der sinken. Entscheidend sei zudem, ob das Baurechtsamt seinen Plänen zustimmt.
Innenhof soll wachsen
Darin enthalten ist auch die Idee, den Innenhof zu vergrößern. Er soll von 350 Quadratmeter auf etwa 700 wachsen. „Auf der Multifunktionsfläche könnten eben auch Konzerte, Theater und andere Dinge stattfinden.“ Ein Kulturareal soll es damit bleiben. Ob die vier betroffenen Akteure wie gewohnt dabei sind? Die kommenden Monate dürften mit viel Bangen verbunden sein.
chilli-Bildergalerie – Kulturpark Haslach
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