»Lego für Große«: Meom-Chef Oliver Schulte über Vorzüge von Proberaum-Modulen STADTGEPLAUDER | 19.08.2022

Licht, Luft und Platz: die Proberaummodule sollen angenehmes Raumklima bieten.

Freiburg könnte mobile Holzmodule als Proberäume bekommen. Was taugen die Container-ähnlichen Bauten? Die Firma Meom aus Groß-Umstadt in Hessen ist als Anbieter im Gespräch. Geschäftsführer Oliver Schulte (48) erzählt im Interview mit chilli-Redakteur Till Neumann von Nachhaltigkeit, Flexibilität und Schimmel.

Will den perfekten Proberaum liefern: Oliver Schulte

chilli: Herr Schulte, Sie preisen die Container als „perfekten Proberaum“ an …

Schulte: Bei dem Wort Container kriege ich leichte Gänsehaut. Da möchte ich gleich mal reingrätschen. Man könnte meinen, das sind Blechbüchsen. Außer einem ungefähr gleichen Maß haben Container mit unseren hochwertigen Holz-Modulen nichts gemeinsam.

chilli: Warum braucht es Ihre Module?

Schulte: Gewöhnliche Proberäume sind kompromissbehaftet: wenig oder kein Tageslicht, ein muffiger Keller, Schimmel an der Wand ist keine Seltenheit. Ein Angestellter würde seine acht Stunden Arbeit niemals unter ähnlichen Bedingungen verbringen. Bands sind aber gezwungen, dort viele Stunden zu proben. Das kann krank machen. Ein Zustand, den es zu ändern gilt: Wir wollen einen gesunden und nachhaltigen Raum schaffen.

chilli: Wie fühlt sich das Proben im Holzmodul an?

Schulte: Man möchte nicht mehr raus. Ich bin Schlagzeuger, habe viele Proberäume gehasst, wenige geliebt. In den Modulen ist Tageslicht, gute Luft, es riecht nach Holz, die Temperatur ist angenehm. Die Akustik knallt nicht zu sehr. Sie kann entsprechend dem Wunsch des Kunden ideal angepasst werden. Gerade Tageslicht, angenehme Temperatur und vernünftige Sanitäranlagen sind für normale Proberäume Luxus.

chilli: Wie viel Schall dringt nach außen?

Schulte: Das konzipieren wir je nach Wünschen – zum Beispiel für ein Projektstudio oder einen Proberaum. Die Akustik hängt vom Isolierungsgrad ab: In der Basisversion sind es bei konstant 110 Dezibel „rosa Rauschen“ im Raum, außen noch 60 Dezibel. Das ist Umgebungslautstärke. Wir können noch weiter isolieren. Bisher hat die Basisvariante aber immer gereicht.

chilli: Wie ist es bei 40 Grad Hitze?

Schulte: Hohe Temperaturen sind kein Problem. Wir haben Kühlgeräte und Heizlösungen, Klima-Splitgeräte können jeden Raum autark versorgen. Ein Riesenvorteil ist: Es braucht keine globale Heizungsleitung, somit entstehen auch keine Schallbrücken zwischen den Räumen und die Musiker bleiben ungestört voneinander. Wir bieten auch Dachbegrünung an, die sorgt für zusätzliche, natürliche Kühlung.

chilli: Wie groß sind die Module?

Bis zu dreistöckig möglich: die Module sind stapelbar

Schulte: 3 mal 7 Meter. Es ist möglich, mehrere Module zusammenzufügen. Dann werden aus 18 Quadratmetern Innenraum-Nutzfläche 36, 54 oder auch 72. Die Mittelwand wird dafür rausgenommen. Holzmodulbau ist multiflexibel. Das ist Lego für Große.

chilli: Und was kosten sie?

Schulte: Das ist abhängig von Transport und der Anzahl. Für ein Einzelmodul in der Basisvariante sind es zirka 2000 bis 2500 netto pro Quadratmeter. Bei einer größeren Stückzahl wird es günstiger.

chilli: Passen sie auch in Innenräume?

Schulte: Wir haben viele Anfragen dafür. Das ist aber doppelt gemoppelt. Wir brauchen keine Außenhülle. Die Module sind für die Ewigkeit gebaut. 50 bis 70 Jahre Nutzung sind kein Thema. Wir können auch dreistöckig bauen.

chilli: Wie viele davon stehen schon?

Schulte: Da wir zu Pandemiezeiten gegründet haben, sind es noch nicht viele. Bis Jahresende stehen deutschlandweit etwa 30 bis 40. Wir haben Anfragen von Vereinen, Kommunen oder Kirchen.

chilli: Wie schnell könnten Sie liefern?

Schulte: Ab Bestellung dauert es in der Regel drei bis sechs Monate. Die Module werden bezugsfertig geliefert.

Fotos: @Meom

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