Das „bierernste“ chilli-Horoskop: Besinnlichkeits-Edition von Hobby-Astrologe Jannis Jäger 4Literatur & Kolumnen | 24.12.2025 | Jannis Jäger
Am Tannenbaum sieht chilli-Orakel Jannis Jäger Sterne. Nach mehr oder weniger fokussiertem Studium der Himmelskörper verrät er, was er erfahren hat.

Ist es nicht schön? Weihnachtsmarkt, Plätzchen essen und der Duft von Mandarinen, die auf der Heizung trocknen. Für viele Menschen ist das ein besonderer Zauber. Aber es gilt: Jeder wie er mag. Und lass dir bloß von niemandem reinreden. Das ist ganz individuell. Auch fünf Bier in der Eckkneipe können etwas Besinnliches haben.

Dir fällt es schwer, in der Adventszeit zur Ruhe zu kommen. Zu viel ist zu erledigen. Die Planung und Vorbereitung, noch Ärger auf der Arbeit. Deadline ist am 23. Dezember, da musst du den Schalter umlegen, ab da herrscht bitte Weihnachtsstimmung. Aber denk dran: Das Allermeiste, das dich stresst, ist vor allem eins – egal.

Du gibst in Sachen gute Laune den Ton an. Du bist der Stimmungsmacher in der Familie. Es ist wichtig, dass sich die Anwesenden auf demselben Level befinden. Darum kümmerst du dich. Und wenn du das frisch im Philosophieseminar erworbene Wissen über den Existenzialismus beim Weihnachtsessen raushaust, sind alle gleich mies drauf.

Du willst dich ja besinnen und zur Ruhe kommen, aber was sollst du denn tun. Es ist ja nicht deine Schuld. Dein Motor läuft bei all den vielen To-dos eben konstant auf Turbo. Ein Tipp: Versuche es doch mal mit Meditation – oder akzeptiere einfach den Umstand, dass Besinnlichkeit bei dir nun mal ein Hochleistungssport ist.

Vorsicht: In den nächsten Wochen besteht erhebliche Gefahr, dass du versehentlich zur Ruhe kommst. Doch lass dich nicht beirren. Halte dagegen, was immer es auch kostet: Arbeite 50 Stunden, Doomscrolling am Handy is King, und zur Not ist Whiskey dein bester Freund. Denn wer will schon alleine sein mit den eigenen Gedanken.

Du zweifelst an den Bräuchen und dem einen Kirchenbesuch im Jahr – viele Dinge, die man macht, weil das eben schon immer so war. Das ist gute deutsche Tradition und das wird durchgezogen, ob es dir gefällt oder nicht. Ja, denkst du: Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. „Advent, Advent ein Lichtlein brennt.“

Ruhe und Frieden? Nicht mit dir. Andere können es sich auf der Couch bequem machen. Doch deine Weihnachtszeit ist nichts für Weicheier. Dafür gibt‘s Ostern. Es wird sich noch einmal gereckt und gestreckt und verbal gerüstet. Denn wie jeder weiß: Das Weihnachtsfest ist zum Ausräumen familiärer Streitigkeiten bestens geeignet.

Besinnlichkeit? Puh, für dich klingt das einfach nur anstrengend. Das Einzige, was in dem Fall hilft, ist ein Gang zur Apotheke. Das passende Mittel ist ja schließlich zum Glück seit kurzem legal. Allen, die da komisch gucken, fehlt es eindeutig an Empathie. Wie soll man denn auch sonst runterkommen mit so vielen Stimmen im Kopf.

Glücklich macht dich in dieser Zeit vor allem eines: in versammelter Runde deine Erfolge des vergangenen Jahres auszubreiten. Chapeau, chapeau. Du hörst innerlich schon den Applaus – oder ist es der Regen? Deine Geschwister sind Ärzte oder Anwälte für Wirtschaftsrecht? Ganz nett, aber nichts gegen deine 1000 Tiktok-Follower.

Wenn du eins nicht leiden kannst, dann Leute, die jetzt von Besinnlichkeit reden, nur weil es auf Weihnachten zugeht. Cringe! Alle sind so peinlich mit den roten Zipfelmützen und der albernen Musik. Aber was du dir nicht eingestehen willst, ist, dass der Cringe wohl mehr Freude bereitet als dein Resting-Bitch-Face.

Dieses Jahr kann es endlich werden, wie es sich gehört. Du hast Business gemacht und nun werden sich all die durchgearbeiteten Wochenenden bezahlt machen. Es gibt das beste Essen und teure Geschenke. Doch, oh Schreck, man erkennt dich kaum wieder. Erst warst du stolz, dann tat’s dir leid. Denn Reichtum schadet der Heiterkeit.

Du bist ratlos. Plötzlich sind alle sauer auf dich. Doch was soll die Aufregung? Was stellen die sich denn an? Na und, denkst du dir. Du sitzt nur mit Unterhose bekleidet auf der Couch, bist seit Tagen ungewaschen und toujours betrunken – aber was solls. Wenn der Kanzler sich danebenbenehmen darf, dann darfst du das ja wohl auch.
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