Element of Crime bringen echte Gefühle aufs ZMF 4Musik | 23.07.2025 | pt
Über die Liebe singen – und zwar ohne Kitsch und Pathos – können in Deutschland nur ganz wenige: Grönemeyer, Westernhagen, Lindenberg, Tocotronic oder Kettcar. Und eben Element of Crime.
Bevor die Berliner jedoch das Zirkuszelt auf dem ZMF erfüllen, muss Ansa Sauermann ran. Auch beim gebürtigen Dresdner geht es um große Gefühle: Sehnsucht und Selbstfindung. „Ohne Band stehe ich hier ein bisschen nackt“, gesteht er. Die Scham ist dem talentierten Singer-Songwriter nicht anzumerken.
Element of Crime-Frontmann Sven Regener ist es derweil fast ein bisschen peinlich, dass Zuhörern in ihren Songs so viele Katzen über den Weg laufen. Das rappelvolle Zirkuszelt spitzt die Ohren. In „Unscharf mit Katze“, „Weil es schön war“ und „Dann kommst du wieder“ wird er bald vergnügt fündig.
Darüber Klänge aus Folk, Chanson und Avantgarde-Rock. Und immer wieder geht es um Liebe. Liebe ist, Dinge wegschmeißen: den gestrickten Pullover der Ex. Liebe ist Timing: da sein, zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein – oder auch nicht. Liebe ist, was das Leben zusammenhält.

Romanautor Sven Regener (Herr Lehmann, Neue Vahr Süd) gibt keine Signierstunden. Auch Fotos sind im ZMF-Zelt nicht erwünscht, die Band hat einen Fotografen mitgebracht. Aber wozu ist man schließlich Künstler.
Trotz Trompete, Saxophon, Mundharmonika und Akkordeon: Seemannsromantik ist verboten. „Ein Tritt dem Trottel, der das erfunden hat / Niemand ist gern allein mitten im Atlantik / Diesmal, mein Herz, diesmal fährst du mit“, singt Regener sonor ins Mikrofon.
Kaum Hände, fast keine Handys, dafür viel Geschunkel, Gewippe und Geschmuse im gereiften Publikum. Viele haben die Augen geschlossen, genießen die eindrückliche Musik. Andere versuchen, im heißen Zirkuszelt nicht allzu sehr zu schwitzen. Unter Jubel wird „Leider nur ein Vakuum“ angespielt. Den 1974 erschienenen Track über Konsum, Exzess und leere Moral hat Element Of Crime von Udo Lindenberg stibitzt. „So!“, sagt Regener. Dann kommt „Am Ende denk ich immer nur an dich“. Dann sagt er: „Und jetzt passt auf!“: „Ein Hotdog unten am Hafen“, erklingt. Es ist der Höhepunkt des knapp zweistündigen Konzerts.

Feinarbeit: Gitarrist Jakob Ilja
Das nächste Intermezzo. Die Band sei gefragt worden, ob sie nicht mal einen Song über Freiburg schreiben könne. „Vielleicht haben wir den ja schon geschrieben“, überlegt Regener. Und dann: „Aber dieser ist es auf jeden Fall nicht.“ Delmenhorst erklingt und das Publikum schwelgt und schwoft. Vergnüglich, melancholisch, unaufdringlich, dabei aber eingängig und poetisch. Unter der lakonisch-trotzigen Oberfläche schimmert feine Ironie.
Nach einer Einlage von den Pet Shop Boys („You Only Tell Me You Love Me When You’re Drunk“) macht sich die Band erneut von der Bühne. Moment mal! So viel mit Katze war das doch heute gar nicht? „Zugabe!“ schallt es trotzdem nicht durch das Zelt. Es wird geklatscht und gestampft. Zuneigung ist eben oft auch das, was man nicht sagt. Und das funktioniert. „Wir haben ein bisschen darauf spekuliert“, sagt der Frontmann verschmitzt, als Element of Crime wieder hervortreten. Es fehlt schließlich noch „Weißes Papier“. Darin kommt ein Stubentiger schon in Zeile eins daher.
Fotos: © Felix Zimmermann









