„ Probleme vergessen und ins Chaos werfen“: Leap kommt nach Freiburg 4Musik | 27.10.2025

Jack Scott, Adam Mason, Declan Brown und Hector Cottam bilden seit zwei Jahren die Band „LEAP“. Im Oktober erschien ihr Debutalbum Entropy, mit dem sie durch Europa touren. Auf der Route: Freiburg. chilli-Autor Elias Krieger hat mit Scott über Freundschaft, das deutsche Publikum und kleine Kulturschocks gesprochen.

chilli:
Was hat euch zusammengebracht?

Scott:
Hector und ich sind seit unserem vierten Lebensjahr beste Freunde: Wir haben uns im Kindergarten kennengelernt, also schon eine ganze Weile. Was Declan und mich betrifft: Wir haben uns vor etwa zehn Jahren in einer Bar in Camden kennengelernt und uns über unsere gemeinsame Liebe zu Jeansjacken angefreundet. Und das letzte Puzzleteil, Adam, haben wir 2021 kennengelernt, als wir uns alle sofort in den charmanten, elfenähnlichen kleinen Mann verliebt haben.

Glücklicherweise kamen in diesem Jahr die Musikprojekte von jedem zum Abschluss, sodass es sich wie vom Schicksal bestimmt anfühlte, uns alle zusammenzubringen. Ich glaube, es ist ziemlich selten für eine Band, wirklich „beste Freunde“ zu sein. Deswegen bin ich jeden Tag sehr dankbar, dass ich so viel Zeit mit diesen lieben Menschen auf Tournee um die Welt verbringen darf.

chilli:
Ist LEAP eine klassische Rockband?

Scott:
Ich bin mir nicht sicher, ob ich LEAP dem Genre Classic Rock zuordnen würde, da unsere Musik einige modernere Elemente, zum Beispiel Anklänge an Electronica, enthält. Allerdings haben wir viele Gemeinsamkeiten mit klassischen Rockbands, wie energiegeladene, unvorhersehbare Auftritte, monströse Riffs und eine Vorliebe für Lederkleidung.

chilli:
Wie spiegeln sich die musikalischen Themen eures neuen Albums im Wort „Entropy“ wider?

Scott:
Wissenschaftler würden Entropie als einen stetigen Anstieg der Unordnung definieren. In vielerlei Hinsicht beschreibt das meinen eigenen Kampf mit mentaler Gesundheit ziemlich treffend. Für mich bedeutet Entropie aber noch viel mehr als das. Es ist der Funke im Chaos, dem wir unsere wahre Bestimmung verdanken.

 

Kommen am 18. November ins Jazzhaus: LEAP

chilli:
Was geht bei LEAP live ab?

Scott:
LEAP und die atemberaubende Community, die wir über die Jahre aufgebaut haben, sind wirklich ein Segen. Darum hoffe ich, dass die Menschen den Kern unserer Texte sehen und etwas Positives daraus mitnehmen. Rock’n’Roll-Therapie kann deutlich günstiger sein als Therapie. Ich hoffe, unsere Liveshows geben den Leuten die Möglichkeit, einmal für 90 Minuten ihre Probleme zu vergessen und sich ins wunderschöne Chaos zu stürzen.

chilli:
LEAP war bereits auf Europa-Tour. Was waren Höhen und Tiefen in Deutschland?

Scott:
Ehrlich gesagt hatten wir die unglaublichsten Momente in den vergangenen Jahren, als wir unsere deutschen Fans gewonnen haben, daher ist es sehr schwer, etwas Negatives zu finden. „Alles klar“, wie man hier sagen würde. Wir fühlen uns dort von allen sehr herzlich aufgenommen, und die Reaktion auf unsere Musik und unsere Einstellung war nicht von dieser Welt. Aber wenn ich doch etwas Negatives nennen müsste, dann ist es, dass in Deutschland sonntags fast alles geschlossen ist und unsere einzigen freien Nächte nach einer langen Fahrt oft in spätabendlichem Essen bei McDonald’s enden, gefolgt von einer gewissen Übelkeit (lacht).

 

Fotos: © Andreas Wöckinger (Dead Fox Media)