Rapper Tausendsassa: „Ich passe nicht in das Bild“ 4Musik | 23.06.2022 | Till Neumann

Nennt sich "der ungefährlichste Rapper der Welt": Tausendsassa alias Ansgar Hufnagel aus Freiburg

Er bricht mit gängigen Klischees: Rapper Tausendsassa. In Freiburg ist Ansgar Hufnagel auch bekannt als Moderator und Slammer. Mit der Platte „Abersowasvon“ zeigt der 35-Jährige, dass Rap auch von Sprachwitz und Humor leben kann. Im chilli-Interview mit Till Neumann erzählt er, warum er als der „ungefährlichste Rapper der Welt“ in dem Genre trotzdem richtig ist.

chilli: Herr Hufnagel, Sie haben Ihr erstes Soloalbum als „Tausendsassa“ veröffentlicht. Warum heißt das „Abersowasvon“?

Hufnagel: Tatsächlich war der Name ganz schnell gefunden. „ABERSOWASVON“ steht dafür, dass dieses Album trotz der ungewöhnlichen Umstände unbedingt raus musste und dass die künstlerische Arbeit, der kreative Ausdruck in seinen unterschiedlichen Facetten, weitergeht. Es ist ein Zeichen, sich nicht unterkriegen zu lassen und weiter zu machen. Abersowasvon!

chilli: Sie jonglieren zwischen Job, Familie und Musik, nennen sich Tausendsassa. Was machen Sie eigentlich am liebsten?

Hufnagel: Ich mag die Abwechslung durchaus sehr gerne. Gleichzeitig bin ich in erster Linie Künstler und liebe alles rund um Bühne, Veranstaltungen, Sprache und Kreativität. Auf der Bühne stehen, selbst zu performen oder auch als Moderator den Rahmen zu halten, das ist die Essenz und das ist mir auch am wichtigsten.

chilli: Zwölf Songs sind auf der Platte. Was erwartet die Hörer·innen?

Hufnagel: Lyrische Texte mit Humor, Selbstironie, Sarkasmus und Tiefgang.

chilli: Sie kommen aus dem Poetry Slam, warum fahren Sie jetzt den Rap-Film?

Hufnagel: Eigentlich ist das ein Schritt „Back to the Roots“. Denn ich habe schon lange vor meinen ersten Poetry-Slam-Versuchen Songs geschrieben und gerappt. Allerdings lag der Fokus in den letzten Jahren sehr stark beim Poetry Slam und Kabarett. Durch die Zwangspause in den letzten beiden Jahren gab es plötzlich Kapazitäten, um mich vermehrt der Musik zu widmen. Jetzt hat sich der Fokus dorthin verschoben und dieses Album ist entstanden.

chilli: Was ist der wichtigste Song auf der Platte?

Hufnagel: Für mich ist das „Love, Peace & Unity“, weil dort meine Positionierung als Künstler („der ungefährlichste Rapper der Welt“) sehr deutlich zum Vorschein kommt, der Ohrwurm hängen bleibt und der Song einen positiven Vibe hat.

chilli: Sind sie „ungefährlichster Rapper der Welt“ überhaupt im richtigen Genre?

Hufnagel: Gute Frage. Aber kann Rap denn nicht alles sein? Ich passe definitiv nicht in das Bild, welches von der Deutschrap-Szene gezeichnet wird und wofür Deutschrap heute oft steht. Gleichzeitig hat mich die HipHop-Kultur geprägt und sehr lange intensiv begleitet. Ich liebe es, mit der Sprache zu spielen und sehe keine Notwendigkeit, mich irgendwelchen Regeln zu unterwerfen, um irgendwelchen Erwartungen gerecht zu werden. Die Art und Weise, wie ich meinen Weg gehe ist zu 100 Prozent HipHop!

chilli: Die Beats klingen organisch. Wer hat da gespielt oder komponiert?

Hufnagel: Für die Musik ist Tom Rollbühler verantwortlich. Er hat alles produziert, eingespielt, abgemischt und gemastert. Ein sehr vielseitiger Produzent, der meine Vorstellungen und Ideen sehr gut umzusetzen weiß. Für diese Zusammenarbeit bin ich super dankbar und bin mir sicher, dass da noch einige Songs entstehen werden.

chilli: Ihr Style erinnert an den Deutschrap der 90er. Was sind Ihre Vorbilder?

Hufnagel: Ich habe unter anderem sehr gerne Dendemann, Blumentopf, die Beginner, Torch, Gentleman, Patrice, Seeed und Clueso gehört. Zur Zeit inspirieren mich zum Beispiel Alligatoah, Maeckes, Jan Delay, Das Bo, Lumpenpack, Teddy Teclebrhan, Simon & Jan und Quichotte.

chilli: In Ihre Texten geht es auch um die Vergangenheit und was sich geändert hat. Trauern Sie den guten alten Zeiten hinterher?

Hufnagel: Nein und ja. Nostalgie ist natürlich immer wieder ein inspirierender Faktor. Gleichzeitig bin ich sehr froh darüber, wo ich gerade stehe. Es macht allerdings sehr viel Spaß, auf „die gute alte Zeit“ zu schauen und sich einzubilden, dass damals alles besser war. Wenn ich das tue, dann mit sehr viel Humor und den Blick auch auf das Jetzt gerichtet.

chilli: Wann sieht man Sie wieder live?

Hufnagel: Als Moderator von Kleinkunst-Veranstaltungen (viele Poetry-Slam-Events) bin ich regelmäßig in Freiburg und Umgebung zu sehen, mit der Musik zum Beispiel am 08. Juli im Mensagarten im Rahmen der Poetry-Slam-Stadtmeisterschaften. Dort werde ich als Feature-Artist zusammen mit Larissa Leaves (Ukulele und Loopstation) einige Songs spielen.

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