Planspiele um Zähringen-Nord: BO.L plant 1000, Rathaus glaubt an maximal 700 Wohnungen Featured | 25.08.2022 | Lars Bargmann

Zähringen Nord Zwischen Güterbahn und B3: Auf der Fläche zwischen Mömax und Marktkauf soll ein neues Quartier entstehen.

Der Projektentwickler BO.L ist einfach mal vorgeprescht und hat in einer Pressemitteilung verlautbart, dass er auf dem insgesamt rund 100.000 Quadratmeter großen Areal mit dem ehemaligen Real-Markt und dem Möbelhändler Mömax an der Gundelfinger Straße 1000 neue Wohnungen plant. Im Rathaus dämpft Baubürgermeister Martin Haag die Erwartungen: „Wir halten 600 bis 700 für realistisch.“ Bei der hohen Dichte müsse viel Wert auf gute öffentliche Freiräume gelegt werden.

Bevor im Baugebiet Zähringen-Nord ein Bagger rollen kann, müssen eine ganze Reihe von Problemen gelöst werden. Auf der anderen Seite der Isfahan-Allee gibt es mit dem Unternehmen TDK Micronas einen möglichen Störfallbetrieb, der einen Schutzradius einfordert, der ins Baugebiet hineinreicht – und dort Wohnungsbau verunmöglicht. Zudem ist das Areal durchaus lärmumtost: Die direkt angrenzende B3 ist mit mehreren 10.000 Autobewegungen täglich für die Planer dabei die härteste Nuss.

Außerdem müsste Mömax verlegt werden, und so reden in diesen Tagen sowohl BO.L, ein Gemeinschaftsunternehmen einer Tochter der Volksbank eG Braunschweig Wolfsburg und der Lüder Unternehmensgruppe aus Hildesheim, als auch das Rathaus mit den Eigentümern. Das längere Ende des Seils hat dabei die Stadtverwaltung in der Hand, weil nur sie über eine baurechtlich machbare Ersatzfläche verfügt. „Es gibt mehrere Möglichkeiten für Mömax, aber spruchreif ist noch keine“, sagt Haag.

Klar ist, dass der Projektentwickler einen Bebauungsplan braucht und dann auch die baulandpolitischen Grundsätze der Stadt Freiburg befolgen muss. Und dazu zählt unter anderem die Pflicht, 50 Prozent öffentlich geförderten Wohnungsbau zu betreiben. Was für private Investoren wirtschaftlich nur schwer oder gar nicht darstellbar ist. Von den 1000 Wohnungen „soll ein großer Anteil preisgebunden als Beitrag zur sozialen Wohnraumentwicklung entstehen“, heißt es in der Pressemitteilung. Wie lange an dem Satz wohl formuliert wurde.

Nach chilli-Informationen will BO.L keine einzige öffentlich geförderte Wohnung bauen, sondern lieber rund 20 Prozent der Flächen ans Rathaus kostenlos abgeben, damit die Stadt dann – vermutlich mit ihrer Tochter Stadtbau – diesen Job erledigen soll. „Grundsätzlich wollen wir die 50 Prozent sehen, aber Flächenabtretung ist auch eine Möglichkeit“, so Haag.

In dem Real-Markt hatte Ende Juni der Marktkauf Kohler eröffnet. Marktkauf ist eine Edeka-Handelsmarke. Real hatte das Gebäude und das 51.000 Quadratmeter Grundstück an Edeka verkauft. Auf diesem Grundstück plant BO.L in fünf Gebäuden rund 500 Wohnungen in unterschiedlicher Größe „für alle Alters- und Lebensformen“.

Die anderen 500 könnten auf dem Mömax-Grundstück, das der Projektentwickler ebenfalls schon mal überplant, gebaut werden. „Wir wollen ein modernes und lebendiges Quartier realisieren, das den Anforderungen sozialer, ökologischer und verantwortungsvoller Stadtentwicklung gerecht wird“, so Julian Siering, Projektentwickler von der BO.L. Freiburg lege viel Wert auf Nachhaltigkeit und Diversität, das entspreche „auch unseren Zielen und das wollen wir hier baulich umsetzen“. Wenn jetzt zeitnah die richtigen Entscheidungen mit dem Ziel einer Baugenehmigung getroffen würden, könnten hier „bereits im Jahr 2026 die ersten Bewohner·innen einziehen“.

Das Quartier und die Gebäude sollen den Maßstäben der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) entsprechen. Photovoltaik-Anlagen, begrünte Dächer und Innenhöfe als Teil eines Regen­wassernutzungskonzepts zur Verbesserung des Mikroklimas stehen auf der To-do-Liste.

Ein zeitgemäßes Mobilitätskonzept soll unterschiedlichste Verkehrsmittel in Einklang bringen und eine Vielzahl von Sharing-Angeboten integrieren. „Freiburg ist eine wachsende Stadt, deren attraktive Lage viele Menschen anzieht. Wir möchten mit dem neuen Quartier einen Beitrag für die steigende Nachfrage nach bezahlbarem und gleichzeitig nachhaltigem und attraktivem Wohnraum leisten.“

Kohler soll auch nach dem Abriss des Gebäudes und dem Neubau von Wohnungen, Büros, einem Stadtteilzentrum, Grün- und Freizeitflächen eine neue Fläche beziehen. „Unser Ziel ist es, einen positiven Beitrag zur Stadtentwicklung Freiburgs zu leisten, und wir freuen uns, mit Edeka und Kohler gute Partner an unserer Seite zu haben, die uns über den gesamten Entwicklungsprozess begleiten und am Ende einen in das Stadtteilzen­trum integrierten Markt beziehen“, sagt Carl Matthias Rathgen, der Geschäftsführer der BO.L. Durch die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten im Vorfeld der Übernahme des Real-Markts konnten die Arbeitsplätze gesichert werden und auch zukünftig gesichert bleiben.

Ob tatsächlich 2026 schon die ersten Bewohner einziehen können, kom­mentiert Haag so: „Sicher wäre es schön, wenn 2025 die ersten Bagger anrollen könnten.“

Foto: © Neithard Schleier