Bittersüße Liebeslieder: Mola begeistert im Jazzhaus Musik | 17.12.2025 | Till Neumann
Singt im Jazzhaus Freiburg von Alkohol, Hoffnung und der Liebe: Mola aus München
Sie kam, sang und überzeugte: Die Münchner Sängerin Mola war am Dienstagabend im Jazzhaus Freiburg. Mit ihrer Band bot sie deutschen Indierock voll Hoffnung, Herzschmerz und Weinflaschen. Die Musikerin trommelte für mehr Subkultur-Support: Lieber kleine Konzerte als Adele und Tailor Swift. Wie das ankam?
„Dumm dumm dumm“
Liebe Brutal. Wie das neue Album heißt auch die Tour. Und der erste Song des Abends: „Un deux trois und denk mir oh la la / sie sagen sie wär tot und dann ist sie wieder da“, röhrt Mola ins Mikro. Das gut gefüllte Jazzhaus groovt mit. Viele Frauen sind da. Anfangs noch mit etwas Sicherheitsabstand zur Bühne. Doch Mola ist schnell auf Temperatur. Zieht die Sonnenbrille ab und heizt ein.
Spätestens bei „Vielleicht bin ich dumm“ hat sie den Saal erobert. Auch wegen einer ihrer charmant-witzigen Ansagen: „Dumme hinterfragen sich nicht“, sagt Mola. „Wenn ihr euch ab und zu fragt, ob ihr dumm seid, gebe ich euch das Prädikat superschlau.“ Den Refrain lässt sie vom Publikum mitsingen. „Dumm dumm dumm du dumm, vielleicht bin ich dumm“, geht das im Chorus. Die Silbern hämmern wie ein Drumhit.
„Grazie ihr Mäuse“
Molas virtuose vierköpfige Band (Drums, Keys, Gitarre und Bass) spielt das treibend nach vorne. Mal mit Elektroausflügen, mal mit Drum’n’Bass-Anleihen, mal soft und akustisch. Mit einem Drumsound so knackig wie ein Bioapfel und Molas raumfüllender 4-Uhr-morgens-Stimme geht das schnell unter die Haut.
Seit 2015 macht die Band von sich reden. Sie war zuletzt 2023 im Artik und hätte eigentlich auf der aktuellen Tour im Vorderhaus spielen sollen. Wohl wegen des großen Andrangs wurde die Show hochverlegt ins Jazzhaus. Dass viele Freiburger*innen die Texte mitsingen, flasht Mola schnell. „Ihr seid ein Tour-Highlight, so viele tolle Menschen“, umgarnt sie die Crowd. Und auch sonst: Freiburg sei eine wunderschöne Stadt. „Grazie Mille ihr süßen Mäuse“ ruft sie immer wieder.
Zugabe in der Menge
Viele Mola-Lines bleiben hängen: „Nur mit dir schmeckt mein warmes Bier“, „Ich rauche meine letzte Kippe immer am liebsten mit dir“ oder „Du und ich und Vino Bianco, ich sitze hier und frag mich cuando“. Drogen sind oft im Spiel. Man fragt sich, wie Mola trotzdem so fit sein kann für wochenlange Touren und ihre Powershow. Gebrochene Herzen gibt es viele in ihren Liedern. Aber auch Hoffnung und Höhenflüge. „Das Leben ist schön“, singt sie mit all ihrer Wucht zum Ende. Aber bleibt rotzig: „Und will es mich ficken, dann trage ich Lippenstift auf.“
Stark bleiben und das Glück in den kleinen Dingen suchen, so die Essenz ihrer Musik. Nahbar ist sie ohnehin. Das zeigt Mola bei der Zugabe, als sie mitten in der Menge „Alles gelogen“ singt. Und das Publikum bittet, noch näher zu ihr zu kommen.
„Tailor braucht das Geld nicht“
Zur Abschluss gibt’s einen Appell: „‚Kauft Tickets für Konzerte von kleinen Künstler*innen“, so ihr Wunsch. Denn sonst sterbe die Subkultur aus. Und mit ihr die Vielfalt. „Tailor Swift und Adele brauchen das Geld nicht – oder kriegen es eh“, sagt Mola. Nach so einem Konzert für rund 35 Euro dürften sich die meisten sagen: Das war jeden Cent wert.









