Naturgewalten mit Haltung: Irie Revoltés feiern Comeback auf dem ZMF Musik | 18.07.2025 | Till Neumann

Drehen auf: Die Brüder Mal Elévé und Carlito von Irie Révoltés im ZMF-Zirkuszelt

Acht Jahre lang keine Shows. Dann so ein Kracher. Die Berliner Band Irie Révoltés hat am Donnerstag nach langer Pause auf dem ZMF gespielt. Die Crew um die deutsch-französischen Brüder Mal Elévé und Carlito erwischte einen denkbar schlechten Start. Konnte dann aber im ausverkauften Zelt ein Feuerwerk aus Dancehall, HipHop Ska und Rock abfackeln.

Plötzlich ist Carlito weg

23 Uhr. Freiburg. Nach mehr als zwei Stunden ist die Show zu Ende. Man fragt sich: Womit dopen sich die Iries eigentlich? Ihre Show im Zirkuszelt vor 2800 Menschen war energiegeladen wie eh und je. Die Brüder sprangen, tanzten, sangen, rappten und wirbelten die Handtücher durch die Luft, als wäre es das letzte Konzert ihres Lebens. Song für Song. Immer weiter, weiter, weiter. Da können auch Leistungssportler*innen erstaunt fragen: Wie machen die das?

Doch von Anfang: Los geht’s mit der Rock-Rap-Nummer „Allez“. Mit Vollgas entern die Brüder Pablo und Carlos Charlemoine mit ihrer Band die Bühne. Die Menge ist direkt dabei, singt und springt einen der Irie-Hits lautstark mit. Auch Trompeter und Saxofonistin machen ordentlich Dampf. Doch plötzlich ist Carlito weg. Wird’s doch ein Soloabend von Mal Elévé? Der überspielt die Abwesenheit seines Bruders elegant. Dann hat auch noch der Keyboarder ein Technikproblem bei seiner Keytar (Keyboard meets Gitarre). Was ein Pech.

Gegen Nazis und Kriege

Die Band findet dennoch zurück in die Spur. Schließlich sind sie Veteranen im Showgeschäft: Bis zum Jahr 2017 begeisterten sie Tausende mit ihren Power-Songs auf Deutsch und Französisch. Und einer Rebellen-Attitude als wortgewaltige Antifaschisten, die kein Blatt vor den Mund nehmen. So auch auf dem ZMF: Sie wettern gegen Nazis, gegen die Waffenindustrie und gegen Kapitalismus. Sie singen für sauberes Trinkwasser für alle, für Solidarität und Frieden. Mit einer Euphorie und Ekstase, die ihresgleichen sucht.

2017 hat sich die Band aufgelöst. Nach 17 Jahren wilder Karriere – gegründet im Jahr 2000 in Heidelberg. Und 500 Konzerten in 25 Ländern. Die Brüder starteten Soloprojekte. So groß wie ihre Band wurden sie jedoch nie. Und nun das Comeback mit ihrer „Irieunion – Le Re-Tour“. Bis Ende des Jahres spielen sie wieder, dann soll endgültig Schluss sein.

Die ZMF-Show zeigt eindrücklich: Die Iries sind wieder in Höchstform und die Fans ihnen treu geblieben. Und feiern die Show auch ohne, dass es ein neues Album gibt. Die letzte Platte „Irie Revoltés“ ist schließlich schon zehn Jahre alt. Doch Songs wie „Fäuste hoch“, „Antifaschist“ oder „Travailler“ ziehen genau wie früher. Und sind in ihren Messages brandaktuell.

„Das war eure Energie“

„Ich wurde so geboren, ich werde so bleiben, bis ich sterb / Antifaschist für immer für immer“, singen sie und haben die Menge hinter sich. Der Schweiß tropft, es gibt Pogo-Tänze, Refugees-Welcome-Fahnen und Regenbogen-Socken.

Am Ende dankt Mal Elévé seinem Bruder fürs Durchhalten. Er habe sich gleich zu Beginn am Fuß verletzt und trotzdem durchgezogen. Carlito gibt den Dank weiter: „Das war eure Energie“, ruft er den Fans zu. Die machen weiter, auch als die Band schon weg ist. Sie singen Antifa-Chöre und klatschen dazu. Also kommen die Iries doch nochmal vor. Das Ende eines epischen Abends für alle Supporter·innen der zwei Naturgewalten mit Haltung. 

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Irie Révoltés auf dem ZMF: scheinende Hände, geballte Fäuste, kochendes Zelt

Fotos: © Till Neumann