Pannen, Hollywood und maximum rizz – Zehn überraschende Fun Facts zum Jubiläum Architektur | 31.08.2025 | David Pister

Seit einem Jahrzehnt steht die futuristische Glasfassade der Universitätsbibliothek Freiburg am Platz der Alten Synagoge – und spaltet die Meinungen: Todes­stern oder Diamant? Was viele nicht wissen: Unter dem Gebäude verbergen sich zwei Untergeschosse in Fußballfeld-Größe, die Bibliothek war einst rund um die Uhr geöffnet, und im Keller lauern 51 Selbstporträts, die so manchem einen kleinen Schreck einjagen. Zehn kuriose Fakten zum zehnjährigen Jubiläum.

1. Im Verborgenen

Der sichtbare Teil der Universitätsbibliothek (UB) ist nur die Spitze des Eisbergs. Unter der Erde verbergen sich drei weitere Geschosse. Das erste ist Studis noch bekannt: Hier sind der Ausleihbereich und eine Fahrradgarage. Darunter befinden sich aber noch zwei weitere Untergeschosse, in denen Bücher lagern. Die Fläche entspricht zwei Fußballfeldern.

2. Zahlen und Fakten

Knapp 3,5 Millionen gedruckte Medien liegen insgesamt in der UB. Durchschnittlich gibt es am Tag 9000 Zugänge – dreimal so viel wie in die Staats- und Uni-Bibliothek Hamburg –, an Spitzentagen sogar mehr als 16.000. Die Frage ist nur, bei wie vielen die Drehtür anhält, weil sie zu dicht auflaufen.

3. Pleiten, Pech und Pannen

Manch ein Bobbele sieht im Gebäude eher eine „Pannen-UB“ als einen geschliffenen Diamanten. Das liegt am ein oder anderen Missgeschick: Jeden Sommer aufs Neue kann man 250 Quadratmeter Stoff bewundern, die auf der Südostseite aufgehängt werden, weil Verkehrsteilnehmer sonst geblendet würden. Eine klemmende Tür, herunterfallende Fassadenteile, sich wölbende Paneele, undichte Stellen. Zuletzt wurde Schimmelbefall auf Büchern entdeckt.

4. Filmreifes Gebäude

Die UB gehört neben dem Freiburger Münster zum meistfotografierten Gebäude der Stadt. Nicht nur der Vergleich zum Todesstern beweist das cineastische Potenzial. Die Netflix-Serie Biohackers spielt in Freiburg, und auch die UB ist immer wieder zu sehen. Etwa als die Hauptdarstellerin Luna Wedler in der UB einer genveränderten leuchtenden Maus hinterherrennt. Regisseur Christian Ditter sagte, dass er unter anderem durch ein futuristisches Foto der Freiburger UB angeregt wurde, die Serie in Freiburg spielen zu lassen.

5. Lebendige Ausstellung

Zum zehnjährigen Jubiläum wird im frei zugänglichen Parlatorium vom 31. Juli bis zum 7. November die Ausstellung „Kontinuität und Wandel“ zu sehen sein. Die Exponate zeigen den Planungsprozess, die alte Universitätsbibliothek und die Bauarbeiten. Außerdem werden Mitarbeitende der UB sichtbar gemacht: Neben den Porträtfotos kann man durch QR-Codes zu Audiointerviews gelangen, in denen sie über ihre Arbeit und ihre persönlichen Erlebnisse während der Bauphase erzählen.

Aus alt mach neu: Die Universitätsbibliothek wurde vor zehn Jahren eröffnet.

Aus alt mach neu:

Die Universitätsbibliothek wurde

vor zehn Jahren eröffnet.

6. Die Wanderjahre

Während die Tiefmagazine unter der UB blieben – und auch einige Mitarbeitende, die damit unter der Baustelle arbeiteten, musste der restliche Teil umziehen. 2007 wurde die ehemalige Stadthalle im Freiburger Osten angemietet und umgebaut – sie fungierte als Interimsbibliothek. Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Schluchseewerk AG wurde für die Verwaltung der Bibliothek genutzt.

7. Inhouse-Influencerin

„Hi Besties! Der bratsummer ist over, es wird Zeit in eure library era zu starten. Ich zeig’ euch jetzt mal unsere UB“, begrüßt Buchbinderin Birgitta Landerer auf dem Instagram-Account der UB die knapp 5000 Follower. Die 58-Jährige führt durch die Bibliothek und sagt dabei allerhand, was Boomer nicht verstehen und die GenZ lustig findet: maximum rizz, no cap, cringe, main character energy. Dass der Clip so durch die Decke geht, hätte sie vermutlich nicht gedacht: 1,2 Millionen Aufrufe – knapp 70.000 Likes. Da kann man nur eins sagen: slay!

8. Von 24/7 zu 7 bis 24

Die UB war ursprünglich als Rund-um-die-Uhr-Einrichtung konzipiert – sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag. Und tatsächlich lief der Betrieb zunächst wie geplant: Der durchgehende Zugang galt als Aushängeschild der neuen UB. Doch im September 2018 war damit Schluss. Wegen der hohen Nutzungszahlen schnellten die Betriebskosten stärker in die Höhe als erwartet – und die spärliche Universitätskasse machte dem Dauerbetrieb ein Ende. Seither hat die UB von 7 bis 24 Uhr geöffnet.

9. Vorvorgängergebäude

An das 1978 errichtete ehemalige Gebäude der UB werden sich nur wenige noch erinnern. Brutalismus statt Diamant – Autogarage statt Fahrradstellplatz im Untergeschoss. Davor gab es allerdings auch schon eine Universitätsbibliothek, keine 50 Meter von der heutigen entfernt. Von 1903 bis 1978 war die UB im heutigen KG IV, auch Schäferbau genannt, untergebracht. Der Karlsruher Architekt Carl Schäfer hat das Gebäude im neugo­tischen Stil entworfen. Heute befinden sich dort Werke aus den Bereichen Anglistik, Amerikanistik, Geschichte, Politik und Soziologie.

10. Ein paar Peter Dreher im Keller

Peter Dreher, der 2020 gestorben ist, war Maler und Grafiker. Er lebte in Wittnau bei Freiburg. Zwischen 1977 und 1979 gestaltete er die Fassade der alten Universität Freiburg mit einer Serie von Selbstporträts: 51 Bilder auf Metall. Heute hängen die Gemälde im Untergeschoss der neuen UB – und sorgen dort regelmäßig für leichtes Unbehagen. Wer zwischen den Regalreihen unterwegs ist, hat schnell das Gefühl, beobachtet zu werden.

Fotos: © Medienzentrum der Universitätsbibliothek Freiburg; FWTM/Michael Spiegelhalter