Unmüßig bietet Rathaus kostenloses Eisstadion an Bauen & Wohnen | 17.04.2021 | Lars Bargmann

Illustration Freiburg Arena über Wendeschleife? Im Umfeld der blau markierten Fläche wäre Platz.

Auf freiburg-dietenbach.de können sich seit 9. April auch Bauträger und Projektentwickler eintragen und hinterlegen, was sie im geplanten Stadtteil machen wollen. „Wir sind da grundsätzlich gerne dabei, aber der Preis muss stimmen“, sagt Peter Unmüßig. Auf dem Tisch liegt abseits eine Visualisierung eines neuen Eisstadions für Freiburg. Es ist zu spät, sie wegzuräumen.

Oberbürgermeister Martin Horn hatte im chilli-Interview im Februar erklärt, es gebe zwei Angebote von Investoren für eine neue Eishalle. Das Rathaus kann den Bau aufgrund der klammen Kassen selber nicht stemmen. Unmüßig könnte es.

Ja, er habe diversen politischen Vertretern sein Konzept vorgestellt. Die Stadt würde das reine Stadion übrigens null Euro kosten. Nur für den Betrieb müssten Stadt und Wölfe aufkommen. Aber die Multifunktionsarena bräuchte auch Flächen, die an Dritte zu vermieten sind. An einen Discounter, einen Edeka oder Rewe, an Gastronomie, Friseure, kleinere Läden.

Vor allem aber brauche es rund 8000 Quadratmeter zentrenrelevanten Einzelhandel, um das Multi-Millionen-Projekt zu stemmen. Genau das ist der Knackpunkt: Den Verantwortlichen im Rathaus ist ihr Märkte- und Zentrenkonzept nahezu heilig – auch wenn es durchaus Stadträte gibt, die längst nicht alle Regelungen darin sinnvoll finden. „Man müsste eine partielle und temporäre Ausnahme zulassen, sonst geht es nicht“, sagt Unmüßig, der gerade seinen 70. Geburtstag gefeiert hat.

Auch ein Grundstück fürs Eisstadion gebe es, an der Ecke Madisonallee und Hermann-Mitsch-Straße, dort, wo die Messetram ihre Wendeschleife fährt. Unmüßig würde es in Erbpacht übernehmen und überbauen, die Fans könnten also mit der Tram direkt unters Stadion fahren. Dazu nebendran ein oberirdisches Parkhaus mit 400 Kfz-Stellplätzen auf einem Lebensmittel-Einzelhändler. Nun ist die Politik am Zug.

Die treibt derweil die Planungen für den neuen Stadtteil Dietenbach voran. Wie die meisten anderen privaten Investoren sieht auch Unmüßig die beschlossene 50-Prozent-Quote für den sozialen Mietwohnungsbau kritisch: „Das ist zu viel, 30 Prozent gehen gerade noch, drüber wird’s ganz schnell unwirtschaftlich.“ Die Unmüssig-Gruppe, die heuer 75 Jahre alt wird, hat grundsätzlich keine Probleme mit dem Mietwohnungsbau, auch nicht mit dem geförderten: Bei den Westarkaden waren fast 90 von 275 Wohneinheiten gefördert, bei einem aktuellen Projekt in Weinheim sind es fast 200 geförderte. Auch im Zentrum Landwasser, wo im Juni der Neubau startet, erstellt die Firma 300 Mietwohnungen, dort aber keine geförderten, weil sich das im Gesamtprojekt nicht gerechnet habe.

„Wir bauen seit Jahrzehnten für Lebensversicherungen und Pensionskassen, die aus den Renditen ihre Klienten versorgen, da müssen die Randbedingungen stimmen“, sagt der Projektentwickler. Geförderter Mietwohnungsbau „in Maßen“ könne nur gelingen, wenn der Bodenpreis pro Quadratmeter Wohnfläche nicht deutlich über 500 Euro liege und auch andere Parameter stimmen. Wenn er höre, was der Stadtteil alles sein soll, klimaneutral, inklusiv, architektonisch ambitioniert, hochwertige Freiflächen und Infrastruktur, 50 Prozent sozial, preisgedämpft, dann kann sich der 70-Jährige „kaum vorstellen, dass er zur Senkung des Mietniveaus führen“ wird. Eher zum Gegenteil. Er hofft, dass sich das noch ändert. Derzeit hat die Gruppe ein Projektvolumen von zwei Milliarden Euro in der Bearbeitung. Tendenz auch eher steigend.

Illustration: © Bauen & Wohnen