Bauturbo zündet nur im Umland – Bauverein Breisgau legt Bilanz vor business im Breisgau | 20.07.2026 | Holger Schindler
Bundesweit einzigartig:
das Stiftungshaus in Kirchzarten
Der Bauverein Breisgau (BVB) steht wirtschaftlich weiterhin grundsolide da. Die Mitgliederzahl steigt – und ebenso die Eigenkapitalquote. Das sagten die Vorstände Marc Ullrich und Jörg Straub bei der Bekanntgabe der Bilanz für 2025. Doch kostengünstigen Wohnraum zu schaffen, bleibe trotz der starken Ausgangsposition eine Herausforderung.
„Beim Bauturbo gibt es erhebliche Unterschiede zwischen der Stadt Freiburg und den Gemeinden im Umland“, sagte Straub. Der Bauturbo soll seit Herbst 2025 den Bau neuer Wohnungen schneller und einfacher machen. Im Umland klappe das. Da komme es durchaus vor, dass der Bürgermeister persönlich aufs Landratsamt fährt, um ein Bewilligungsverfahren zu beschleunigen. Von diesem Eifer könne sich das Freiburger Rathaus durchaus eine Scheibe abschneiden.
Trotz schwieriger Bedingungen mit weiter steigenden Baukosten, hoher Regulierungsdichte und langwierigen Genehmigungsverfahren halten Ullrich und Straub das Unternehmen mit 112 Beschäftigten auf Kurs: Der BVB investierte im vergangenen Jahr 24,8 Millionen Euro in Neubau und Modernisierung. 55 Wohnungen wurden fertiggestellt – etwa in Gundelfingen und in Freiburg an der Basler Landstraße. Die Mitglieder profitieren vor allem von relativ niedrigen Mieten: Bei Bestandswohnungen liegt die Durchschnittsmiete bei 8,05 Euro pro Quadratmeter, bei Neubauwohnungen sind es 10,56 Euro.
Entsprechend zahlreich sind Anträge auf Mitgliedschaft. 26.573 Mitglieder verzeichnete der BVB zum Jahresende – ein neuer Höchststand. Allerdings kostet die Aufnahme in den Bauverein mittlerweile 400 statt 200 Euro.
Der Bauverein hat 5155 eigene Wohnungen und 173 Gewerbeeinheiten, hinzu kommen 3119 verwaltete Wohnungen. Die Bilanzsumme stieg auf rund 374 Millionen Euro, die eigene Spareinrichtung verwaltet Einlagen von mehr als 114 Millionen Euro – ein wichtiger Vorteil bei der Finanzierung von Bauprojekten.
Im vergangenen Jahr wurden 304 Wohnungen neu an Mitglieder vergeben. Leerstände gibt es nahezu ausschließlich wegen Sanierungsarbeiten. Auf positive Resonanz stößt laut Ullrich ein Förderprogramm für interne Wohnungswechsel: „Wir helfen dabei etwa älteren Mietern, die sich nach dem Auszug der Kinder und oder dem Tod des Partners in zu großen Wohnungen wiederfinden.“ Wichtig sei, eine Ersatzwohnung im selben Quartier zu finden und gegebenenfalls Mietsteigerungen abzufedern: „So werden dringend benötige günstige Wohnungen für Familien frei.“
Der Bauverein hat sich auf ein Grundstück im ersten Bauabschnitt im geplanten Freiburger Stadtteil Dietenbach beworben. Doch günstige Mieten zu sichern, sei eine große Herausforderung. „In Nachbarländern sehen wir, wie es besser gehen kann”, erzählt Ullrich, „in Straßburg werden Gebäude siebenstöckig, teils auch zwölfstöckig ausgeführt.“ Das senke die Kosten pro Quadratmeter.
Zudem seien die Bauvorschriften in Deutschland viel zu umfangreich. Hier sei die Politik am Zug. Der BVB setze weiter auf enge Zusammenarbeit mit den Kirchen, die oftmals günstigeres Bauland bereitstellen könnten. So auch beim Stiftungshaus in Kirchzarten: Beim bundesweit beachteten Modellprojekt mit 15 preisgedämpften Wohnungen kooperierten die Bauverein-Breisgau-Stiftung, die katholische Erzbischof-Hermann-Stiftung und die Gemeinde. Aktuell im Bau sind 30 Wohnungen in Herbolzheim und 24 in Gottenheim.

Foto: © Bauverein Breisgau









