Absage ans »Haus der Endlichkeitskultur« – Verein Flurstück 277 muss nachbessern STADTGEPLAUDER | 13.09.2025 | David Pister
Seit Jahren wird um das Crash-Areal in Freiburg gerungen. Zwei Bewerbungen gingen bei der Ausschreibung ein – eine scheiterte an formalen Hürden. Das geplante „Haus der Endlichkeitskultur“ von Wulf Wössner erhielt eine Absage, der Verein Flurstück 277 darf nachbessern. Im Herbst entscheidet sich, wie es mit dem 1686 Quadratmeter großen Grundstück weitergeht.
Die Zukunft des Crash-Areals rückt nach Jahren der Diskussion näher: Der Freiburger Gemeinderat hat das weitere Vorgehen zur Vergabe von Flurstück 277 beschlossen. Vor zwei Jahren hatte der Gemeinderat die Bebauung des 1686 Quadratmeter großen Areals öffentlich ausgeschrieben – explizit für gemeinwohlorientierte Akteure.
Bis Ende der Bewerbungsfrist im Oktober 2024 gingen zwei Konzepte ein. Nur der Verein Flurstück 277 erfüllte die formalen Voraussetzungen. Die zweite Bewerbung von Wulf Wössner und Barbara Rolf scheiterte laut Stadt an einem fehlenden Nachweis der Gemeinwohlorientierung.
Wössner, Freiburger Bauingenieur, Filmproduzent und Geschäftsführer der WL Sozialimmobilien GmbH, hatte mit der Theologin Barbara Rolf ein „Haus der Endlichkeitskultur“ geplant. Herzstück: ein neuzeitliches Hospiz – aber auch bezahlbare Wohnungen für Pflegekräfte und Studierende, Bildungs- und Kulturangebote sowie offene Dialogräume waren vorgesehen.

Wird kein neuzeitliches Hospiz: Wulf Wössners Konzept für das Crash-Areal wurde abgelehnt.
Bauherrin sollte die WL Sozialimmobilien GmbH sein, Betreiber die Aczepta Sozialbetriebe GmbH, konzeptionell begleitet von Rolf. „Das ist ein wichtiges Thema, das immer dringlicher wird und per se gemeinnützig ist“, sagt Wössner. Die Entscheidung des Gemeinderats, sein Konzept nicht zu berücksichtigen, akzeptiere er zwar, könne sie aber nicht recht nachvollziehen – besonders, weil der Verein Flurstück 277 nachbessern dürfe, er selbst jedoch nicht.
Laut Stadtsprecher Toni Klein waren die Zugangsvoraussetzungen klar definiert: Gemeinwohlorientierte Unternehmen müssen dies im Gesellschaftervertrag festschreiben und Referenzprojekte vorweisen. Wer diese Kriterien bei Bewerbungsschluss nicht erfülle, werde nicht zugelassen. Der Verein Flurstück 277 habe diese Hürde genommen, daher könne das Konzept inhaltlich geprüft und überarbeitet werden.
Somit ist nur noch der Verein Flurstück 277 im Rennen. Klärungsbedarf gibt es allerdings noch beim Stellplatznachweis und beim Finanzierungskonzept. „Wir haben nur zwei oder drei Parkplätze im Konzept und eigentlich ein Mobilitätskonzept mit dem Carsharing-Anbieter Stadtmobil geplant. Aber die Autos müssen irgendwo untergebracht werden. Das ist klar“, sagt Helma Haselberger vom Verein.
Schwieriger sei die Finanzierung der gewerblichen Flächen, insbesondere des Clubs Crash, der im Konzept erhalten bleiben soll. Der Wohnungsbau ließe sich über Fördermittel realisieren, beim Crash müsse man zur Finanzierung wohl höhere Mieten verlangen – was dem Verein widerstrebt – oder weitere Förderquellen finden. „Für den Betrieb ist Geld leichter zu bekommen als für den Bau“, so Haselberger.
Als gewerbliche Mieter sind neben dem Crash auch Stadtmobil und die Genossenschaft Oekogeno vorgesehen. Zudem soll ein Förderverein entstehen, der dann künftig moderiert und vermittelt. Anfang Oktober will die Stadt mit dem Verein über die kritischen Punkte ins Gespräch kommen. Sollte sich der Verein bereiterklären, diese zu überarbeiten, soll das Grundstück ein Jahr lang für sie reserviert werden.
Vor zehn Jahren gegründet, könnte der Verein nun sein Ziel erreichen. Haselberger ist optimistisch: „Das kriegen wir mit der Stadt verhandelt.“









