„Frust ausgelassen“: Freiburger McDonald’s-Chef ist gegen Verpackungssteuer STADTGEPLAUDER | 12.02.2026 | Till Neumann
Kostet mit Verpackung mehr: Der Mc Donald's Burger
Mehr als 50 Prozent Preissteigerung: Dazu führt die Verpackungssteuer bei einem kleinen Kaffee in den McDonald’s-Filialen Freiburg. Thomas Sieberer, Freiburger Franchise Nehmer der McDonald´s Deutschland LLC, berichtet im Interview mit Till Neumann, warum er die neue Abgabe nicht gut findet.
chilli: Herr Sieberer, welche Auswirkung hat die Steuer auf Ihre Preise?
Sieberer: Sie führt zu deutlich höheren Preisen. So berechnen wir, wie von der Stadt empfohlen, die Verpackungssteuer transparent an unsere Gäste weiter und weisen dies auf dem Kassenbon aus. Es fallen 50 Cent zzgl. Mehrwertsteuer pro Verpackung extra an sowie 20 Cent zzgl. Mehrwertsteuer für Besteck und Trinkhalme.
chilli: Was heißt das konkret?
Sieberer: Für ein McSmart Menü, ein günstiges Angebot für den kleineren Geldbeutel, kommen 2 Euro zzgl. Mehrwertsteuer hinzu (zwei Burger + Pommes Frites + Getränk). Ein Preisaufschlag von über 30 Prozent. Für den kleinen Kaffee (1,50 Euro) zahlen die Gäste nun über 50 Prozent mehr (50 Cent + MwSt für den Becher + 20 Cent + MwSt für das Rührstäbchen).
chilli: Das ist viel.
Sieberer: Ja. Da geraten viele an die Grenze der Finanzierbarkeit. Gleiches gilt für die Pfandkosten von Mehrwegbehältnissen, die im Schnitt bei 2 Euro bis 5 Euro je Stück liegen. Auch diese Kosten müssen zunächst einmal vom Kunden getragen werden. Das ist nicht mehr verhältnismäßig. Es widerspricht dem versprochenen Bürokratieabbau und der dringend notwendigen Entlastung der Mitte.
chilli: Wie reagiert McDonald’s?
Sieberer: McDonald’s Deutschland hat als Reaktion auf die von der Bundesregierung beschlossene Mehrwertsteuersenkung seit 1. Januar die unverbindliche Preisempfehlung für besonders beliebte Menüs (u. a. das Happy Meal) spürbar gesenkt, um insbesondere Familien und Gäste mit kleinerem Budget zu entlasten. Auch ich habe das umgesetzt – wenn auch ohne wirklichen Nutzen für die Gäste.
chilli: Wie reagieren die Kund·innen?
Sieberer: Viele Gäste reagieren sehr sensibel auf weitere Preissteigerungen. So beobachte ich bereits Gäste- und Umsatzrückgänge. Das deckt sich mit dem, was ich von meinen Kollegen aus Konstanz und Tübingen höre (Verpackungssteuer in Kraft). Gleichzeitig wird der durchaus beachtliche Frust über die Steuer häufig an meinen Mitarbeitern ausgelassen. Sie müssen das abfedern, da sie Ansprechpartner vor Ort sind. Auf all die genannten Effekte hatten wir Gastronomen im Vorfeld hingewiesen – leider ohne, dass dies ausreichend Beachtung fand.
chilli: Was ist in Sachen Mehrweg geplant?
Sieberer: Wir haben ein eigenes Mehrwegsystem, das wir wie gewohnt anbieten. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir in Tübingen und Konstanz keinerlei Auswirkungen auf die Mehrwegquoten sehen. Der einzige Effekt sind Gästerückgänge.
Müllvermeider mit Murks-Faktor: die Verpackungssteuer in Freiburg










