Immer der Nase nach – Der Maroni-Mann Axel Schwendemann Land & Leute | 07.01.2026 | Jannis Jäger

Verkauft Maroni mit ansteckender Begeisterung: Axel Schwendemann an seinem Hutzelwägelchen auf dem Münstermarkt. Verkauft Maroni mit ansteckender Begeisterung: Axel Schwendemann an seinem Hutzelwägelchen auf dem Münstermarkt.

Für Generationen von Freiburgern ist der charmante kleine Maroni-Stand auf dem Freiburger Münstermarkt eine liebgewonnene Anlaufstelle. Die Leidenschaft seines Betreibers Axel Schwendemann alias Toni Maroni ist dafür ein entscheidender Grund.

Seit bald 25 Jahren steht sein Hutzelwägelchen von Mitte September bis Ende März fast täglich auf dem Freiburger Münstermarkt. Axel Schwendemann, besser bekannt als „Toni Maroni“, ist dort mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Schon auf der KaJo verrät der Duft von gerösteten Kastanien seine Anwesenheit. In einer großen Pfanne schwenkt er die Maronen, manchmal wirft er noch ein paar Schalen in die Glut. „Dann hat man noch mehr diesen Duft“, sagt er und schmunzelt. Es sei der Duft, der ihn „sichtbar“ macht, erzählt er. Es sei schon vorgekommen, dass er zwischen großen Marktständen versteckt gestanden habe. „Die Leute kamen trotzdem und sagten: ‚Wir haben Sie zuerst nicht finden können. Aber wir haben die Maroni gerochen.‘“

Er selbst ist der größte Fan des Produkts, das er verkauft: „Ich liebe Maroni. Ich esse jeden Tag welche“, sagt er. Die feinen Kastanien sind nicht nur lecker, sondern auch Nerven- und Gehirnnahrung, voller Proteine, Vitamin B und Aminosäuren. „Wenn ich irgendwann Maroni nicht mehr mögen sollte, dann hör ich auf“, erklärt er mit Nachdruck.

Nostalgie für alle

Die Preise sind auch beim Maroni-Mann in den letzten Jahren gestiegen. „Jetzt kosten sie vier Euro. Und mir ist bewusst, dass das für manche viel Geld ist“, sagt Schwendemann. Trotz des gestiegenen Preises pilgern die Leute weiter zu ihm. Freiburger Urgesteine oder Touristengruppen – sie alle suchen hier etwas, das selten geworden ist: ein kleines Ritual, das nach Kindheit schmeckt: Wer die heiße Tüte in den Händen hält, die erste ­heißte Kastanie vorsichtig von ihrer Schale befreit, taucht oft ein in Erinnerungen an vergangene Wintertage, als man mit Eltern oder Großeltern über den Markt schlenderte und vor dem dampfenden und qualmenden Wagen stand. Diese Erinnerungen wärmen oft mehr als die Maroni selbst.

Maroni

Seit Herbst 2001 steht Schwendemann nun schon auf dem Münsterplatz. Bekannt ist Toni Maroni neben seiner duftenden Ware auch für seinen besonderen Charme. „Ich spreche nach Möglichkeit die Leute in ihrer Landessprache an, wenn ich es erfasse“, erzählt Schwendemann. Kurdisch, Arabisch, Spanisch, Italienisch, Chinesisch, Japanisch und das immer im Wechsel. „Das nennt sich Maroni-Dictionary“, erzählt er mit verschmitztem Lächeln. „Ich habe so 25 Sprachen drauf und kann dann so eine Art Smalltalk machen.“ In China ist er zum Internet-Promi geworden, denn dort ging ein Video viral, das Schwendemann im Gespräch mit chinesischen Touristen zeigt – in ihrer Muttersprache.

Sein Wägelchen hat sich in all den Jahren nur wenig verändert, allerdings ein wenig Patina angesetzt. Etwas umgebaut hat er es, hier und da aufgehübscht und verbessert, aber es ist immer noch auf liebgewonnene Art hutzelig. „Der Wagen ist halt sehr alt, 60 Jahre, und das mögen die Leute. Die Waage ist 120 Jahre alt. Das gehört mit zum Charme“, sagt Schwendemann.

Kleine Abenteuer im Vorübergehen

Doch romantisch ist sein Job nur von außen betrachtet. Die Kälte, die vom Pflaster des Münsterplatzes aufsteigt, macht ihm beim langen Stehen schon mal zu schaffen. Das Maroni-Feuer brennt bei Wind und Wetter, ob Regen oder Eiseskälte. „Blitzeis hatten wir vor zwei Jahren mal“, erinnert sich Schwendemann. „Wir waren da, aber es war wie Schlittschuhlaufen.“ Trotzdem hält er durch. Weil es sich lohnt. Weil das Rösten am offenen Feuer für ihn etwas Ursprüngliches hat: „Da hat man eine Frucht, die wird gebraten, direkt auf dem heißen Feuer. Es brutzelt, es dampft, es riecht.“ Für die Kinder hebt er gern auch mal die Pfanne an, damit sie ins Feuer schauen können. Ein kleines Abenteuer im Vorübergehen. „Das Schönste an dem Job“ sagt er, „ist, dass man wahnsinnig vielen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubert.“

Fotos: © Axel Schwendemann