Stimmungsmacher – Thomas Schüler sorgt für den richtigen Ton Land & Leute | 10.09.2025 | Erika Weisser

Thoma Schüler am Cembalo Thomas Schüler am Cembalo nach Joseph Johannes Couchet.

Wenn bei den Bad Krozinger Schlosskonzerten die historischen Tasten­instrumente aus der Sammlung Neumeyer-Junghanns-Tracey zum Klingen ­gebracht werden, sorgt Kurator Thomas Schüler für den richtigen Ton der wertvollen Cembali, Hammerflügel, Spinette oder Clavichorde.

Spielbereit stehen die Instrumente im wohl­temperierten Salon mit dem glänzenden Versailles-­Parkett, den Fototapeten mit bukolischen Landschaftsmotiven und der kunstvoll gearbeiteten Stuckdecke. Im ehemaligen Festsaal des 1578/79 im Auftrag des damaligen Abts Caspar II. von St. Blasien als Amtshaus errichteten Renaissance-­Schlosses, das im 18. Jahrhundert im Rokoko-­Stil umgestaltet wurde, wirken die reich verzierten hölzernen Flügel und Tafelklaviere wie Teile des Mobiliars. Passend zu den bequemen, mit grünem Samt bezogenen Stühlen, die schon ordentlich für das nächste Konzert aufgereiht sind.

Die hierfür aus der etwa 60 Raritäten umfassen­den Sammlung ausgewählten Instrumente hat der Freiburger Instrumentenbauer Thomas Schüler in wochenlanger Feinarbeit vorbereitet. Sorg­fältig hat er etwa das schwarze Cembalo mit den weißen Intarsien gestimmt – immer wieder: Die teilweise mehr als 300 Jahre alten hochempfind­lichen Instrumente reagieren sofort auf jede kleine Temperaturschwankung und auf alle anderen Einflüsse. Das mache wiederholtes Nachstimmen unumgänglich. Zuweilen müsse er sogar in den Konzertpausen nachstimmen, sagt der 64-Jährige, der bei jeder Aufführung nicht nur aus Gründen des authentischen Musikgenusses aufmerksam zuhört.

Dass er dafür nicht nur ein fein ausgebildetes Gehör, sondern auch hochsensible Hände braucht, versteht sich von selbst: Bei zu festem Zugriff während der Bearbeitung oder des Spiels könnten die aus Naturmaterialien bestehenden und oft ganz winzigen Einzelteile leicht beschädigt werden. Wenn es indessen zu Schäden kommt, kann er für Abhilfe sorgen. Als gelernter Instrumentenbauer weiß er, welche Puzzleteile wie ersetzt und angefertigt werden müssen, um den originalen Klang wieder herzustellen. So habe er etwa einen Hammerflügel, in dem sich unbemerkt eine Maus mit einer Vorliebe für eine bestimmte Holz- oder Ledersorte eingenistet hatte, in akribischer Kleinarbeit wieder restauriert, erinnert er sich lachend.

Weltpremiere eines Clavichords

Diese Arbeit kennt Schüler seit Kindheitstagen: Sein Vater betrieb eine große Cembalobauer-Werkstatt in Umkirch; dort hat er erste Erfahrungen gesammelt. Nach seinem Kontrabass-Studium an der Musikhochschule Freiburg richtete er dann selbst eine kleine Werkstatt in Freiburg ein. Dort baut er auf Bestellung drei bis vier Instrumente im Jahr. Gerade fertig hat er ein Clavichord, das während der Clavichord-Tage (12.–14.09.) in Bad Krozingen Weltpremiere feiert. Fertig ist auch der Nachbau eines wunderschön bemalten Virginals, das zu der Bad Krozinger Sammlung gehört, die er seit 2020 betreut. Dieses Kielcembalo wurde im 17. Jahrhundert in der Schweiz gefertigt und 1979 von John Koster restauriert. Der US-amerikanische Instrumenten­bauer hat 1983 auch das oben erwähnte schwarze Cembalo nachgebaut – originalgetreu nach dem von Joseph Johannes im Jahr 1680 in Antwerpen geschaffenen Instrument, das Schüler sehr bewundert.

Doppelvirginal

Ein Doppelvirginal nach Hans Ruckers, Antwerpen 1591

Info

www.schlosskonzerte-badkrozingen.de

Fotos: © Erika Weisser, Schlosskonzerte Bad Krozingen