Foul vor dem Anpfiff: Rathaus verhindert Public Viewing auf dem EHC-Parkplatz Sport | 25.04.2018 | Philip Thomas

In Freiburg wird es zur Fußball-WM kein Public Viewing unter freiem Himmel geben. Zwar stand ein Veranstalter bereit und eine Location war ausgelotet, das Rathaus grätschte jedoch dazwischen und ließ den Vorstoß ins Abseits laufen. Eine plausible Erklärung lieferte es nicht.

Nun zeigt die Spiele im Sommer lieber die eigene Stadttochter Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM). Unter dem Dach der Messe. Zoff zwischen dem Ordnungsamt und Veranstaltern ist in Freiburg nichts Neues, erreicht zur WM aber nun wieder neue Höhen.

 Schuld ist die Stadtverwaltung, sagt Christoph Römmler, ­Geschäftsführer von Karo-Events. Er hätte die Open-Air-Veranstaltung mit der CDS Sicherheitsdienste GmbH gerne auf dem VIP-Parkplatz beim EHC-Stadion ausgerichtet. Dort sei die „Infrastruktur ideal“, Sondierungen mit EHC Freiburg und dem städtischen Baurechtsamt seien positiv verlaufen: „Sonst hätten wir uns die Arbeit ja nicht gemacht.“

„Die Unterschiede zu 2014 und 2016 sind extrem“, sagt er und denkt an die Übertragungen mit jeweils 13.500 Besuchern im Eschholzpark und an der Bahnhofsachse zu Anstoßzeiten bis 22 Uhr. Damals konnten sich Veranstalter noch mit einer nach der Freiburger Festekrise eigens eingerichteten Sonderstelle außerhalb des Amtes für öffentliche Ordnung (AfÖ) austauschen. „Da wurden Lösungen für Probleme gefunden“, erinnert sich der 46-Jährige. Mittlerweile wurde die ­Stelle aber ohne jedes Aufheben vom Amt wieder geschluckt.

Otto Neideck, damals noch Erster Bürgermeister, gab auf Anfrage der Freien Wähler an, dass der Posten „ohne Verluste“ im Amt weitergeführt würde. Römmler bezweifelt das: „Ich habe keine Ahnung, ob dort überhaupt noch jemand am Schreibtisch sitzt.“ Auch andere Veranstalter, die öffentlich nicht genannt werden wollen, kritisieren gegenüber dem chilli, dass die lange gut funktionierende Zusammenarbeit mit der Stabsstelle nun wieder deutlich schlechter laufe.

Aus der Pressestelle im Rathaus heißt es, dass man mit Römmler laufenden Kontakt gehabt habe. Römmler weiß von einzelnen E-Mails und Telefonaten, einen runden Tisch oder Gespräche auf Augenhöhe hätte es aber nicht gegeben, bloß Absagen: „Bis heute wurde uns nicht begründet, warum der Platz nicht veranstaltungstauglich ist.“

Dabei gibt es während der WM wieder Ausnahmeregelungen für die sonst so strengen deutschen Lärmgesetze. Dadurch sind Jubelschreie auch nach 22 Uhr erlaubt. Nur: Der Stadtspitze ist dieser Punkt offenbar egal. Freiburg spielt den Doppelpass mit Berlin nicht zurück, begründet die Ablehnung völlig unabhängig von gelockerten Vorschriften, verweist dafür auf das ohnehin schon belastete Wohngebiet neben der Eishalle. Tatsächlich klagt der Bürgerverein Mooswald seit Jahren über Lärm, Vandalismus und die Verkehrssituation durch den Eishockeybetrieb. „Wir sind froh, dass die Veranstaltung nicht stattfindet“, sagt der Vorsitzende Ernst Lavori. Römmler und CDS wollten nur die deutschen Spiele zeigen, also maximal sieben in vier Wochen. Und um den Anwohnern noch weiter entgegenzukommen, hatte er bereits Moderation und Musik gestrichen. Römmler vermutet, dass man sich bei der Stadt für das Sportereignis des Jahres einfach keine Arbeit machen wollte. Eine Genehmigung für den Schlossplatz in Emmendingen zu bekommen, war für ihn indes kein Problem: „Soweit ich weiß, gibt es dort die gleichen Anstoßzeiten.“

Bei der FWTM spricht man von der üblich engen Zusammenarbeit mit der Stadt und wirbt derweil mit der Stadionatmosphäre der Halle. Die Papiere dazu seien Anfang März beim Amt vorgelegt worden, nachdem der erste Antrag von Karo-Events im Januar mit drei Zeilen abgelehnt wurde.

Reiberein zwischen Veranstaltern und dem AfÖ liegen in der Natur der Sache. Die Behörde unter Führung von Walter Rubsamen steht immer wieder in der Kritik. Unlängst sagte Oberbürgermeister Dieter Salomon auf einer Wahlkampfveranstaltung in Anspielung auf die baldige Pensionierung des 62-Jährigen sogar: „Das Problem ist endlich.“ Ein Veranstalter kontert: „Aussitzen ist ja ein bekannter ­Politikstil.“

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