Feminismus, Schwarzlicht und ein Mittelfinger: My Ugly Clementine im Jazzhaus 4Event | 22.02.2024 | Pascal Lienhard

My Ugly Clementine im Jazzhaus Eingänge Melodien und beeindruckendes Handwerk: Mira Lu Kovacs von My Ugly Clementine

Am Ende bleibt unklar, wer begeisterter ist: Das Publikum von der Band oder die Band vom Publikum. Die Wiener Formation My Ugly Clementine hat am Dienstag ein umjubeltes Konzert im Freiburger Jazzhaus gegeben. Eingänge Indie-Melodien mischten sich mit beeindruckendem musikalischen Handwerk, klare Ansagen mit humorvollen Einschüben.

Sie sind eine der österreichischen Bands der Stunde. Seit Anfang 2019 haben My Ugly Clementine für viel Furore gesorgt. Die vier Gründungsmitglieder waren durch mehrere Projekte schon vor der Bandgründung in der Wiener Szene einschlägig bekannt. Der erste Auftritt im Rhiz war innerhalb eines Tages ausverkauft – damals hatte das Quartett noch nicht mal eine Single veröffentlicht. Nachdem Kem Kolleritsch am Schlagzeug – wohl aufgrund von Unstimmigkeiten – ausgestiegen ist, ist die Band 2022 zum Trio geschrumpft.

My Ugly Clementine im Jazzhaus

Klare Ansagen und humorvolle Einschübe: Sophie Lindinger (l.) und Nastasja Ronck

Im Jazzhaus starten die Clementines mit einer atmosphärischen A-Cappella-Version von „The Adviser“ vom aktuellen Album „The Good Life“. Schon da wird deutlich, dass das Trio keine durchschnittliche Indie-Band ist. Die Stimmen von Sophie Lindinger, Mira Lu Kovacs und Nastasja Ronck harmonieren bestens. Und auch optisch hat sich die Band was einfallen lassen: Die Musikerinnen und ihr Drummer arbeiten mit Schwarzlicht. Die Instrumente, das Outfit und die Gesichter der Künstler*innen leuchten in grellen Farben.

Das Publikum ist studentisch geprägt – mit einigen Alterausschlägen nach oben. Schon nach den ersten Songs zeigt sich die Band ernsthaft überrascht von der super Stimmung im Jazzhaus: Es wird getanzt, mitgegrölt, laut gejubelt. In einem Instagram-Post bezeichnen die Frauen Freiburg später – noch immer sichtlich euphorisiert – als Perle.

My Ugly Clementine im Jazzhaus

Bald zurück? Die Clemetines sind vom Freiburger Publikum begeistert.

Die musikalische Klasse der Band lässt sich nicht bestreiten. Vor allem Gitarristin Ronck legt eindrucksvolle Soli aufs Parkett, Kollegin Kovacs überrascht Kenner*innen mit einer ungewöhnlichen Weise, die E-Gitarre ohne Plektrum zu spielen. Aber auch wer sich nicht für die Technik hinter den Songs interessiert, wird nicht enttäuscht: Songs wie die eingängige Debüt-Single „Never be yours“, das bestens zum Mitgrölen geeignete „Feet Up“ oder das hymnisch-rumpelnde „The Good the Bad the Ugly“ sorgen für beste Stimmung.

Zusätzlich zu den Songs der neuen Platte und des Debüts „Vitamin C“ hat die Kombo zwei Cover im Gepäck. Neben der Natasha-Bedingfield-Nummer „Unwritten“ wird vor allem „What’s Up?“ von den 4 Non Blondes zum Gänsehautmoment.

Viele Tracks des Trios sind nicht so ausgelassen, wie man zunächst meinen könnte: In „Playground“ geht’s mit Zeilen wie „Just because I have smaller hands, doesn’t mean I can’t do what my male friends can“ um Themen wie Sexismus und Patriarchat. Gegen Ende der Show adressiert Ronck einen Mittelfinger in Richtung Rammstein – den das Publikum mit lautem Applaus goutiert.

In einer der launigen Ansagen kommt auch die Idee einer eigenen Clementines-Residence-Show in Freiburg auf. Das wäre wahrscheinlich zu viel des sehr Guten. Aber über eine baldige Rückkehr der Wienerinnen dürften sich einige Fans im Breisgau freuen.

Fotos: © Pascal Lienhard