Der junge Freiburger 8 Grad Verlag: besondere Bücher 4Literatur & Kolumnen | 29.07.2023 | Erika Weisser

Matthias Grüb

Derzeit haben die Mitarbeiter des vor zwei Jahren gegründeten kleinen Freiburger Verlags 8 Grad alle Hände voll zu tun: Sechs Bücher für das Herbstprogramm sollen im September erscheinen. Dazu kommen noch ein Adventskalender sowie der Kulturkalender Baden und Württemberg 2024. Der ist sogar schon ab dem 1. August zu haben.

„Zehn bis zwölf Titel im Jahr zu verlegen“, sagt Verlagsgründer und -leiter Matthias Grüb, habe sich das Team aus drei fest angestellten und doppelt so vielen freien Mitarbeiter·innen zum Ziel gesetzt. Und bisher, fügt er hinzu, hätten sie dieses Ziel auch erreicht: Nach dem Start- sortiment im Herbst 2022 mit zwei Sachbüchern, zwei Romanen, einer literarischen Landschaftsbetrachtung und den besagten Kalendern kamen im Frühjahr 2023 zwei weitere Sachbücher, ein Roman und eine anekdotenreiche Wertschätzung des „Schwabenmetropöleles“ Stuttgart sowie eine ausgesprochen buchkunstvoll aufgemachte Neuausgabe von Wilhelm Hauffs Schwarzwälder Märchen „Das kalte Herz“ auf den Markt.

Buchcover: Das kalte Herz

Das kalte Herz
von Wilhelm Hauff
Mit Illustrationen von Christian Sobeck
Verlag: 8 grad verlag
102 Seiten, gebunden,
Preis: 24 Euro

 

 

Was die Produktionen des im Freiburger Stadtteil Herdern angesiedelten Verlags bei aller Unterschiedlichkeit verbindet: Sie alle haben einen Bezug zu der Region, durch die sich der achte Grad östlicher Länge zieht. Daher der zunächst rätselhaft anmutende und dann durchaus einleuchtende Name des kleinen Unternehmens, das der 51-jährige habilitierte Augenheilkundler zweitberuflich führt.

Der gebürtige Schwabe, der seit knapp 20 Jahren „aus Überzeugung“ in der Region Freiburg lebt und eine eigene Praxis betreibt, bringt so nicht nur seine persönliche Vergangenheit und Gegenwart zusammen. Er will zudem auch die Gemeinsamkeiten der beiden Bestandteile des von ihm so geschätzten Südweststaats deutlich machen.

Deshalb kommt nach Hauff nun eine ebenso bibliophile Version von Eduard Mörikes „Stuttgarter Hutzelmännlein“ in den Handel. Und deshalb folgt auf das vor einem Jahr unter dem Titel „Schreiben in Zeiten des Kriegs“ erschienene Porträt der sozialdemokratischen Stuttgarter Frauenrechtlerin Anna Haag nun eine Biografie der Freiburgerin Lotte Paepcke.

Buchcover: Lotte Paepcke in Baden

Lotte Paepcke in Baden
von Gisela Hack-Molitor
Verlag: 8 grad verlag
160 Seiten, gebunden
Preis: 24 Euro

 

 

 

„Fremd im Wirtschaftswunderland“ heißt das Buch über die Autorin und Journalistin, die als Tochter einer jüdischen Familie die letzten Jahre der Nazizeit im Versteck im Kolleg in Stegen überlebte. Solche Bücher, findet Matthias Grüb, der „schon als Kind irrsinnig literaturliebend“ war, gerade in heutigen Zeiten „sehr wichtig“.

Auf die Frage, ob es nicht ein mutiger Schritt war, in eben diesen Zeiten einen solch speziellen Verlag aufzumachen, zitiert er Schiller: „Wer nichts waget, der darf nichts hoffen.“ Die Bilanz des ersten Jahres zeige, dass „die Geschichten, die wir sammeln und auf den Markt bringen, ihre Leser·innen durchaus finden“. Eine davon, Claudia Kowalds Roman „Menschenkette“,
steht auf der Shortlist für den Anna-Haag-Literaturpreis für Baden-Württemberg. Mattias Grüb darf also hoffen.

Buchcover: Menschenkette

Menschenkette
von Cäcilie Kowald
Verlag: 8 grad verlag
296 Seiten, gebunden
Preis: 24 Euro

 

 

 

Foto: © ewei