Heimspiel – Karriere mit Umwegen 4Literatur & Kolumnen | 22.10.2026 | Erika Weisser
Ismael Hares fiebert dem 29. Oktober entgegen: An diesem Tag wird in München der Mut Maker Award 2026 verliehen. 500 Bewerbungen sind insgesamt für den Mut Maker Award nominiert worden. Drei sind in der Endrunde noch übrig: Der Freiburger Unternehmer, Musiker und SPD-Stadtrat ist dabei.
„Ich fände es schon prima, wenn ich gewinnen würde. Ich hab‘ ja noch nie etwas gewonnen, nicht einmal bei einer Tombola. Aber im Ernst: Es ist großartig, überhaupt in die Finalrunde gekommen zu sein, da kommt es gar nicht mehr darauf an, ob ich nun eine Plakette mit nach Hause nehme. Es ist für mich ein Mysterium, wer mich vorgeschlagen hat für diesen Empowerment-Preis. Doch ich bin diesem oder diesen Menschen schon jetzt dankbar. Und ich freue mich auf die anderen Mut Makers, bin gespannt auf ihre Lebensgeschichten.
Um diese geht es ja bei dem Award, mit dem laut Pressemitteilung‚ mutige Persönlichkeiten ausgezeichnet werden, die durch ihr Handeln andere inspirieren und zur Gestaltung einer starken Wirtschaft und Gesellschaft beitragen‘. Ob ich mutig bin, kann ich selbst nicht beurteilen. Mutig sind aber auf jeden Fall meine Eltern, besonders meine Mutter. 1979, kurz vor dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan, hat die damals blutjunge Frau mit großer Beharrlichkeit durchgesetzt, dass sie mit mir zu meinem Vater ausreisen konnte, der zu dem Zeitpunkt als Lehrer-Stipendiat in Osnabrück lebte.
Wir flüchteten in einem der letzten Flieger aus Kabul, da war ich noch kein Jahr alt. Meine Eltern stellten Asylantrag und wurden bald anerkannt. Für ihre akademischen Berufe galt dies jedoch nicht. Um die Familie über Wasser zu halten und mir und meinen jüngeren Brüdern eine gute Ausbildung zu ermöglichen, arbeiteten sie deshalb anfangs als Putzpersonal im Dreischichtdienst. Später in Freiburg gründeten sie einen Spezialitäten-Imbiss, den sie heute noch betreiben.
Ihnen verdanke ich alles, was ich heute bin. Sie haben mir als seit Geburt mehrfach schwerbehindertem Kind enormes Selbstbewusstsein und Durchhaltewillen mitgegeben, sie zogen wegen mir nach Freiburg, weil ich hier an der Uniklinik die besten Behandlungsaussichten hatte. Und sie haben alles dafür getan, dass ich in die gleichen Kindergärten und Schulen gehen konnte, die gleichen Bildungschancen hatte wie meine Brüder.
Ich habe nach dem Abi am Kepler ein BWL-Studium angefangen, aus Krankheitsgründen musste ich es aber unterbrechen. Ich habe es nicht wieder aufgenommen und nicht abgeschlossen, das blutet immer noch in mir. Auch wenn ich auf anderem Weg eine gute berufliche Karriere gemacht habe. Ich habe zunächst bei Haufe im Callcenter gearbeitet, hab‘ mich dann in die IT-Branche eingearbeitet und schließlich als Vertriebler selbstständig gemacht. Dabei war ich offenbar so erfolgreich, dass mir ein international tätiges Schweizer IT-Unternehmen eine Stelle als Vertriebsleiter anbot. Seit 2022 arbeite ich dort, vor einem Jahr wurde ich als Chief Revenue Officer ins Management der Firma berufen.
Ich wohne aber weiter in Freiburg, ich habe hier meine Familie und eine kleine Tochter. Außerdem bin ich seit drei Jahren und sehr gerne für die SPD im Freiburger Gemeinderat. Dieses Ehrenamt ist mir sehr wichtig. Denn da kann ich gemäß meiner Überzeugungen soziale, integrative und inklusive Politik mitgestalten, die nah an den Menschen ist und niemanden ausgrenzt.“
Foto: © privat









