Würfeln statt scrollen – Eine Runde zocken im Freiburger Spielecafé „Freispiel“ Kultur & Medien | 14.03.2026 | Ida von Dreden 

An einem kalten Tag wie heute füllen sich die Tische im „Freispiel“ an der Lehener Straße besonders schnell. Es wird gewürfelt, diskutiert und gelacht. Es ist ein Freitag Ende November, an dem sich vier Freund*innen zum Spielenachmittag treffen. Ida von Dreden hat sich fürs f79-Magazin dazugesellt.

Über 1000 Spiele stapeln sich an den Wänden. Sortiert sind sie nach Gruppengröße und Art des Spiels. So gibt es beispielsweise in den grünen Regalen kooperative Spiele, während in den gelben Regalen vor allem Familien mit Kindern fündig werden. Wer bei dieser Auswahl nicht weiß, wo er anfangen soll, kann sich an einen der „Erklärbären“ – also eine*n Mitarbeiter*in – wenden. Orientierung bietet außerdem die hauseigene „Kurzanleitung“ zu Beginn der Getränke- und Speisekarte. Sie erklärt den Ablauf eines Besuchs. Bei der „Punkteauswertung“ am Ende werden dann Getränke, Snacks und je angefangener Stunde 2,50 Euro abgerechnet. Doch bevor abgerechnet wird, geht es erst mal ans Spielen.

Leitet das beliebte „Freispiel“ in Freiburg: Spiele-Crack Florian Högner

Zum Reinkommen spielen wir „Code­names“. Ein kurzes Spiel, das alle am Tisch kennen und bei dem fleißig gerätselt wird. Etwas lauter und chaotischer wird es beim nächsten Spiel, das uns einer der Erklärbären empfiehlt. „Poesie für Neanderthaler“ funktioniert ähnlich wie „Tabu“, nur dass ausschließlich einsilbige Wörter und Laute beim Beschreiben der Begriffe benutzt werden dürfen. Wer sich vertut, wird mit einer großen Plastikkeule bestraft.

Die Kälte von draußen ist schnell vergessen, ebenso wie der Impuls, aufs Handy zu schauen. Das bemerkt auch Inhaber Florian Högner bei seinen Kund*innen: „Gerade in den letzten Jahren wollen die Leute wieder mehr weg vom Bildschirm“, sagt er. Auch Online-Spiele würden das Gemeinsam-am-Tisch-Sitzen und Brettspiele spielen nicht ersetzen.

Generell suchen vor allem junge Menschen momentan wieder gezielt nach Freizeitbeschäftigungen abseits von sozialen Medien. Unter Hashtags wie „analog“ oder „socialmedia­detox“ häufen sich auf Instagram Millionen von Beiträgen, die Hobbys wie Sudoku, Stricken oder eben auch Spielen bewerben. Das passt zur Kundschaft im „Freispiel“: Die meisten Besucher*innen hier sind Studierende und junge Familien zwischen 20 und 40 Jahren.

Zurück zum Spielenachmittag: Als Drittes und Letztes spielen wir „Las Vegas“. Hier geht es ums Würfeln, um Glück und am Ende darum, wer das meiste Spielgeld gewonnen hat. Spätestens jetzt wird es an unserem Tisch kompetitiv. Würfel fliegen über den Tisch, es wird geflucht, aber dann auch wieder gelacht.

An den anderen Tischen geht es ähnlich zu. Neben uns spielt eine Familie mit zwei jungen Kindern, die jedes Mal jubeln, sobald es Punkte zu holen gibt. Gegenüber bekommt eine Dreiergruppe gerade ein Kooperationsspiel erklärt und daneben sind einige Senior*innen mit einem Kartenspiel zugange.

Die meisten bleiben hier laut Inhaber Högner für zwei bis vier Stunden. Ab und zu gäbe es aber auch Kund*innen, die ganze Tage im Freispiel verbringen. Für unsere Gruppe geht es nach rund drei Spielen und drei Stunden wieder raus in die Kälte. Unser Tisch bleibt nicht lange unbesetzt: Ab spätem Nachmittag ist es hier meistens voll – insbesondere gegen Ende der Woche. Wer also Lust hat, hier einen Spielenachmittag oder -abend zu verbringen, sollte schon einige Tage vorher anrufen und reservieren.

3 Spieletipps vom „Freispiel“-Team

1. „La Cuenta“: schnelles Kartenspiel, bei dem alle Spieler*innen versuchen, dem Bezahlen einer Tapas-Rechnung auszuweichen

2. „La Bête“: semikooperatives Brettspiel, wobei ein Spieler eine geheimnisvolle Bestie spielt, die von den anderen gejagt wird

3. „Next“: kurzes kooperatives Wortspiel mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden

Fotos: © Ida von Dreden, Till Neumann