Proben in Modulen: Rathaus setzt auf mobile Musikräume Musik | 15.07.2023 | Till Neumann
Proberäume: Solche Module sollen beim Eschholzpark aufgestellt werden.
Das Ringen um Proberäume geht weiter: Nach den gescheiterten Plänen für eine Musikzentrale am Güterbahnhof ist nun auch das Kellermusiklabor KA52 Geschichte. Nach monatelanger Prüfung und Stillschweigen hat das Rathaus einen Vorschlag für einen Modulstandort beim Eschholzpark vorgelegt. Eine endgültige Lösung gibt’s weiterhin nicht. Der Verein Multicore sieht Licht und Schatten.
„Zeitnahe pragmatische Lösung“
Im Herbst 2021 hätte das unterirdische Proberaumzentrum KA52 öffnen sollen. Rund eineinhalb Jahre später ist klar: Daraus wird nichts. Die Kosten sind weit über die geplanten 1,1 Millionen Euro gestiegen, und nun hat die Besitzerin den Nutzungsvertrag mit dem Rathaus wegen Eigenbedarfs gekündigt.
Parallel dazu legt die Stadtverwaltung nach mehr als einem halben Jahr Suche für einen Modul-Proberaum-Standort die Karten auf den Tisch. Geprüft wurden, so heißt es in einer Beschlussvorlage für den Haupt- und Finanzausschuss des Gemeinderats, die Asphaltfläche vor der Stadthalle und die Stadthalle selbst, die Wendeschleife Möslestraße, die Parkplatzfläche am Bahnhof Littenweiler, die Wendeschleife Endhaltestelle Vauban, das D4-Gebäude auf dem Güterbahnhofareal, eine Wiesenfläche Im Zinklern, eine andere beim Kunstwerk „Bandstand“ im Rieselfeld und eine Wiese an der Edith-Stein-Schule beim Eschholzpark. Nur die sei tauglich für eine „zeitnahe pragmatische Lösung“. Dort könnten sechs Doppelmodule mit einer Fläche von 216 Quadratmetern platziert werden. Dazu ein eingeschossiges Einzelmodul mit 18 Quadratmetern für einen Proberaum, ein Lager oder ein Büro.
Dauerlösung in Haslach?
Langfristig müssten die Module jedoch umziehen, da der Ort baurechtlich nur eine befristete Genehmigung zulässt. Als dauerhafte Fläche ist daher die Schönauer Straße 3 in Haslach anvisiert. Sie dient aktuell als stadteigenes Zentrum für den Katastrophenschutz. Eine Nutzung bedürfe aber noch einer „umfangreichen Prüfung“. Zudem stünde sie nicht vor 2026 zur Verfügung: „Eine Inbetriebnahme von Modulen auf dem Gelände der Schönauer Straße 3 wäre somit sicher nicht vor 2027/2028 zu erwarten.“
Das Rathaus möchte, dass die Module ab Mitte 2024 in Betrieb gehen. Für Bands heißt das: Eine kurzfristige Alternative ist in Sicht. Eine langfristige Lösung nicht.
„Keinen Schritt weiter“

Markus Schillberg vom Verein Multicore
Für die Musikerinitiative Multicore ist die temporäre Lösung an der Edith-Stein-Schule begrüßenswert. „Der Standort ist gut gewählt“, sagt Markus Schillberg von Multicore. Er findet ihn gut erreichbar, zentral und konfliktarm. Schillberg gibt jedoch zu bedenken: „Die neuen Räume können nur das notwendigste an Raumbedarf flicken, was mit dem Wegfall des L6 in 2024 ansteht.“ Es werde nicht ein Quadratmeter realisiert als seitens der Verwaltung zum jetzigen Zeitpunkt für zwangsläufig notwendig erachtet werde. „Das ist schade, man ist so gesehen keinen Schritt weiter als zuvor“, sagt Schillberg.
Versorgungslücke befürchtet
Multicore setzt sich seit Jahren für mehr Proberäume ein. Dass die Musikschule die Module mitnutzen könnte, finden die Vertreter·innen „nicht realisierbar“. „Die Proberäume sind die künstlerischen Wohnzimmer, musikalischen Ateliers der Bands und Musiker·innen – diese für einen Unterricht durch die Musikschule ebenfalls zur Verfügung zu stellen, kann weder im Sinne der Bands noch der Musikschule sein.“ Zudem befürchtet er, dass „angesichts der Trägheit von Beschlussfassung im Gemeinderat und baurechtlicher Genehmigungsverfahren eine Versorgungslücke zwischen Schließung des L6 und Inbetriebnahme der Container unweigerlich kommen wird.
Foto: © Meom
Unendliche Geschichte: Seit Jahren warten Bands auf eine Lösung für den Proberaum-Mangel










