»Skier bauen ist wie Lasagne machen« – Ein Werkstattbesuch bei Valhalla Ski in Freiburg business im Breisgau | 25.03.2025 | David Pister
Frederic Andes baut Powder-Latten im Stühlinger.
Frederic Andes produziert Skier und Snowboards in Freiburg – in Handarbeit und nachhaltig. Die Bretter sind vor allem für den Tiefschnee entworfen. Sie sind zum Teil aus Holz und sollen lange halten. Wie Andes sein Hobby zum Beruf gemacht hat und warum er im Sommer manchmal schlecht schläft.
Mitten im Stühlinger – zwischen Theater und Bio-Wurst – presst, sägt, schleift, laminiert und wachst Frederic Andes. Der Gründer und Geschäftsführer von Valhalla Ski stellt in seiner Werkstatt Skier und Snowboards her. Schon als Kind packte ihn die Begeisterung. „Ich war noch ein kleiner Fuzzi, als ich wegen meines Hustens nach Davos in die Höhenklinik sollte. Ich hab’ meine Eltern dann so lange genervt, bis ich Ski fahren durfte“, erzählt der 41-Jährige. Sein Vater, ein passionierter Märklin-Eisenbahn-Sammler, finanzierte die folgenden Ski-Trips nach Davos durch den Verkauf seiner Modellbahnen.
Der aus Kaiserslautern stammende Andes zog zum Studium nach Freiburg. Die Berge lockten ihn. Aus Spaß und in der Werkstatt eines Kumpels baute sich Andes vor fast 20 Jahren sein erstes Paar Ski – die seien „ein bisschen hingekotzt“ gewesen. Über amerikanische Internet-Plattformen eignete sich Andes an, wie ein Ski eigentlich produziert wird. Am Anfang profitierte davon vor allem sein Freundeskreis. Aus Leidenschaft wurde ein Hobby – aus einem Hobby ein Nebengewerbe. Seit sechs Jahren produziert Andes Skier und Snowboards hauptberuflich. Zwei Mini-Jobber arbeiten für ihn. „Bei der Geburt meines ersten Sohnes war klar: Entweder ich lasse es oder ich gehe all-in.“
Andes setzt auf Nachhaltigkeit und Handarbeit. Ob Skipresse, Schleifgerät oder Ski-Service-Maschine – viele seiner Geräte sind selbst gebaut oder haben einen persönlichen Touch. Der Strom komme vom Dach, bei den Materialien achte er auf nachwachsende Rohstoffe. „Ein Ski ist kein nachhaltiges Produkt. Aber in diesem Segment gibt es nichts, was nachhaltiger wäre“, sagt er.
Ski und Snowboards herzustellen, sei wie eine Lasagne zu machen. „Viele einzelne Schichten und Epoxy als Béchamelsauce dazwischen“, sagt der Autodidakt. Durch den Kern aus Holz bleibe der Ski leicht, was beim Tourengehen von Vorteil sei. Die Skibase, der Teil, der auf dem Schnee liegt, und die Kanten macht Andes extra dick. Dadurch würden die Bretter länger halten. „Die Dinger sind für die Ewigkeit. Industriell bekommt man das nicht hin“, so Andes. Und wenn der Ski für die Ewigkeit doch mal kaputt geht? „Ich kann fast alles reparieren, ich habe sogar einen gebrochenen Ski zum Leben erweckt.“
Wer seine Bretter kauft, steht auf Powder, auf Abseits-der-Piste-Spaß-Haben. Seine Kunden kommen zu 80 Prozent aus Freiburg und dem Schwarzwald, aber auch aus Österreich, Kanada oder der Schweiz. Seine Produkte sind im höheren Preissegment: Skier kosten um die 900 Euro – Snowboards liegen bei 790 bis 1050 Euro.
Im vergangenen Jahr hat Andes 40 bis 50 Bretter verkauft. Hauptsächlich Splitboards. Ein Snowboard, das man in der Mitte teilen kann und zum Hochgehen wie Tourenski verwendet. Oben angekommen, wird das Brett wieder ineinandergesteckt. Dieses Jahr rechnet er mit 50 bis 60 verkauften Brettern. „Wir wachsen, aber das Sommerloch ist ein böser Endgegner. Im Sommer bin ich oft kurz vor dem Herzinfarkt, weil es knapp wird“, sagt Andes. Um nicht zu verzweifeln, hat der Skibauer eine Bratwurstbude übernommen, die er bald öffnen will. Dann schläft es sich im Sommer besser.










