Dem wilden Hugo auf der Spur – Ritterpfad Scharfenstein bei Münstertal Erkunden & erleben | 02.11.2026 | Marianne Ambs
Kurve um Kurve geht es von Münstertal hinauf Richtung Wiedener Eck. Auf halber Strecke liegt der Wanderparkplatz Scharfenstein. Von hier führt der Ritterpfad hinein in den wilden Bergwald, hinauf zur Burgruine und über moosbedeckte Pfade weiter zu einem plätschernden Wasserfall. Eine abwechslungsreiche Wanderung im herbstlichen Obermünstertal – schöne Fernsichten inbegriffen.
Markante Burgruinen locken in der REGIO diesseits und jenseits des Rheins Wanderer an. Doch abseits von Kastelburg, Burg Staufen und der Hochkönigsburg im Elsass gibt es unzählige wenig bekannte Ruinen und Burgstellen. Allein im südlichen Breisgau werden 400 bis 500 vermutet. Von vielen sind kaum Überreste oder schriftliche Zeugnisse erhalten. Auch von der Mitte des 14. Jahrhunderts zerstörten Burg Scharfenstein im oberen Münstertal ist nicht mehr viel übrig. Hier hat das Team der Ferienregion Münstertal-Staufen mithilfe der Förderung durch den Naturpark Südschwarzwald den Ritterpfad hinauf zur Burgruine ausgewiesen. Er gehört zu einem Themenpfadprojekt der Ferienregion, das versteckte Burgen durch Bergpfade erschließt und mit historischen Informationen der Archäologie-Werkstatt Freiburg zugänglich macht.
Felsenriesen, Blockschutthalden, malerische Bergpfade und eine romantische Schlucht mit kleinen Wasserfällen prägen den Rundweg. Start und Ziel ist der Wanderparkplatz Scharfenstein unterhalb des markanten Felsmassivs. Wasser und Proviant gehören ins Gepäck: Auch wenn der Rundweg mit etwa fünf Kilometern nicht allzu lang ist – unterwegs gibt es keine Möglichkeit zur Einkehr. Am Parkplatz informiert eine Wandertafel über die Entstehung des scharfkantigen Gesteins aus Quarzporphyr, ein Relikt des frühen Vulkanismus vor 300 Millionen Jahren, sowie über den Rundweg. Der Ritterpfad kann mit trittsicheren Kindern gut begangen werden, ist wegen der vielen schmalen Pfade aber für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer nicht geeignet.
Auf Herbstlaub durch den Bergwald

Auf Schotterwegen geht es zunächst entlang des Glashofbaches bergauf – immer der Beschilderung nach. Der Bach bekam seinen Namen von zwei Glasbläsereien, die hier im 16. Jahrhundert ansässig waren. Nach knapp einem Kilometer biegt der Ritterpfad an einer Feuchtwiese unvermittelt nach links in den Bergwald ab. Hier ist Vorsicht angesagt: Die Abzweigung ist mit der blauen Raute gekennzeichnet, aber nicht mit dem Ritterpfad-Schild und deshalb leicht zu übersehen. Buchen, Bergahorn und Tannen säumen den schmalen Pfad. Bald taucht die Beschilderung wieder auf und eine Ruhebank lädt zu einer kurzen Rast ein. Im Sommer muss es hier schön schattig sein, im Spätherbst bedecken buntes Laub und eine weiche Blätterdecke den Waldboden. Bei Nässe kann es hier ganz schön rutschig werden, gutes Schuhwerk ist deshalb zu empfehlen. Es geht stetig bergauf vorbei an bewaldeten, mit Blockschutthalden durchzogenen Steilhängen, knorrigen Baumstämmen und bemoosten Findlingen unterhalb des Rehfelsens. Hier ist es fast wie im Urwald, denn schon seit Generationen wird hier kein Holz mehr geerntet.

Auf dem Felskopf des Scharfensteins sind nur noch wenige Relikte der ehemaligen Burg zu sehen. Der Blick in die Runde entschädigt jedoch für den steilen Anstieg.
Nach etwa zwei Kilometern ist der steile Anstieg auf den Scharfenstein geschafft. Die Trittstufen auf dem letzten Stück zum Felskopf sind zum Teil recht wacklig, Kinder sollten hier an die Hand genommen werden. Vermutlich waren die Stufen hinauf auf das Felsplateau in früherer Zeit der Aufstieg zur Burg Scharfenstein. Der Sage nach soll dort einst der Raubritter Hugo von Scharfenstein gehaust haben, ein rechter Bösewicht, der auch „der schwarze Teufel“ genannt wurde. Sicher oben angekommen, belohnt nach dem Aufstieg ein eindrucksvoller Ausblick weit in die Runde. Im Süden ist der Heidstein auszumachen, dahinter die Kuppe des Belchen, weiter nördlich zeigt sich der Breitnauer Kopf.
Wer genau hinschaut, kann wenige Mauerreste und die Andeutung eines Grundrisses der ehemaligen Burg Scharfenstein erkennen. Spannende Details über den Bau und die Zerstörung der Burg verrät eine Infotafel. Die 1267 erstmals als „castrum Scharphenstein“ im Besitz der Herrschaft von Staufen erwähnte Burg wurde lange mit der Errichtung der Vogtei Britznach (Obermünstertal) um 1240 in Verbindung gebracht. Die Funde auf dem Scharfenstein belegen jedoch, dass die Burg schon im 12. Jahrhundert bestand, lange vor ihrer ersten urkundlichen Erwähnung. Die abgelegene Burg sollte wohl den Silbererzbergbau im Münstertal schützen. Wegen Besitzstreitigkeiten wurden 1346 die reiche Bergbaustadt Münster und die Burg durch Bewaffnete der Stadt Freiburg zerstört. Ein Wiederaufbau blieb aus. Schon seit dem 14. Jahrhundert ist deshalb nur noch ein Burgstall, also der Platz einer ehemaligen Burg, urkundlich dokumentiert.

Abstecher zu den Stampfbachfällen
Die Anlage auf 900 Metern Höhe erstreckte sich über drei Felsen. Die Hauptburg lag auf dem Felsplateau im Osten. Dort sind noch Reste zu erkennen; ein Holzzaun sichert das Gelände. Westlich davon liegt ein spitzer Felskopf, der durch einen tief in den Felsen gehauenen Burggraben von der Hauptburg getrennt ist – eines der markantesten Relikte der einstigen Burg Scharfenstein. Klettern ist hier wegen der Steinschlaggefahr streng verboten. Zum Ausruhen ist die Bergkuppe aber ideal, eine Ruhebank mit Blick auf die umliegenden Berge lädt dazu ein.
Nach dem Abstieg von der Bergkuppe führt der urige Felsenpfad auf der Nord- und Westseite des Scharfensteins zunächst bergab durch Wald und Ziegenweiden. Nach der Überquerung der Landstraße ist bald der Weiler Stampf und die Stampfbachschlucht, der tiefste Punkt der Wanderung, erreicht. Bachaufwärts führt ein Abstecher zum kleinen Wasserfall: Beim Hochbehälter weist ein Wegweiser zum Stampfbachpad, der von den Bergfreunden Münstertal angelegt wurde und zu den Stampfbachfällen führt. Auf schmalen Pfaden und Treppen geht es zur Brücke über den Wasserfall, der wegen der anhaltenden Trockenheit dieses Jahr nur wenig Wasser hat.

Frische Bergluft macht hungrig
Der Rückweg bachabwärts zum Ritterpfad ist bald geschafft. Auf einem kräftig ansteigenden Forstweg geht es über die Scharfensteinhütte zurück zum Wanderparkplatz. Noch ein letzter Blick hinauf zum Scharfenstein, der über uns aufragt, dann ist die abwechslungsreiche Wanderung durch die urwüchsige Natur oberhalb von Münstertal zu Ende. Nach so viel frischer Bergluft ist der Hunger groß. Wir entscheiden uns für eine Einkehr im Restaurant Linde zu einem deftigen Abendessen.
Info
Start & Ziel: Wanderparkplatz Scharfenstein an der L123 (Obere Gasse) in Richtung Wiedener Eck, 79244 Münstertal (Obermünstertal)
Länge: circa 5 Kilometer
Dauer: 2 bis 2,5 Stunden
Auf- & Abstieg: 266 Höhenmeter
Einkehrtipps
Hotel & Restaurant Linde
Krumlinden 13, 79244 Münstertal
Landgasthaus.de
Talstation
Dietzelbachstraße 1, 79244 Münstertal
Talstation-muenstertal.de









