Wintergäste im Garten – Warum „faule“ Gärtner Gutes tun Haus & Garten | 21.10.2026 | Frank von Berger

Komposthaufen

Es wird Herbst. Nach diesem heißen und trockenen Sommer freuen wir uns auf mildere Temperaturen, sonnige Tage und die ersten kühlen Nächte. Für viele Wildtiere beginnt jetzt die Suche nach einem geschützten Plätzchen für den Winter. Wer seinen Garten nicht allzu gründlich aufräumt, kann ihnen dabei helfen – und zugleich dafür sorgen, dass sich Nützlinge und Schädlinge auf natürliche Weise die Waage halten.

Was im Haus der Frühjahrsputz, das ist im Herbst für viele Gartenbesitzer das große Aufräumen in der Botanik. Stauden und Einjährige werden bodeneben abgeschnitten, Gehölze eingekürzt, welke Blätter zusammengekehrt und in die Biotonne gestopft. Danach sieht der Garten bis zum neuen Austrieb im Frühjahr sauber und ordentlich aus. Aber zu viel Ehrgeiz beim Großreinemachen ist keine wirklich gute Idee. Denn etwas Unordnung im Garten sorgt für ein ausgeglichenes Verhältnis von Nützlingen und Schädlingen.

Wer anfallendes Schnittgut im Herbst nicht
sofort entsorgt, bietet Igeln, Kröten und Blindschleichen einen Rückzug für die kalte Jahreszeit.

Wer anfallendes Schnittgut im Herbst nicht sofort entsorgt, bietet Igeln, Kröten und Blindschleichen einen Rückzug für die kalte Jahreszeit.

Mehr Vielfalt – weniger Pestizide

Generell gilt: je größer die Vielfalt an Pflanzen und Tieren im Garten, desto eher pendelt sich ein natürliches Gleichgewicht ein. Im Idealfall kann dann sogar gänzlich auf Pestizide verzichtet werden. Jeder weiß, dass Igel fleißige Insektenfresser sind und sich auch gern mal eine fette Schnecke schnappen. Eidechsen, Blindschleichen und Erdkröten ernähren sich ebenfalls von Insekten und kleinen Schnecken. Und Singvögel wie Rotkehlchen, Meisen oder Zaunkönige sind stets auf der Jagd nach lästigen Fliegen und Mücken. Die vielen kleineren Helfer im Garten dagegen fallen meist nicht besonders auf und werden oft übersehen. Dabei sind Lauf-, Raub- und Marien­käfer, Schweb- und Florfliegen sowie Raubwanzen und Schlupf­wespen ebenso nützlich bei der Dezimierung von Blattläusen und anderen Schädlingen. Und obwohl Spinnen nicht gerade zu den größten Sympathieträgern im Tierreich zählen, braucht die Natur sie, damit Insekten sich nicht explosionsartig vermehren.

Tiere brauchen Unordung

Damit sich ein natürliches Gleichgewicht im Garten einstellt und auch auf Dauer erhalten bleibt, benötigen die Kleintiere und ihre Überwinterungsformen, etwa Larven und Puppen, geschützte Rückzugsräume für die kalte Jahreszeit. Die gibt es aber nur, wenn der Garten im Herbst nicht besenrein aufgeräumt wird. Mit anderen Worten: Tiere lieben „faule“ Gärtner!

Holz- und Steinhaufen, Rindenritzen, Mauerspalten, Mäuse- oder Erdlöcher sowie Baumhöhlen sind natürliche Rückzugsräume für nützliche Tiere im Garten. Attraktive Winterquartiere können aber auch aktiv von Menschen geschaffen werden. Insektenhotels gibt es fix und fertig im Gartenfachhandel zu kaufen. Viele der handelsüblichen Exemplare haben jedoch eher eine Alibi-­Funktion. Besser ist es, sich genau zu informieren und praxistaugliche Modelle zu kaufen oder sie selbst zu bauen. Anleitungen dafür gibt’s reichlich im Internet oder in gedruckten Ratgebern.

Die leuchtend roten Früchte des Gewöhnlichen Schneeballs sind im Winter eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel.

Die leuchtend roten Früchte des Gewöhnlichen Schneeballs sind im Winter eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel.

Preiswerter und bequemer ist allerdings etwas Gelassenheit beim Gärtnern – und manchmal sogar einfach das Nichtstun. Letzteres hilft vielen nützlichen Kleintieren tatsächlich oft wirklich gut über die Wintermonate. So kann Falllaub einfach auf den Beeten verbleiben oder unter Sträucher und Hecken gekehrt werden. Unter dem welken Laub bleibt es feucht und es wird dort nicht so kalt – ideal etwa für Laufkäfer, Asseln und Spinnen. Im Frühjahr ist das Laub dann weitgehend verrottet und kann in den Boden eingearbeitet werden oder an Ort und Stelle verbleiben. Ein nicht zu verachtender Nebeneffekt: Der Boden wird dabei mit Humus angereichert.

Überwinterungsorte für Insekten und Spinnen

Auch die Fruchtstände von Stauden und Einjährigen, etwa Fetthenne (Sedum), Astern, Brandkraut (Phlomis) oder Sonnenblumenarten, dürfen über den Winter stehen bleiben. Sie dienen Vögeln wie Stieglitzen und anderen Finken als Nahrung. Die hohlen Staudenstängel sind zudem begehrte Überwinterungsorte für Insekten und Spinnen. Aber nur, wenn die welken Stiele nicht schon im Herbst abgeschnitten und entsorgt werden. Mit Raureif überzuckert oder einem Schneehäubchen als „Topping“ sind die verblühten Relikte des Sommers übrigens auch eine schöne Gartendekoration. Außerdem erinnern sie daran, wo genau eine Staude im Beet schlummert, sodass sie bei Arbeiten im Garten nicht versehentlich Opfer eines beherzten Spatenstichs wird.

Im Herbst anfallendes Schnittgut von Gehölzen kann den Winter über aufgeschichtet bis ins Frühjahr liegen bleiben und bietet damit einen Rückzugsort für Igel, Kröten und Blindschleichen. Das Entsorgen hat Zeit bis zum Beginn der nächsten Gartensaison. Ähnlich nützlich sind dauerhaft in einer Gartenecke verbleibende Totholzhaufen, die langsam vor sich hinrotten dürfen. Hier finden Moose, Pilze, nützliche Mikroorganismen und Kleinlebewesen eine Heimat.

Meisen und Zaunkönige nutzen trockene Nist­kästen im Winter als Schlafplatz, um kalte Nächte gut zu überstehen.

Meisen und Zaunkönige nutzen trockene Nist­kästen im Winter als Schlafplatz, um kalte Nächte gut zu überstehen.

Futter für die Wintergäste

Wo es keine natürlichen Steinhaufen als Winterversteck gibt, können einfache Trockenmauern, die ohne Mörtel errichtet werden, ein dekorativer Ersatz sein. Hier finden Kröten, Eidechsen, Käfer, Spinnen und Insekten attraktive, kühl-feuchte, aber weitgehend frostfreie Winterquartiere. Fast ebenso anziehend für diese Tiere sind zu Stapeln aufgeschichtete alte Dachziegel.

Auch für Nahrung lässt sich im Herbst sorgen. Die Früchte von Ziergehölzen wie Schneeball, Pfaffenhütchen, Eberesche, Efeu, Weißdorn oder Wildrosen werden im Lauf des Winters von Vögeln gern „abgeerntet“. Die gefiederten Freunde können zusätzlich durch Futterstellen angelockt werden. Handelsübliche Futtermischungen aus Sämereien wie Sonnenblumenkernen, Hanf und Hirse sollten dabei unbedingt durch fettreiche Nahrung wie Meisenknödel und Erdnüsse ergänzt werden. Schrumpeläpfel werden übrigens auch gern angenommen. Das Gleiche gilt für Nistkästen, in die sich während der Wintermonate Zaunkönige, Meisen, Insekten und manchmal sogar Siebenschläfer oder andere Bilche für die Winterruhe zurückziehen. Diese menschengemachten Herbergen sollten deshalb erst im Frühjahr gereinigt werden, um die Tiere während der kalten Jahreszeit nicht zu stören.

Viele der vorgestellten Maßnahmen sind also ganz einfach und dennoch effektiv. Wer Laub liegen lässt, Studenstängel stehen lässt, Totholz und Schnittgut in einer Gartenecke duldet und fruchtende Gehölze nicht zu früh aberntet, tut viel für die heimische Tierwelt. Und ganz nebenbei kann sich mit der Zeit ein natürliches Gleichgewicht im Garten einstellen, in dem nützliche Gartenbewohner ihren festen Platz haben.

Fotos: © Frank von Berger