Wilde Heimat – Naturfotograf Yasin Kirsch Land & Leute | 13.08.2025 | Marianne Ambs

Gams

Es sind die Tiere die Yasin Kirsch faszinieren. Weltweit, in Afrika und direkt vor der Haustür: auf einem Maisfeld am Dorfrand, in einem Hohlweg am Kaiserstuhl, hinter dem Stammrestaurant in Hugstetten. Dort stellt der Naturfotograf mit seinem Freund Michael Corona gerade seine Bilder aus. Zu jedem seiner Fotos in der Ausstellung kann er eine Geschichte erzählen.

Haubentaucher

Keck schaut die Gams in den Dolomiten in die Kamera. Den Haubentaucher hat Yasin Kirsch im Abendlicht aufs Bild gebannt.

Die Natur hat Yasin Kirsch schon immer gefesselt. Bereits als Kind verbrachte er viel Zeit im Freien. Als Jugendlicher entdeckte er das Angeln für sich. Yasin Kirsch liebte dabei vor allem die Ruhe, den Rückzug in eine Welt ohne Handy und Trubel. Doch mit einer Afrikareise wurde alles anders. Die Angelrute hat der 34-Jährige aus March an den Nagel gehängt. Der Natur, den Tieren bleibt er verbunden – als Natur- und Tierfotograf. „Mit der Urlaubsreise nach Tansania und Kenia ging 2019 für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung“, erzählt Yasin Kirsch beim Gespräch im Restaurant „Gleis 1“ am Hugstetter Bahnhof. Seine Freundin, die ihn nach Afrika begleitete, Familie und Freunde drängten ihn dazu, seine Erlebnisse in der Serengeti in Bildern festzuhalten. So legte sich Yasin Kirsch vor der Reise eine Kamera zu, fing an zu fotografieren. Und er hat bis heute nicht damit aufgehört.

Spätestens nach dem Besuch eines Paares aus der Schweiz, das Yasin Kirsch auf der Afrikareise kennengelernt hatte, war klar: Seine Fotos haben das Besondere. Ein Vierteljahr nach dem Abenteuer betrachteten sie gemeinsam die Aufnahmen. „Alle haben gesagt: Die sind toll, du musst weitermachen.“ Yasin Kirsch machte weiter. Nicht in Afrika, sondern direkt vor der Haustür. „Ohne die Covid-­Pandemie hätte sich das nicht so entwickelt“, glaubt er. Kurzarbeit, Ausgangssperre. „Ich hatte Zeit und ging immer öfter mit dem Fotoapparat los.“ In der Umgebung machte sich der Hobbyfotograf auf die Suche nach lohnenden Motiven. Besonders Tiere zogen ihn in ihren Bann. „Die Tiere haben mich gefesselt. Aber auch die Zeit draußen, die Stille.“

Die Suche nach dem perfekten Bild

Das Hobby wurde zur Leidenschaft. Eine Leiden­schaft, die Yasin Kirsch neben Beruf und Familie ausfüllt. Unzählige Stunden verbringt er draußen, gut getarnt, geduldig lauernd auf das eine perfekte Bild. Nicht immer sind die Ausflüge mit der Kamera erfolgreich. „Oft komme ich auch ohne Foto nach Hause.“ Das sei aber in Ordnung. „Es geht mir nicht nur um die Bilderausbeute. Ich liebe die Zeit draußen. In der Natur schalte ich einen Gang runter, komme zur Ruhe.“ Kaum vorstellbar, dass der quirlige Mann, der wortreich von seiner Passion erzählt, stundenlang auf der Lauer liegt, mit der Kamera im Anschlag. „Ja, das ist schon so, dass es zwei Seiten von mir gibt“, bestätigt Yasin Kirsch.

Waldohreule

Bienenfresser

Ob Waldohreule oder Bienen­fresser: Das perfekte Bild gelingt dem Fotografen durch intensive Vorbereitung.

Füchse, Rehe, Eisvogel, Steinkauz und Bienenfresser – sie alle hat Yasin Kirsch vor die Linse bekommen. Seine eindrucksvollen Aufnahmen sind jetzt in Hug­stetten zu sehen. Bevor es losgeht bereitet sich der Naturfotograf intensiv vor, informiert sich über die Tiere und deren Lebensraum, schaut Dokumentationen. „So bin ich vorbereitet und weiß, wann ich abdrücken muss.“ Vögel zum Beispiel schütteln sich, bevor sie losfliegen. „Wenn ich das sehe, weiß ich, dass der Vogel gleich seine Flügel ausbreitet und erwische ihn beim Abflug.“

„Es geht um den Moment“

Ihm gehe es darum mit seiner Kamera flüchtige Momente der Natur festzuhalten – Augenblicke, die oft nur wenige Sekunden dauern. Mit seinen Bildern will er den Blick schärfen: für die Tiere, die Schönheit der Natur und die Notwendigkeit, Tiere und Umwelt zu schützen. Viele Kinder, aber auch Erwachsene hätten den Bezug verloren zur Natur. „Die wissen nicht mehr wie ein Dachs aussieht.“

Für Yasin Kirsch sind es die Tiere selbst, die ihm ein Geschenk machen, indem sie ihn teilhaben lassen an ihrem Leben und ihm so die Aufnahmen ermöglichen. „Für jedes verkaufte Bild spende ich an Naturschutzorganisationen“, sagt der Fotograf. „Auch, um der Natur etwas zurückzugeben.“ Durch Yasin Kirschs Spenden wurden in Peru schon 400 Quadratmeter Regenwald gepflanzt.

Seit einiger Zeit liegt die Kamera oft ungenutzt zu Hause in Holzhausen. Vor acht Monaten sind Yasin Kirsch und seine Frau Eltern geworden. „Unser Sohn ist im Moment das Wichtigste für uns.“ Doch das Reisen bleibt neben dem Fotografieren ein wichtiger Teil seines Lebens. Er reist mit seiner Frau immer wieder nach Afrika, vor allem nach Namibia. Mit seinem Freund Michael Corona geht es zu Fotoreisen in die Dolomiten, nach Osteuropa, nach Helgoland. Kurztrips führen in den Schwarzwald oder in die Vogesen.

Im September reist er gemeinsam mit Michael Corona nach Finnland. Die Tierwelt dort, Wölfe und Bären, auch die Nordlichter reizen ihn. Dann wird sein Fotoarchiv weiterwachsen. Etwa 150.000 Fotos, schätzt Kirsch, hat er schon auf seinem Computer gespeichert. „Ich behalte alles, lösche fast nie Fotos“, sagt der Naturfotograf. Denn „für mich hat jedes einzelne Foto, jede Fotosession einen Wert. Es geht nicht nur um das Ergebnis, es geht auch um den Moment, in dem die Aufnahme gemacht wurde.“

Yasin Kirsch

Yasin Kirsch: Gut getarnt mit der Kamera auf Pirsch.

Info

Ausstellung „Wilde Heimat“ mit Fotograf Michael Corona aus Todtnau
Restaurant Gleis 1, March-Hugstetten, bis 8. September.
Die Bilder können erworben werden.

Kontakt:
Yasin Kirsch
Tel.: 0152/310 394 05
www.yasinkirsch.com
instagram: @yasinkirsch

Fotos: © Yasin Kirsch