Eltern als Fahrlehrer*innen – Regierung will Führerschein günstiger machen – kann das klappen? Mobilität | 14.06.2026 | Till Neumann

Vater mit Sohn im Auto

Rund 3400 Euro kostet der Führerschein im Schnitt in Deutschland. Extremfälle zahlen über 7000 Euro für den Lappen. Die Bundesregierung will die Kosten senken. Unter anderem sollen ab 2027 auch Familien­angehörige beim Fahrenlernen helfen. Was genau ist geplant? Wie viel kann das bringen? Ein Freiburger Fahrschulbetreiber ordnet ein.

800 bis 1200 Euro kostet ein Führerschein in Tschechien. Zwischen 1200 und 2000 Euro sind es in Österreich. Bis zu 1300 Euro fallen in Italien an. Maximal 2100 Euro sind es in Frankreich.

Der deutsche Führerschein hat mit durchschnittlich 3400 Euro einen stattlichen Preis. Das findet auch Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU): „Mobilität darf kein Privileg sein“, sagt er. Schnieder möchte, dass der Führerschein einfacher und bezahlbarer wird. Die Änderungen sollen im Januar in Kraft treten.

Das vielleicht größte Update sieht vor, dass eine „Laienausbildung“ kommt. Familienangehörige können bald Übungsfahrten mit Fahr­schüler*innen machen. Die Personen müssen seit mindestens sieben Jahren den Führerschein haben, die Schüler*innen müssen vorab sechs praktische Fahrstunden absolviert haben.

Weitere Änderungen: Die Pflicht zum Präsenztheorie-Unterricht soll fallen. Die Theorie-Vorbereitung kann komplett online laufen. Die Prüfungsfragen sollen von knapp 1200 auf rund 840 reduziert werden. Verpflichtende Sonderfahrten werden von 12 auf 3 gekürzt: Es reicht dann je eine Nacht-, Autobahn- und Überlandfahrt.

Was sagt ein erfahrener Fahrschulleiter dazu? Sascha Fiek leitet die Academy Fahrschule Fiek in Freiburg. Er begrüßt den Vorstoß der Regierung, hat aber auch kritische Punkte. „Günstiger wird es insbesondere für solche, die schon Vorerfahrung haben und besonders motiviert sind.“ Die breite Masse würde jedoch nicht von den Änderungen profitieren. „Wir haben derzeit im Schnitt durchschnittlich 37 Fahrstunden.“ Wer mit wenig Verkehrserfahrung komme, werde diese Stunden auch in Zukunft brauchen.

 Kritisiert und lobt: Sascha Fiek 

Kritisiert und lobt: Sascha Fiek

Die Laienausbildung – in Österreich gängige Praxis – „klingt erst mal schön“, sagt Fiek. Doch wer sie nutze, müsse eine besondere Haftschutzversicherung vorweisen, was 200 bis 300 Euro extra kosten könne. Er sieht ihren Sinn eher in ländlichen Gebieten, im Ballungsraum Freiburg sei sie kein großes Thema. „Das wird nicht die große Lösung sein“, betont Fiek.

Kritisch sieht der Fahrschulleiter vor allem den Wegfall des Präsenzunterrichts. „Es braucht weiterhin die Anbindung an eine Fahrschule“, sagt Fiek. Verkehrssicherheitsrelevante Einstellungsfragen sollten weiterhin vor Ort unterrichtet werden. Auch um Themen wie Risikofaktor Mensch oder den Umgang mit anderen Verkehrsteilenehmenden in der Gruppe besprechen zu können. Technische Aspekte oder Verkehrszeichen könne man dafür online erlernen.

Entscheidend, um Kosten zu senken, findet er den Einsatz von Fahrsimulatoren. Mit solchen Programmen könne der Stundenpreis halbiert werden. Seine Fahrschule nutzt das bereits. Schüler*innen können so Anfahren, Schalten und Kuppeln lernen.

Die Preisspanne für den Führerschein ist erheblich. Während die Besten bei ihm mit nur 23 Fahrstunden auskommen und 2900 Euro zahlen, können in Extremfällen Kosten von mehr als 7000 Euro entstehen. Das betreffe Menschen, „die noch nicht mal Fahrrad fahren können, die überhaupt keinen Verkehrsbezug haben“, so Fiek. Die Zahl der Fahrstunden erhöhe sich dann drastisch, teilweise auf bis zu 100.

Wie viel günstiger kann das Reformpaket den Führerschein also machen? „Bei motivierten Leuten sind 10 bis 20 Prozent weniger drin“, sagt Fiek. Aus 3400 Euro könnten rund 3000 Euro werden. Auch die Fahrschulen seien gefragt: „Wir sind in der Verantwortung, die Schüler*innen engmaschig zu begleiten“, sagt Fiek.

Bei ihm werden sie erst zur Prüfung zugelassen, wenn die hausinterne Vorbereitungsampel auf Grün steht. Das führt zu weniger misslungenen Prüfungen, die Extrakosten verursachen. „Da ist man schnell bei 400 bis 500 Euro mehr.“ Das zu vermeiden sei ein ganz großer Hebel.

Jungen Menschen rät er, vor dem Führerschein mit den Eltern auf Verkehrsübungsplätzen zu trainieren. Außerdem sei die Auswahl einer guten Fahrschule wichtig. Empfehlungen von Bekannten seien hilfreich, aber auch, wie schnell eine Fahrschule auf Anfragen reagiert. Antwortet sie, wenn man eine Frage stellt? Wer auf solche Punkte achtet, könne schon vorab die Weichen stellen, um nicht in die Kostenfalle zu tappen.

Führerschein-Fakten

– Rund 3400 Euro kostet ein Führerschein in Deutschland
– In Tschechien, Österreich, Italien oder Frankreich kostet er rund 1000 bis 2000 Euro
– 44 Prozent der Fahrschüler*innen sind 2025 in Deutschland bei der Theorieprüfung gescheitert
– 37 Prozent haben 2025 die praktische Prüfung nicht geschafft
– Ab 2027 soll die Laienausbildung möglich sein: Fahrschüler*innen üben mit Familienangehörigen Autofahren
– In Österreich und Luxemburg gibt es die Laienausbildung bereits
– Die Nachfrage bei Fahrschulen ist derzeit niedrig; viele Menschen warten, bis der Führerschein günstiger wird
– Eine bundesweite Umfrage des Verbands „Moving“ meldet für Großstädte einen Rückgang um 58 Prozent bei 9 von 10 Fahrschulen

Fotos:  © iStock.com/DuxX, privat