„Kein Platz für Autos“: Soll die Rempartstraße in Teilen Kfz-frei werden? Mobilität | 16.12.2025 | Till Neumann

Frequentiertes Nadelöhr: Die Rempartstraße verbindet Mensa und Campus in der Freiburger City.

Sie liegt zwischen Mensa und Uni. Und ist zu Stoßzeiten rammelvoll. Menschen, Velos und Autos drängeln sich durch die Rempartstraße. Nicht gut, finden das Vertretende des Fuß- und Radentscheids (FuRe), von Greenpeace und den Students for Future. Sie fordern, einen Teil autofrei zu machen. Entgegen der Meinung von so manch Autofahrendem. Das Rathaus verfügt über 200.000 Euro für die Planungen.

massiv verbessert

Jörg Isenberg

Dienstag, 13 Uhr, Mitte November. Vor der Mensa Rempartstraße bilden sich lange Schlangen. Mehr als 4000 Mittagessen gehen hier täglich über die Theke. Und damit wohl mindestens 3000 Studierende über die Straße. Hinzu kommen Velos und Autos in beide Richtungen.

„Da ist einfach kein Platz für Autos“, sagt Jörg Isenberg. Der Aktivist von Greenpeace und dem FuRe ist überzeugt: „Den Platz brauchen wir für Aufenthaltsqualität, für zu Fuß Gehende, für Radfahrende und eben auch, damit der Unicampus zusammenwachsen kann.“ Isenberg findet: „Die Straße ist verkehrstechnisch absolut nicht notwendig für den Autoverkehr.“

„Doch“, sagt ein Freiburger Autofahrer. „Ich parke in der Uni-Tiefgarage, wenn ich in die Stadt will.“ Er nehme die Zufahrt aus Richtung UB. Von der anderen Seite in die Straße zu fahren, sei ein Umweg. Er findet es eine Zumutung, ihn und andere dort entlang zu schicken.

Genau das fordern aber seit mehreren Jahren Aktivist·innen: Sie wollen den westlichen Teil zwischen Tiefgarageneinfahrt und Tanzbrunnen von Autos befreien. Isenberg: „Wenn man meint, dass man mit dem Auto bis direkt in die Fußgängerzone fahren muss, dann muss man auch einen kleinen Umweg in Kauf nehmen.“

Protest auf Asphalt: Aktivist*innen wie Students for Future fordern „Platz für Menschen“.

»Fühlen uns unsicher«

„Es gibt Bedenken, zum Beispiel zur Belieferung der Mensa“, so Isenberg. Das zu lösen sei aber problemlos. „Eine Anlieferung per Sondergenehmigung ist möglich.“ Das Argument sei ein No-Brainer, schließlich würden in der Fußgängerzone ganze Kaufhäuser beliefert.

Die „Students for Future“ (SfF) sehen das auch so: „Viele von uns sind auf der Rempartstraße jeden Tag unterwegs“, schreibt Sophie im Namen ihres Kollektivs.„Trotzdem fühlen wir uns dort oft unsicher.“ Eine Straße mitten durch den Campus solle kein gefährlicher Durchgang für Autos sein. Sie wünschen sich einen Ort, der Platz für Menschen bietet statt für Verkehr.

SfF haben zuletzt Wünsche der Studis gesammelt: „Die Antworten waren eindeutig“, berichtet Sophia, „mehr Grün, mehr Platz zum Sitzen, mehr Gemeinschaft“. Für sie wäre eine autofreie Rempartstraße ein erster Schritt hin zu einer lebenswerten Innenstadt, in der Sicherheit und Aufenthaltsqualität zählen.

Ob das geschieht, liegt beim Gemeinderat. Er hat die Stadtverwaltung beauftragt, mit 200.000 Euro in die Planungen zu gehen. „Es geht dabei nicht nur darum, ob ein Teil der Rempartstraße autofrei werden soll“, erklärt Rathaussprecherin Linda Widmann. Sondern um ein straßenräumliches Gesamtkonzept. Ziel sei, das Gesamterscheinungsbild und die Funktionen der Straße zu verbessern.

Losgehen soll es im Frühjahr. 2027 soll dem Gemeinderat ein Konzept vorliegen. Dass dort zu Stoßzeiten viele die Straße queren, ist bekannt, sagt Widmann. Eine besondere Unfallhäufung jedoch nicht. Isenberg stimmt zu, sagt aber: „Gefährliche Situationen kennen wir viele.“ Sie führten zu Angst und Unsicherheiten bei den schwächeren Verkehrsteilnehmenden.

Fotos: Till Neumann & privat

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Fotos: © tln