Acid-Trips vom Kiosk – »Der Markt ist da, also verkaufe ich es« Szene | 06.09.2025 | David Pister
In Freiburg verkauft ein Kioskbetreiber „legales LSD“ (chilli berichtete exklusiv). Die bunten Pappen und Pillen basieren auf LSD-Derivaten, wirken wie herkömmliches LSD – und sind (noch) erlaubt. Das könnte sich bald ändern: Die Substanz steht kurz davor, aufs Radar des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes zu geraten.
Warum er trotzdem weiter verkauft, erzählt der Ladeninhaber im Interview mit chilli-Redakteur David Pister. Weil er seinen Namen und den seines Kiosks nicht im Magazin lesen will, erscheint er im Interview unter dem Pseudonym Tom Berger.
chilli: Wie sind Sie darauf gekommen, LSD-Derivate zu verkaufen?
Berger: Die Tabaksteuer steigt Jahr für Jahr. Immer weniger Menschen rauchen. Ich muss meinen Umsatz und Gewinn halten. Dann bin ich auf diese Marktlücke gestoßen und habe mich darangemacht, die Lücke zu schließen.
chilli: Seit wann haben Sie die Halluzinogene im Sortiment?
Berger: Im Zuge der Cannabis-Legalisierung habe ich mich im vergangenen Jahr damit beschäftigt, was ich anbieten darf und auf was ich dabei achten muss. Neben THC- und CDB-Produkten bin ich auch auf LSD-Derivate gestoßen. Ich habe mir die Produkte angeschaut und mich mit den Herstellern getroffen. Im Juni 2024 habe ich die LSD-Derivate ins Sortiment aufgenommen.
chilli: Dabei bewegen Sie sich rechtlich in einer Grauzone. Über die Wirkung und Nebenwirkung der Derivate ist – im Vergleich zum LSD selbst – wenig bekannt. Sie verkaufen ein kaum erforschtes Produkt. Haben Sie keine ethischen Bedenken?
Berger: Nein. Der Hersteller versorgt mich mit Informationsbroschüren. Ich kann mir die Formeln anschauen, das gibt mir Sicherheit.
chilli: Sie sind kein Chemiker.
Berger: Ich verlasse mich auf die Angaben und Laborwerte des Herstellers.
chilli: Auf der Verpackung steht, das Produkt sei nur zu Forschungszwecken, der Konsum gesundheitsschädlich. Eine Schutzbehauptung?
Berger: Genau. Das ist die Gesetzeslücke. Damit sichern sich die Hersteller ab.
chilli: Trotzdem bewegen Sie sich auf dünnem Eis. Das LSD-Derivat 1S-LSD, das Sie anbieten, könnte jeden Moment verboten werden. Sie würden sich strafbar machen. Haben Sie keine Angst davor?
Berger: Ich gehe damit offensiv um. Ich bin mit der Stadt und der Zollbehörde im Austausch. Außerdem werde ich rechtlich beraten. Es ist eine Grauzone, es ist nicht verboten. Der Markt ist da, also verkaufe ich es.
chilli: Kam es schon vor, dass ein Produkt aus Ihrem Sortiment plötzlich verboten wurde?
Berger: Ja, drei oder vier Mal. Der Hersteller informiert mich. Ich nehme das Produkt raus, schicke es zurück und bekomme den Verlust durch das nächste Derivat ersetzt.
chilli: Wie kontrollieren Sie den Verkauf hinsichtlich der Altersbeschränkung?
Berger: Ohne Alterskontrolle geht bei mir gar nichts. Kein Alkohol, kein Tabak und natürlich kein THC oder LSD. Wir wollen hier keine Kinder, deswegen habe ich mich auch von Anfang an ganz bewusst gegen Mickey-Maus-Hefte und Süßigkeiten entschieden.
chilli: Was wissen Sie über Ihre Kundschaft – wer greift zu den LSD-Derivaten?
Berger: Junge Männer zwischen 25 und 30 Jahren. Ich verkaufe etwa 30 Einheiten in der Woche. Beim Übergang vom Monatsende zum Monatsanfang gehen deutlich mehr weg.
chilli: Gab es schon Rückmeldungen über unangenehme oder gefährliche Nebenwirkungen?
Berger: Tatsächlich ja. Meine Mitarbeiter und ich beraten zwar jeden Kunden und sagen: Fangt bitte mit kleinen Mengen an, aber manche setzen sich eben darüber hinweg und erzählen im Nachhinein von Herzrasen, starken Unruhen, Halluzinationen oder extrem langem Schlaf.
chilli: Und wie fallen die positiven Rückmeldungen aus?
Berger: Das ist der Großteil. Die berichten, dass ihre Kreativität gesteigert ist oder dass sie damit besser schlafen würden. Das wirkt bei jedem anders.
chilli: Würden Sie das LSD-Derivat selbst nehmen?
Berger: Nein, ich probiere zwar jedes neue Produkt, habe mich aber dafür entschieden, diese Produkte nicht regelmäßig zu nehmen.
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