»puls geht hoch« Dartzentrum Freiburg eröffnet – großer Andrang Szene | 31.05.2026 | Till Neumann

Moderner Hotspot: das Freiburger Dartzentrum Moderner Hotspot: das Freiburger Dartzentrum

Dart boomt. Mit dem „Dart­zentrum Freiburg“ gibt es seit Januar hier eine der modernsten Anlagen Deutschlands. Die Idee dazu hatte der Hobby-Spieler Frieder Lang (32). Sein Plan könnte aufgehen, hat chilli-
Redakteur Till Neumann festgestellt.

Ist Freiburg eine Dart-Hochburg? „Jetzt schon“, sagt Frieder Lang und lacht. Der junge Mann im Adidas-Hoodie steht im Eingangsbereich seines Dartzentrums. Es ist Dienstagabend, 19 Uhr. Hinter ihm werfen rund 30 Männer mittleren Alters konzentriert Pfeile auf Scheiben. Das tun sie in „Süddeutschlands größter und modernster Dartlocation“.

Ein Blick auf die knapp 250-Quadratmeter-Anlage zeigt: Hier wird mit moderner Technik in schickem Ambiente gespielt: 12 Boards mit Zähldisplays hängen an den grünen Wänden, daneben eine Bar, eine Streamingkabine, ein kleiner Shop. „In dieser Größenordnung kenne ich in Süddeutschland nichts“, sagt Lang. Vergleichbare Anlagen gebe es in Münster oder Berlin.

Jede Menge Geld und Zeit hat er investiert. Mit seinem Vater und vielen Freund·innen hat Lang vieles in Eigenregie umgesetzt. Sein Ziel: „Ich will dem Dartsport ein anderes Gesicht geben.“ Weg vom Image des Kneipensports, „dunkel und männlich dominiert“. Das Klischee vom Dartspieler, der „ein paar Bier trinkt und nebenher spielt“, möchte er aufbrechen hin zu einer Kultur, in der der Sport im Mittelpunkt steht und das Bier allenfalls Begleiter ist. Harten Alkohol schenkt er keinen aus. Alkohol sei ohnehin ein Problem in der Szene – auch bei Profis.

Die Spieler sind fokussiert bei diesem Dienstagabend-Trainingsturnier. Durch die Boxen schallt „Maria“ von Blondie. Geredet wird nicht. Gezockt wird erst in Gruppenphasen, dann im K.O.-System. „Das Level ist hoch heute“, erzählt der Barkeeper. Der Frust sei groß bei manchen, wenn sie nach der Gruppenphase ausscheiden.

Gründer: der Freiburger Frieder Lang

Gründer: der Freiburger Frieder Lang

Die Idee für das Dartzentrum kam Lang vor rund zwei Jahren: „In der Region gab es wenig Angebot und viel Nachfrage.“ Ihn reizte der Gedanke, das richtig groß zu machen. Freizeitspieler·innen reisen dafür von Offenburg bis Basel an, zu Turnieren sogar aus dem Raum Stuttgart oder der Schweiz. Das Schönste für ihn an dem Sport: „Die Einstiegsschwelle ist niedrig.“ Das Equipment günstig, körperliche Voraussetzungen spielen kaum eine Rolle.

Dazu komme der Kick: „Diese Sucht nach dem perfekten Wurf“, sagt Lang. Wenn das einmal gelinge, wolle man es immer wieder erleben. Die Kunst sei, in Drucksituationen entspannt zu bleiben. Gerade bei Turnieren passiere viel im Körper: „Man fängt auf einmal an zu schwitzen, man zittert, der Puls geht hoch, die Augen tränen.“ Genau dieser Nervenkitzel mache den Reiz aus.

Auch Julian aus Kirchzarten ist an diesem Abend dabei. Der 35-Jährige spielt seit einem Jahr Dart. „Ich finde hier schön, dass es eine Sportstätte ist, die jetzt nicht so ein Kneipen-Feeling hat.“ Dart habe einen gewissen Ruf, hier aber gehe es einfach um die Sache. „Man trifft nette Leute, kommt ins Gespräch.“ Früher spielte er in der Freiburger Movie-Bar oder im Flamingo.

Wer das Dartzentrum entdecken möchte, muss nicht vor Ort sein: Zwei Kameras filmen, was passiert, nebendran ist die Kommentatoren-Kabine. „Wir streamen die Turniere live auf YouTube und Twitch“, berichtet Lang. Das sei nicht nur ein Marketing-Tool, sondern mache auch richtig Spaß. Neben den 30 Spielern vor Ort hat er an diesem Abend online 650 Menschen erreicht.

Fotos: © Niklas Freitas, Faye Schicht