Wettrennen mit dem Wind: Moderne Technik kann Wind-Rückgang kompensieren Wirtschaft | 21.10.2022 | Philip Thomas
Rotation am Rosskopf: Auch in Freiburgs Osten sollen die Windräder ausgetauscht werden.
Der Meeresspiegel steigt, Dürre und Hitze nehmen zu, weltweit klettert die Durchschnittstemperatur. Gleichzeitig hat der Klimawandel zur Folge, dass in vielen Regionen der Welt weniger Wind weht. Freiburger Forscher haben nun herausgefunden, dass moderne Windräder den Rückgang der Ressource um ein Vielfaches ausgleichen können. Die Freiburger Stadtverwaltung hat derweil die Genehmigung für ein 229 Meter hohes Windrad auf der Holzschlägermatte erteilt. Und auch in Freiamt ist eine solche Anlage unlängst genehmigt worden.
Im Kampf gegen den Klimawandel spielt Windenergie eine zentrale Rolle. Allein vergangenes Jahr produzierten Windkraftanlagen in Deutschland 122 Terrawattstunden Strom. Damit deckten sie laut Bundesverband Wind-ener-gie (BWE) mehr als ein Fünftel des Bundes-Bruttostromverbrauchs von 565 Terra-wattstunden.
Die wertvolle Ressource Wind ist jedoch in Gefahr. „Der klimawandelbedingte Lufttemperaturanstieg in den hohen nördlichen Breiten ist größer als in den mittleren nördlichen Breiten“, erklärt Christopher Jung, Umweltmeteorologe an der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität.
Dadurch verringerten sich Luftdruckunterschiede und schließlich auch Windgeschwindigkeit in den mittleren Breiten nördlich des Äquators. Der 34-Jährige prognostiziert infolgedessen eine Effizienz-Minderung weltweiter Windkraftanlagen im Jahr 2035 zwischen 0,8 und 1,6 Prozent. Die gute Nachricht: Laut Jung gibt es noch ausreichend Standorte für effiziente Windenergienutzung. Bei optimalem Ausbau und vergleichsweise günstiger Klimaentwicklung lasse sich die Effizienz bis zum Jahr 2035 weltweit um bis zu 23,5 Prozent steigern.
Besonders geeignet für die Windenergienutzung seien demnach der Norden sowie die Ostküste Chinas, die Nordwestküsten Europas, zentrale Regionen der USA und die Nordostküste Brasiliens. Deutschland verfüge über vergleichsweise wenig Windressourcen, die durch Bebauung zusätzlich verringert werden. „Die Annahme, dass in Deutschland immer und überall ausreichend Wind vorhanden ist, ist nicht richtig“, so der Wissenschaftler. Insbesondere in Baden-Württemberg sei es trotz moderner Windenergieanlagen „sehr herausfordernd“, -geeignete Standorte zu finden.
Dieser Aufgabe hat sich Andreas Markowsky verschrieben. Anfang Oktober erhielt der Geschäftsführer der Ökostromgruppe die Genehmigung, zwei alte Windkraftanlagen auf dem Schillinger Berg bei Freiamt durch ein 229 Meter hohes Windrad zu ersetzen, das die Stromproduktion auf zehn Millionen Kilowattstunden verdoppeln soll. Entstehen soll die rund sieben Millionen Euro teure Anlage in Bürgerbeteiligung.
Mitte September erhielt die -Gruppe bereits die Zusage der Freiburger Stadtverwaltung für eine ebenfalls 229 Meter hohe Windkraftanlage auf der Holzschlägermatte. Die Anlage ersetzt die beiden 19 Jahre alten Windmühlen, produziert auf dem Papier auch doppelt so viel Strom wie die beiden alten Anlagen kombiniert und versorgt damit 3500 Haushalte.
Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn ist überzeugt: „Das moderne Wind-rad wird ein neues, weit sichtbares Wahrzeichen für die Energiewende.“ Der OB hofft, „dass wir noch an einigen Standorten neue Anlagen sehen werden.“ Aktuell drehen sich im Freiburger Stadtgebiet fünf Windkraftanlagen.
Foto: © Till Neumann









