Das „bierernste“ chilli-Horoskop: Camping-Edition von Hobby-Astronaut Philip Thomas 4Literatur & Kolumnen | 01.08.2025 | Philip Thomas

Horoskop

Unter freiem Himmel sieht chilli-Orakel Philip Thomas Sterne. Nach mehr oder weniger fokussiertem Studium der Himmelskörper verrät er, unter welchem Stern der neue Papst so steht.

Widder-1

Statt ins Vier-Sterne-Hotel geht’s für dich im Sommer auf den Zeltplatz. Eigentlich dachtest du, dass du damit jede Menge Geld sparen würdest. Aber im Endeffekt kommst du aufs Gleiche raus. Nur ohne den ganzen Komfort. Camping bedeutet eben, viel Kohle auszugeben, damit du annähernd den Lebensstandard hast wie in einem Motel für wenig Geld.

Stier-1

„Kauf dir einen Camper“, haben sie gesagt. „Das ist die große Freiheit“, haben sie gesagt. Und jetzt sitzt du hier irgendwo zwischen Frankreich und Italien und fragst dich, was du hier eigentlich machst: Dein Macker bestimmt, wohin die Reise geht, und dein Chef legt fest, wann und wie lange die Tour stattfindet.

Zwilling-1

Du bist ganz schön gerädert. Camping ist zwar kein Luxusurlaub, aber so schlecht gelegen hast du noch nie. Wer hat dieses Zelt überhaupt entworfen? Die Stangen passen nicht ineinander, die Bodenplane hat einen Reißverschluss, und obendrein fehlt das Dach. Vielleicht hättest du das Teil aufbauen sollen, bevor du das erste Bier aufmachst …

Krebs-2

Man sagt den Holländern nach, dass sie mit ihrer Liebe zu Freiluft­-urlaub und Campingwagen schon den ein oder anderen Stau auf deutschen Autobahnen verursacht haben sollen. Nicht umsonst heißt eine ­Kolonne von Campern dort „Campingplatz“. Aber wenn du mal ehrlich bist: Du hast auch jahrelang Coffeeshops in Amsterdam zum Erliegen gebracht.

Loewe-1

Der Trend „Vanlife“ hat sich wacker gehalten. Das Problem bei vermehrtem Urlaub mit dem ausgebauten Bus ist bloß: Die Heerscharen von Vans produzieren neben zahlreichen Selfies auch viel Müll, der dann gerne in den Naturschutzgebieten „vergessen“ wird, bevor die Sonne aufgeht.

Sonnenbrand, Schlappen, Unterhemd, Bier und Ravioli aus der ­Konserve. Man sollte meinen, auf dem Campingplatz ginge es zu wie in einem Taubenschlag. Tatsächlich herrscht dort zwischen Deutschlandfahnen und Gartenzwergen Recht und Ordnung. Viele Dauercamper bringen sogar Fußmatten und ihre eigenen Zäune mit.

Waage-1

Manche finden das Geräusch von Regen auf Zeltplane geradezu meditativ. Dir versaut der Regen eher den Urlaub. Immerhin hast du vorgesorgt. Und zwar nicht mit Gummistiefeln und Regenponcho, sondern mit jeder Menge Bier. Nach drei, vier Flaschen ist dir das Wetter dann nämlich auch egal.

Andere zelebrieren ihre Quarterlife Crisis mit einem Rennrad oder einer Siebträgermaschine. Du hast dir einen alten Bus gekauft und ihn für noch mehr Kohle zum Camper umgebaut. Damit kannst du auch Kaffee trinken, und Platz für ein Fahrrad hat das Teil auch. Wie lange du damit deinen Dämonen davonfahren kannst, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Schuetze-1

Du dachtest immer, ein Sonnenuntergang am See wäre romantisch. Zumindest bis dein Zeltnachbar seinen Ghettoblaster anwirft und beim „Schlummerlied“ an Baustellenbeschallung erinnert. Campingromantik teilt man sich eben besser mit Mutter Natur abseits der ausgetretenen Pfade. Dazu gehören dann leider auch jede Menge Mücken.

Steinbock-1

Dein Wecker auf dem Campingplatz ist nicht digital, sondern tierisch: Zwischen Froschkonzerten und Vogelgezwitscher startest du ganz natürlich in den Tag – nur leider schon um 5.30 Uhr. Schlafen ist hier nämlich nur in der Theorie möglich. Und eine halbe Stunde später ist es im Zelt nicht nur taghell, sondern auch bullenheiß.

Wassermann-1

Auf dem pikfeinen Campingplatz beim See musst du ein Schild lesen. Es ist laminiert und damit strikt zu befolgen: Frühstück von 8 bis 10 Uhr, Mittagessen von 12 bis 15 Uhr, Kaffee von 16 bis 18 Uhr, Abendessen von 18 bis 20 Uhr. Nachtruhe ab 22 Uhr. Irgendwann wärst du ja schon mal gerne an den Strand gegangen.

Das Schöne nach einem Campingtrip: Man lernt die kleinen Annehmlichkeiten, die ein Dach und vier Wände zu bieten haben, wieder zu schätzen. Oder wann hast du dich das letzte Mal wirklich über fließendes Wasser, eine heiße Herdplatte oder eine weiche Matratze gefreut? Wiederum andere freuen sich noch mehr darüber, gar nicht campen zu fahren.

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