Salut – Blick aus dem Elsass 4Literatur & Kolumnen | 03.09.2026 | Astrid Lehmann

Kinzigtal

Die „französische Schwarzwälderin“ Astrid Lehmann lebt im Kinzigtal. Fürs Lust auf REGIOMagazin schaut sie sich im Dreiländereck um. Diesmal stehen zwei Museen im Fokus, die derzeit harte Zeiten erleben.

Astrid Lehmann

Das größte Freilichtmuseum Frankreichs befindet sich in einer finanziellen Schieflage. Ein Gericht in Colmar hat nun ein Insolvenzverfahren eingeleitet, das dem Ecomusée d’Alsace ermöglicht, mit Hilfe eines Insolvenzverwalters, einen Fortführungsplan auszuarbeiten. Dafür hat das Museum sechs Monate Zeit, während der die Begleichung zurückliegender Forderungen eingefroren werden. Laut dem Geschäftsführer Patrick Puledda belaufen sich die Defizite der letzten beiden Geschäftsjahre auf 690.000 Euro für 2025 und 580.000 Euro für 2024. Die Einleitung des Insolvenzverfahrens war unumgänglich.

Wie ist es dazu gekommen? Maßgeblich sollen zwei gerichtliche Verurteilungen zugunsten eines ehemaligen Mitarbeiters und der Firma, die den Hotel- und Gastronomiebereich auf dem Gelände betreibt, zu den finanziellen Schwierigkeiten geführt haben. Bei einem Spendenaufruf an die Öffentlichkeit im Frühjahr kamen 20.000 Euro zusammen. Nun hat das Freilichtmuseum elsässische Gemeinden angeschrieben mit der Bitte um Zuschüsse. Insgesamt hat sich die Geschäftsführung zum Ziel gesetzt, innerhalb eines Jahres 1,5 Millionen Euro zu sammeln. Wir drücken die Daumen, denn das große Freilichtmuseum ist in seiner Art einzigartig: in seiner Größe schier überwältigend, mit Liebe zum Detail und viel ehrenamtlichem Engagement. In Ung­ers­heim liegt uns das gesamte Elsass zusammengefasst in einem Dorf zu Füßen. Auch wir können etwas dazu beitragen: fleißig besuchen! Dieses Jahr gibt es noch wunderbare Highlights. Auf der Website wird man schnell fündig.

Nach einem Einbruch ist das Lalique-Glasmuseum in Wingen-sur-­Moder vorübergehend geschlossen. Laut einer anonymen Quelle der Agence France Presse wurden etwa zwanzig Schmuckstücke gestohlen, der Schaden soll sich auf mehrere Millionen Euro belaufen. Beim Einbruch wurde zwar der Alarm ausgelöst, doch bis die Sicherheitsfirma den Vorfall überprüft hatte, war es eine Reinigungskraft, die als Erste am Tatort eintraf und die Gendarmerie alarmierte. Leider zu spät.

Fotos: © iStock / phbcz, Herman Schmider