Rezi: Oben Erde, unten Himmel – Kein Hamstergerippe 4Literatur & Kolumnen | 07.04.2023 | Erika Weisser

Oben Erde, unten Himmel Cover

Suzu ist 25 und lebt allein. In einer spärlich möblierten Kleinstwohnung in einer anonymen Großwohnanlage in einer japanischen Großstadt. Das einzige Wesen, das ihr beziehungsloses Leben teilt, ist ein Hamster. Die Nachbarn, ein offenbar an einem Miteinander statt am zeitgemäßen Nebeneinander orientiertes altes Paar, hält sie von sich fern, tut sie als neugierig ab.

Als sie wegen mangelnden Charmes ihren Job als Aushilfskellnerin verliert, will sie eigentlich verhungern. Doch sie scheut sich davor, vielleicht im Sommer, wenn die Temperaturen steigen, tot und mit dem Hamstergerippe neben sich in der Wohnung aufgefunden zu werden. Also sucht sie lieber einen Job – und bekommt es in Mr. Sakais Leichenfundort-Reinigungssystem mit genau diesen Menschen zu tun, die „irgendwo in den Häuserreihen, die den Horizont verschwinden lassen“, einsam sterben. Ohne dass es jemand bemerken würde.

Die japanisch-österreichische Autorin Milena Michiko Flašar hätte aus diesem düsteren, keineswegs nur japanischen Phänomen einen düsteren Roman machen können. Doch das Gegenteil ist der Fall. Hell, heiter, voller Menschenliebe und Humor lässt sie Suzu ins Leben zurückfinden: zum Respekt gegenüber den Toten gesellt sich Mitgefühl für die Lebenden.

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Oben Erde, unten Himmel
von Milena Michiko Flašar
Verlag: Wagenbach, 2023
304 Seiten,gebunden
Preis: 26 Euro