Über den Tag hinaus – Bei Herder ist die erste deutschsprachige Biografie vom neuen Papst Leo XIV. erschienen 4Literatur & Kolumnen | 27.06.2025 | Erika Weisser
Manuel Herder ist die Vorfreude anzusehen. Zwei Tage vor der Auslieferung der in seinem Verlag erschienenen ersten deutschsprachigen Kurzbiografie des neuen Papstes Leo XIV. harrt der Verleger in seinem „schönsten Arbeitszimmer Freiburgs“ des ersten gedruckten Exemplars. Und er fiebert diesem Ereignis ebenso entgegen wie der Bekanntgabe des Wahlergebnisses des Konklaves am 8. Mai auf dem Petersplatz.
Der 59-Jährige, der sich 2021 aus dem operativen Geschäft des von ihm bereits in sechster Generation geleiteten Familienunternehmens zurückzog, freut sich besonders für seine beiden etwa 15 Jahre jüngeren Nachfolger in der Geschäftsleitung. Philipp Lindinger und Simon Biallowons sei es gelungen, einen außergewöhnlichen eigenen Verlagsrekord „nochmal zu übertrumpfen“: Im Januar 2015 kam bei Herder die erste Biografie von Udo Jürgens heraus – genau einen Monat nach dessen plötzlichem Tod. Und nun liegen nur 20 Tage zwischen der Wahl des bis dahin ziemlich unbekannten Kardinals Robert Francis Prevost zum Papst Leo XIV und dem Termin, da das mit seinem Lebensweg befasste Buch in den Handel kommt.
„Chapeau und Glückwunsch an die beiden, ihr Team und alle Mitarbeiter des Verlags“, sagt Manuel Herder voll Anerkennung für diese Leistung. Damit hätten sie das bei Herder seit langem geltende Selbstverständnis bestens unter Beweis gestellt. Nämlich ein Verlag zu sein, „der über den Tag hinaus arbeitet“: Wer sich nur auf aktuelle Themen beschränke, nicht rechtzeitig für den Generationenwechsel sorge oder „auch mal Schnellschüsse riskiere“, sei „bald kein Marktführer mehr, sondern nur noch ein Nischenverlag“.
Entscheidend für den Erfolg sei die gute Vorplanung gewesen. Und ein von allen Beteiligten akribisch verabredeter und eingehaltener Zeitplan. Und die sehr frühe Anfrage bei dem in Frage kommenden Autor, der „auf jeden Fall ein Wissenschaftler sein sollte“. Einer, der sich mit den Interna und den Repräsentanten der katholischen Kirche auskenne, aber nicht darin verstrickt sei. Einer, der seine Kenntnisse zu „einem Einsteigerbuch“ verdichten könne. Einer, der weltweit vernetzt sei und daher schnell an Informationen gelange. Einer, der bereit sei, Nächte durchzuarbeiten, in ständigem Austausch zu stehen und seinen Schreibprozess einem gleichzeitigen Lektorat zu unterwerfen. Der dem Verlag bereits bekannte Jesuiten-Pater Andreas R. Batlogg habe all diese Voraussetzungen mitgebracht und sei daher „ein richtiger Glücksfall gewesen“, freut sich Herder über die geglückte konzertierte Aktion.
Noch bevor unser Gespräch endet, kommt das erste Exemplar auf den Tisch. Der Seniorchef nimmt es, beschnuppert es, blättert darin, prüft die Haptik – und ist mehr als zufrieden: Er ist glücklich wie ein ganz junger Verleger, der sein erstes Buch in Händen hält. Ob es ein Bestseller wird, vermag er nicht zu sagen. Die erste Auflage des bei CPI im norddeutschen Leck gedruckten Titels habe sich nach Buchhandelsbestellungen gerichtet und sei „so klein wie möglich“. Mit CPI wurde aber vorsorglich schon ein Nachdrucktermin vereinbart.

Leo XIV. Der neue Papst
von Andreas R. Batlogg
Verlag: Herder, 2025
176 Seiten, Klappenbroschur
Preis: 19 Euro
Foto: © Erika Weisser










