Staatsanwaltschaft plant Umzug ans Basler Tor Featured | 12.02.2020 | Lars Bargmann

Die Freiburger Staatsanwalt­schaft wird nach dem Neubau des Justizzentrums am Holzmarkt nicht wieder dorthin zurückziehen. Das zuständige Amt Vermögen und Bau Baden-Württem­berg verhandelt derzeit vielmehr mit der Moser Bau GmbH über einen Mietvertrag in einem Neubau an der Ecke Heinrich-von-Stephan- und Basler Straße. Und mit dem Eigentümer des Telekom-Gebäudes – wo die Behörde jetzt als Zwischenmieter sitzt – über eine Verlängerung. 

Entsprechende Informationen des Freiburger Stadt­magazins chilli bestätigt der Freiburger Amtsleiter Karl-Heinz Bühler. Moser-Chef Volker Lüdke gibt hingegen zu Protokoll: „Kein Kommentar.“

Als die Staatsanwaltschaft am 4. Dezember 2017 mit dem Umzug ins Telekom-Gebäude an der Berliner Allee 1 losgelegt hatte, war ein dreijähriges Gastspiel vereinbart worden. Am Stammsitz Holzmarkt aber wurde – nach dem Fund mittelalterlicher Relikte – erst unlängst überhaupt der Grundstein gelegt. Vor 2022 wird das neue Justizzentrum gar nicht fertig. Aber auch dann werden die Ankläger nicht zurückgehen. Der Leitende Staatsanwalt Dieter Inhofer gab sich auf Anfrage noch zurückhaltend: „Es laufen Verhandlungen. Wir sind aber nur Nutzer, wir führen diese nicht.“

Bühler, der sie führt, bestätigte indes: „Es ist richtig, dass die Staatsanwaltschaft nicht ins Justizzentrum zieht, dass wir derzeit einen längeren Mietvertrag im Telekom-Gebäude verhandeln und auch mit der Firma Moser über einen neuen Mietvertrag in einem Neubau.“ Auf dem Eckgrundstück an der Heinrich-von-Stephan- und Basler Straße plant Moser-Chef Volker Lüdke schon seit Jahren einen Neubau. Das Gespräch mit dem geschäftsführenden Gesellschafter dauert zehn Sekunden: „Zu diesem Grundstück kein Kommentar.“

Ende 2016 hatte Lüdke seine Planung mit rund 10.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche im Gestaltungsbeirat vorgestellt. Im Frühjahr 2017 sollte es losgehen. Der Beirat kritisierte etwa die teilweise siebengeschossige Bebauung, die mit knapp 30 Metern auch die Grenzen des Bebauungsplans sprengte. Problem: Wegen der benötigten Stellplätze hätte Moser zwei Tiefgaragen-Ebenen bauen müssen, was aber wegen des dortigen Grundwasserspiegels nicht ging. Also sollten die Stellplätze ins Erdgeschoss – was im Beirat und auch bei Lüdke selbst keinen Beifall auslöste – und die verlorene Bürofläche obendrauf realisiert werden. 

In einen nun neu geplanten Bau will die Staatsanwaltschaft mit allen Abteilungen und rund 140 Beschäftigten insgesamt 5400 Quadratmeter beziehen – 980 sind allein für die Registratur registriert. Die Staatsanwälte haben im vergangenen Jahr rund 40.000 Fälle bearbeitet, 2014 waren es noch 5000 weniger. Das Land hat im Januar sechs neue Stellen zugesagt. Die erste ist nach Auskunft von Inhofer bereits besetzt.

Das rund 28 Millionen Euro teure Justizzentrum wird nach der Fertigstellung allein vom Amtsgericht genutzt, das dann seine derzeit drei Stand­orte auf einen vereinigen kann. Mit dieser Lösung seien, so Bühler, alle sehr zufrieden.

Foto: © Neithard Schleier